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Ernst Leitz


EINE NEUE ZEIT?
DIE „PHOTOGRAPHIE HUMANISTE“ 1930-1960

Auch wenn die Wurzeln einer an menschlichen Daseinsfragen interessierten dokumentierenden Fotografie bis in die 1930er Jahre zurückreichen – ihre große Zeit erlebte die so genannte „Photo- graphie humaniste“ in den 40er und frühen 50er Jahren mit einem klaren Höhepunkt: Der von Ed- ward Steichen organisierten, 1955 eröffneten Aus- stellung „The Family of Man“. Im Kern ging es um ungestellte Bilder aus dem Alltag, sprechende Belege für die Befindlichkeit einer Generation, die den Krieg überlebt hatte und sich in einem kargen Frieden einzurichten suchte. Programmatische Bücher wie La Banlieue de Paris (Robert Dois- neau) oder Belleville-Menilmontant (Willy Ronis) sind die bis heute schönsten Zeugnisse für eine informelle Bewegung, die der Anekdote, dem eher bescheidenen Ereignis Vorrang gab vor experi- mentellen Strategien.

Exponate: u. a. Edouard Boubat, Henri Cartier- Bresson, Jean Dieuzaide, Frank Horvat, Sabine Weiss, Jean-Philipe Charbonnier, Pierre Jamet, Ara Güler, Erich Lessing

SUBJEKTIVE FOTOGRAFIE 1950 - 1960
Subbjektive Fotografie war der Titel von insge- samt drei programmatischen Ausstellungen, die der Deutsche Otto Steinert zwischen 1951 und 1958 konzipiert und auf den Weg gebracht hat. Dabei ging es – in deutlicher Abgrenzung von der Instrumentalisierung der Fotografie durch die Na- tionalsozialisten – um die individuelle, persönliche, künstlerische Seite des über zwölf Jahre in den Dienst totaler Propaganda gestellten Mediums.

Vorbildern aus der Zwischenkriegszeit folgend, übte man sich in Fotogrammen, Mehrfachbelich- tungen, Solarisationen. Aber auch Straßenszenen, Landschaften und Stadtlandschaften, Strukturbil- der oder Bilder aus der Welt der Technik kamen vor. Zeitschriften wie Leica Fotografie diskutierten die Bildleistungen der Subjektiven, deren Vorbild- charakter für wenigstens eine Generation von am- bitionierten Amateuren kaum zu überschätzen ist.

Exponate: u. a. René Groebli, Keld Helmer-Peter- sen, Ulrich Mack, Toni Schneiders, Christer Ström- holm, Walter Vogel, Louis Stettner, Herbert List

FOTOGRAFIE DES NEOREALISMUS
1945 - 1960 Ganz sicher war die neorealistische Fotografie der unmittelbaren Nachkriegszeit keine theoretisch unterfütterte, homogen auftretende Bewegung wie der italienische Film jener Jahre. Aber Foto- grafen wie Mario de Biasi, Enrico Pasquali, Enzo Sellerio, Fulvio Roiter oder der etwas jüngere Gi- anni Berengo Gardin verfolgten doch ähnliche Zie- le: Nämlich den überwiegend armen, beschwerli- chen, mitunter tragikomischen Alltag Italiens in plausible, ungestellte Bilder zu überführen. Sieht man ab von Pietro Donzelli, der ausschließlich über das Quadrat seiner Rolleiflex komponierte, dann vertraute das Gros der italienischen Neorea- listen auf die diskrete Leica und kadrierte im mitt- lerweile klassischen 2 : 3-Format.

Exponate: u. a. Mario de Biasi, Gianni Berengo Gardin, Fulvio Roiter, Ferdinando Scianna

Fotografie in Spanien 1945 - 1960
Kein einziger spanischer Fotograf war auf den von Otto Steinert organisierten, durchaus international angelegten Ausstellungen subjektiver Fotografie vertreten. Bis heute sind die Bildleistungen spa- nischer bzw. katalanischer Kamerakünstler kaum bekannt. Umgekehrt wussten die häufig in Kame- raclubs in Madrid oder Barcelona organisierten Fotografen sehr wohl Bescheid über das interna- tionale Fotoschaffen, was das formal-ästhetisch hohe Niveau ihrer Bildleistungen erklärt.

Exponate: u. a. Joan Colom, Ramón Masats, Xavier Miserachs, Leopoldo Pomés, Ricard Terré

Fotografie in Portugal 1945 - 1960
Was für das Spanien der 50er und 60er Jahre gilt, gilt ebenso für Portugal, wo auf künstlerisch ho- hem, an der subjektiven Fotografie bzw. der Pho- tographie humaniste geschultem Niveau fotogra- fiert wurde, ohne dass das bis heute international wahrgenommen worden wäre. Exklusive Leihga- ben portugiesischer Fotografie der 1950er Jahre (Vintage Prints) aus dem Museu Nacional de Arte Contemporânea in Lissabon stellen einen weiteren Höhepunkt der Hamburger Ausstellung dar.

Exponate: u. a. Carlos Afonso Dias, Gérard Castel- lo-Lopes, Sena da Silva, Carlos Calvet, Victor Palla



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