Die impressionistischen Künstler sind heute auf der ganzen
Welt berühmt. Ihre Gemälde erzielen Höchstpreise bei Kunstauktionen.
Dennoch war dem nicht immer so. "Die Maler des Lichtes" mussten
lange auf ihre Anerkennung warten. Ihre ersten Werke wurden
von den Kritikern verrissen und keiner damals anerkannten
Kunstkenner hätte wohl geglaubt, dass diese Bilder den Weg
in die bedeutendsten Museen finden würden.
Aus heutiger Sicht scheint es selbstverständlich, dass
der Impressionismus eigentlich nur in Frankreich geboren
werden konnte. Die Menschen lieben ihr Land und fühlen
die Seele, die hinter all der Schönheit liegt. Während
italienische Künstler nach dem Ideal der Schönheit strebten,
lag den Impressionisten daran, die Seele, die Poesie
des Südens in ihren Bildern zum Ausdruck zu bringen.
Die Landschaft, die in goldenes Licht getaucht, ungeahnte
Farbspiele hervorzaubert, war eine bis dahin nicht gekannte
Herausforderung für die Maler. Die Impressionisten,
die Maler des Lichtes, haben im Süden Frankreichs ihre
Spuren hinterlassen, von Pissarro über Cèzanne,
van Gogh und Renoir bis zu Matisse.
Die Künstler begannen um die Mitte des 19. Jh. im Freien
zu malen. En plen air - wie es die Franzosen nennen
- war eine völlig neue Art, sich mit Licht- und Farbeffekten
auseinander zu setzen. Die Maler Jean-Baptiste Camille
Corot und Gustave Courbert waren in dieser Hinsicht
Wegbereiter der Impressionisten. Corot beschwor die
Künstlerkollegen, nie "den ersten wunderbaren Eindruck
zu verlieren, der uns bewegte." (S. 165)
Auch wenn es die Landschaften der Provence sind, die
mit den Bildern der Impressionisten verbunden werden,
es war die Normandie, der Norden des Landes, wo die
Maler ihre ersten Erfahrungen mit dem Malen von Licht
machten. Die Flusstäler der Ile-de-France waren es,
die von einem wunderbaren Licht erfüllt schienen, das
gleichzeitig keine harten, dunklen Töne zuließ. Das
Auge sah angenehmes und gedämpftes Licht. Eine Harmonie,
die verschönert worden war von einer Milde des Lichtes.
Nachdem sich die Künstler erste Sicherheit im Malen
dieser Landschaftseindrücke erworben hatten, unternahmen
sie das Wagnis, das Licht des Südens einzufangen.
Die politisch unruhige Zeit war für manchen Künstler
ein Grund mehr, sich von künstlerischen Traditionen
zu befreien. Gegen Ende des 19. Jh. wurden die ersten
wissenschaftlichen Theorien der Psychologie und Psychiatrie
entwickelt und blieben sicherlich nicht ohne Einfluss
auf die impressionistischen Maler - es war ein anderer
Blickwinkel, aus dem Menschen beobachtet und porträtiert
wurden.