Drucktechnik: Holzschnitt, Kupferstich
Der Holzschnitt und der Kupferstich verdient einen
besonderen Platz innerhalb der Drucktechnik; spiegelt
sie uns doch gleich einer Bildenzyklopädie unsere kulturelle
Entwicklung. Die Druckgraphik entspringt dem Wunsch
bildliche Darstellungen weiteren Kreisen zugänglich
zu machen. Parallel zur Entwicklung des Buches stieg
der Bedarf an Anschauungs- und Illustrationsmaterial
und so wurde der Weg zum Höhenflug der Drucktechnik
bereitet.
Drucktechnik: Kupferstich, Inkunabeln
Die Drucktechnik erfüllt seit jeher zwei verschiedene
Ansprüche: einerseits wurde es möglich, Unikate zu reproduzieren,
andererseits repräsentierte sie auch eine selbständige
künstlerische Leistung. Die ersten Drucke, die vor 1500
entstanden, sind heute unter dem Fachbegriff "Inkunabeln" (lat. incunabula = Wiege) bekannt. Bei diesen Wiegendrucken
handelte es sich um Holzschnitte. Der älteste erhaltene
Holzschnitt dürfte in der 2. Hälfte des 14. Jh. entstanden
sein und ist ein Bildnis von "Christus in der Kelter".
Der älteste Holzschnitt mit Signatur wird einem Holzschneider
aus Biberach an der Riß (Baden-Württemberg) zugeordnet. "ierg haspel" - so
zeigt die Signatur - starb zwischen 1430 und 1440. Diese
ersten Holzschnitte zeigten vor allem Heiligenbilder
bzw. religiöse Motive.
Drucktechnik: Kupferstich, Spielkarten
Von den früheren Drucken blieben nur jene erhalten,
die in Bücher oder auch Kästen geklebt waren. Für das
weltliche Leben wurden vor allem Spielkarten gedruckt, doch ist von dieser Gebrauchsgraphik kaum
Nennenswertes erhalten. Aus dieser frühen Zeit der Buchillustrationen
stammen auch die sogenannten Blockbücher.
Die Holzschnitte des 15. Jh. zeigten vor allem Umrissdarstellungen,
erst in der weiteren Entwicklung im Laufe des 16. Jh.
entstanden durch Schraffierungen weitere Ausdrucksmöglichkeiten.
Schon in der frühen Zeit der Inkunabeln versuchte man
sich auch an anderen Drucktechniken, wie z.B. dem Metallschnitt.
Drucktechnik: Kupferstich - Geißelung Christi
Neben diesen Hochdruckverfahren entwickelte sich allmählich
der Tiefdruck. Diese Technik ist vergleichbar mit der Metallgravur
der Gold- und Waffenschmiede. Bei italienischen Goldschmieden
war es durchaus üblich, von den Mustern, die sie mit Stichel
und Metallplatte gesetzt hatten, Probedrucke auf Papier abzuziehen.
Nach diesen Vorbildern entwickelte sich (zuerst in Deutschland)
der Kupferstich zur selbständigen Kunst. Das älteste
datierte Blatt von 1446 zeigt die "Geißelung Christi". Bedeutende
Namen der frühen Zeit des Kupferstiches waren z.B. "Meister
E.S." (tätig von 1450 - 1467) und Martin Schongauer (gestorben
1491). Häufig stammten diese Künstler aus Goldschmiedefamilien,
so wie auch Albrecht Dürer (
1471 - 1528). Albrecht Dürer, der sowohl den Holzschnitt als
auch den Kupferstich in hervorragender Meisterschaft beherrschte,
führte die Drucktechnik zu ihrem ersten Höhenpunkt. Seine
berühmten Holzschnittfolgen - die "Apokalypse" (1498), die
"Große Passion" (1498 - 1510) und das "Marienleben" (1501
- 1511) - zeigen eine hervorragende Verfeinerung der Drucktechnik,
die auch ein ungeahntes Maß an Plastizität und Räumlichkeit
möglich machte. Für die Darstellung vielschichtiger humanistischer
Themen wählte Albrecht Dürer den Kupferstich. Zu seinen Meisterstichen
zählen: "Ritter, Tod und Teufel", "Melancholie" und "Hieronymus
im Gehäus". Albrecht Dürer hat letztlich ungefähr 350 Holzschnitte
und 100 Kupferstiche hinterlassen.
Drucktechnik: Kupferstich, Deutschen Städten
Während Dürer in Nürnberg zuhause war, wirkten auch in anderen
großen deutschen Städten Meister dieser Kunst: Hans Burgmair
und Hans Holbein schufen in Augsburg ihre Werke, in Regensburg
war es Albrecht Altdorfer, in Wittenberg Lukas Cranach der
Ältere. Stark von Dürer beeinflusst war der Niederländer Lukas
van Leyden und die (nach dem kleinen Format ihrer Werke) sogenannten
Kleinmeister: Heinrich Aldegrever, Georg Pencz, die Brüder
Beham und Hans Springinklee.
Drucktechnik: Kupferstich - Italien
In Italien verbindet man vor allem die Namen Andrea Mantegna
(1431 - 1605) und Anton Raimondi (1475 - etwa 1534) mit der
Kunst des Kupferstiches. Trotzdem hatte in Italien der Kupferstich
nicht so einen hohen Stellenwert wie in Deutschland. War die
erste Zeit der Graphik - Kunst geprägt von Holzschnitt und
Kupferstich, so standen im 17. Jh. der Reproduktionsstich
und die Radierung einander gegenüber. Peter Paul Rubens (1577 - 1640) gründete
seine eigene Stecherschule. Diese Schule hatte vor allem die
Aufgabe, seine Gemälde zu reproduzieren. Bedeutende Künstler
gehörten zu dieser Stecherschule: Lukas Vostermann, Paul Pontius,
Boetius und Schelte Bolswert.