„Durch die Schrift und den Buch- Druck hat eigentlich der menschliche
Geist erst die Welt erobert.“ Adalbert Stifter
Buch- Druck, Tontafeln
Die ältesten Bücher der Welt bestanden aus Tontafeln und wurden
in Babylonien gefunden. Mit einer Art Griffel wurden die Keilschriftzeichen
in die Tontafel eingedrückt; anschließend wurden die Tafeln an der
Sonne getrocknet oder im Feuer gebrannt. Dadurch wurden sie sehr
haltbar und konnten sogar einen Brand überstehen.
Einige Hunderttausend solcher Keilschrifttafeln wurden immer wieder
in den vergangenen Jahrhunderten entdeckt. Eine der berühmtesten
Sammlungen von Tontafeln war die Bibliothek des assyrischen Königs
Assurbanipal (Regierungszeit: 669 – 633 v. Chr.). Diese großartige
Sammlung wurde von Sir Austen Henry Layard (1817 – 1894) in Ninive
ausgegraben. Einiger dieser Tontafeln sind heute im Britischen Museum
in London ausgestellt. Sie enthalten Bruchteile des berühmten Gilgamesch
– Epos.
Buch- Druck, Papyrus- Ägypter
Über 3000 Jahre wurden Tontafeln für Niederschriften verwendet.
Die Ägypter waren es, die einen neuen Beschreibstoff entwickelten:
nämlich das berühmte Papyrus aus der Papyrusstaude. Die Herstellung
von Papyrus war ein königliches Privileg. Man nimmt an, dass in
dem Wort „Papyrus“ der Wortstamm „Pharao“ enthalten ist. Papyrusrollen
waren 3 bis 6 Meter lang. Es gab aber auch Rollen von 30 bis 40
Meter Länge. Zum Schreiben wurden Rohrfedern oder Pinsel verwendet
und die Hieroglyphen wurden mit roter oder schwarzer Tinte aufgetragen.
Die Schreiber galten im alten Ägypten als freie, hoch angesehene
Menschen. Im Vergleich zu den babylonischen Tontafeln sind nur wenige
Papyrusrollen erhalten geblieben. Eine der ältesten Papyrusrollen,
ein sogenanntes Totenbuch, wurde auf das Jahr 1860 v. Chr. datiert.
Buch- Druck, Papyrus- Griechen...
Auch die Griechen, Römer, Phönizier, Byzantiner, Kopten und Araber
übernahmen Papyrus als Beschreibstoff. Noch im 6. und 7. Jh. n.
Chr. wurden riesige Schiffsladungen Papyrus nach Europa gebracht.
Sowohl im Klöstern als auch in Handelskontoren wurden Papyrus verwendet.
Die jüngste bekannte Papyrusurkunde stammt aus dem Jahre 1022 n.
Chr.
Buch- Druck, Papyrus- Alexandria
Auch wenn wahrscheinlich nur eine einzige Rolle erhalten blieb,
so gilt die Bibliothek von Alexandria in Ägypten als eine der berühmtesten
aller Zeiten. Zur Zeit der Hochblüte dieser Bibliothek sollen mehr
als 700000 Rollen in ihren Hallen gelagert gewesen sein.
Ein Teil davon wurde ein Raub der Flammen, als 47 v. Chr. Cäsar
Alexandria besetzte. Das endgültige Ende dieser herausragenden Sammlung
brachten die Araber, die 642 n. Chr. Alexandrien eroberten. Während
der Feldherr Amru noch über das Schicksal der berühmten Sammlung
nachdachte, entschied der Kalif Omar: „Wenn diese Bücher der Griechen
mit dem Buch Gottes, dem Koran übereinstimmen, sind sie nutzlos
und brauchen nicht erhalten zu werden. Wenn sie aber mit dem Buch
Gottes nicht übereinstimmen, sind sie schädlich und müssen vernichtet
werden.“ Daraufhin wurden die Schriftrollen in den öffentlichen
Bädern verheizt.
Buch- Druck, Pergament- König Eumenes II
Nicht nur in Alexandrien gab es die berühmte Bibliothek; auch
andere Herrscher legten Sammlungen an. Schließlich wurde die Ausfuhr
von Papyrus nach Kleinasien verboten. Man wollte keine „Konkurrenz“
zur Bibliothek in Alexandrien. Deshalb ließ König Eumenes II von
Pergamon nach Ersatzmaterial suchen. Schließlich hatte man das Pergament
entwickelt, das seinen Namen nach der Hauptstadt Pergamon trug.
Auch wenn es sich hier im Wesentlichen um eine Legende handeln dürfte,
so stimmt mit Sicherheit, dass man in Pergamon eine ansehnliche
Sammlung von Pergamentrollen fand.
Buch Druck, Lederrollen
Noch älter als Pergament sind Lederrollen. Ein Teil der Schriftrollen
vom Toten Meer wurde auf Leder geschrieben und noch heute bestehen
Thorarollen in Synagogen, einer alten Talmud – Vorschrift folgend,
aus Leder. Für Leder muss das gereinigte Fell gegerbt werden. Anders
die Pergamentherstellung: „Die Tierhäute wurden gewaschen, enthaart
und entfettet, dann in Kalkmilch gebeizt und straff auf einen Rahmen
gespannt. Nun war es Aufgabe des Pergamenters, die Haut von beiden
Seiten mit einer scharfen Klinge abzuschaben und möglichst auf gleichmäßige
Dicke zu bringen. Eine Nachbehandlung mit Kreidepulver und Bimsstein
schloss sich an. Besonders feines Pergament ließ sich aus der Haut
von Kälbern, Lämmern und Zicklein herstellen.“ Pergament war besser
zu verarbeiten, da seine Flächen glatter waren; außerdem war es
beidseitig beschriftbar. Pergament war auch viel haltbarer als Papyrus.
Buch Druck, Tontafeln- Mesopotamiern
Bereits bei den Mesopotamiern wurden die Tontafeln mit Schanieren
zu Büchern verbunden. Doch mehr als ein Dutzend Tafeln konnte nicht
zusammengefasst werden. Auch die Griechen gingen mit Wachs- und
Holztäfelchen ähnlich vor.
Buch Druck, Pergament- Bücher
Erst das Pergament führte schließlich zur Herstellung der ersten
richtigen Bücher. Das Pergament wurde gefaltet, zusammengeheftet,
die einzelnen Blätter aufgeschnitten und das Ganze mit einer Art
Einband versehen. Codices (Einzahl: Codex) wurden Bücher dieser
Art genannt und entstanden mit großer Sicherheit im 1. Jh. n. Chr.
Diese Buchform fand vor allem durch die Christen Verbreitung, da
man mit Hilfe der heiligen Bücher die Religion verbreiten wollte.
Die Codices wurden daher eher als „Gebrauchsbücher“ angesehen. Die
Rolle galt noch lange als vornehmer. Erst mit Ende der römischen
Kaiserzeit, also gegen 500 n. Chr., hatte der Codex schließlich
die Rolle verdrängt. Mit der Bedeutung der Codices entwickelte sich
auch zunehmend die Kunst der prunkvollen Buchausstattung und Buchmalerei.
Dies war besonders bei liturgischen Büchern der Fall. Diese Bücher
wurden in mittelalterlichen Bibliotheken sogar angekettet, um sie
vor Diebstahl zu bewahren.
Buch Druck, Kettenbücher
Noch heute sind solche „Kettenbücher“ in vielen alten Bibliotheken
zu bewundern.
Berühmte Codices: Codex Vaticanus, um 350 n. Chr. geschrieben, enthält
fast das ganze Alte Testament, wird heute im Vatikan aufbewahrt;
Codex Alexandrinus, 5. Jh. n. Chr., enthält eine Großteil der Bibel,
wird in London aufbewahrt;
Codex Sinaiticus, 4. Jh. n. Chr., enthält das Neue Testament und
wesentliche Teile des Alten Testamentes; wird im Britischen Museum
in London aufbewahrt;
Codex Alexandrinus, 5. Jh. n. Chr., enthält eine Großteil der Bibel,
wird in London aufbewahrt; Codex Sinaiticus, 4. Jh. n. Chr., enthält
das Neue Testament und wesentliche Teile des Alten Testamentes;
wird im Britischen Museum in London aufbewahrt;