Der Künstler lebte in dem kleinen Ort Hertogenbosch,
also weit weg von jeder Kulturstadt. Die Werke des Hieronymus
Bosch können besser verstanden werden, wenn man sie in
Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Leben gegen Ende des 15. Jh. sieht. Städte wie Brügge
und Gent, die sehr reich geworden waren, verloren ihre gute
Stellung aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen.
In weiten Teilen der Niederlande gab es hohe Arbeitslosigkeit
und auch das Verhalten der Kirche stiftete mehr Verwirrung
als seelischen Frieden. Hexen und Gegner wurden verfolgt und
verbrannt, während der Papst seine unehelichen Kinder
verheiratete.
"Der Garten der Lüste" Triptychon, Öl
auf Holz, um 1510
Madrid, Museo del Prado
Die Außenseite des Altars zeigt die erschaffende
Erde in einer Kristallkugel. Die rechte Tafel des geöffneten
Altars zeigt Adam und Eva im paradiesischen Garten.
Die große mittlere Tafel entsetzt den Betrachtern
mit den Bildern einer Welt, die den Bezug zu Gott verloren
hat. Die Menschen folgen nur ihren Gelüsten, scheinen
einem Jungbrunnen entsprungen zu sein und lassen ihren
Launen freien Lauf. Die Vögel sind von bekannter
Symbolkraft: der Rabe als Unglaube, der Pfau steht für
die Eitelkeit und der Ibis, Vertilger der toten Fische,
ist der Wiederkäuer gehabte Vergnügungen.
Die rechte Tafel zeigt schließlich die Höllenqualen,
die der von Gott entfremdete Mensch über sich ergehen
lassen wird müssen.
Interessant ist, dass es auch ganz andere Interpretationen
gibt: Die drei Tafeln des Altars spiegeln die drei Arten
der Liebe wieder - die himmlische, die irdische und
die höllische Liebe.
"Das Narrenschiff", Öl auf Holz, nach
1490
Paris, Musée du Louvre
Die Verweltlichung der Kirche, der Gott abgewandte eitle
Lebensstil der Menschen war um 1500 immer wieder Thema
von Kunst und Literatur. In Anlehnung an Sebastian Brants
"Narrenschiff" malt Bosch sein Bild. Im Mittelpunkt
eine musizierende Nonne und ein singender Mönch,
umgeben von Figuren, die ebenfalls am bunten Treiben
Spaß haben. Die mahnde Maske in der Baumkrone
wird von keinem wahrgenommen. Sie alle scheinen, ohne
es zu wissen, so wie der Narr, auf einem dürren
Ast zu sitzen.
"Der büßende hl. Hieronymus",
Öl auf Holz, um 1500
Gent, Musée des Beaux-Arts
Der Hl. Hieronymus, der in so vielen anderen Kunstwerken
meist in seiner Studierstube dem Betrachter gegenüber
tritt, wird hilflos den bösen Mächten gegenüber
gezeigt. Bosch scheint in seinem Werk die religiöse
Unsicherheit seiner Zeit wiederspiegeln zu wollen.