Raffael verbringt die erste Lehrzeit bei seinem Vater Giovanni
Santi; er erwirbt in dieser Zeit aber in erster Linie handwerkliche
Grundlagen. Erst in der Werkstatt bei Perugino lernt Raffel
die feinen Techniken als Grundlage für sein weiteres
Schaffen kennen: die Darstellung der Landschaft, die Aufteilung
der Fläche.
1504 kommt Raffael nach Florenz und nimmt begierig all die
neuen Eindrücke auf und vollzieht in kurzer Zeit eine
Entwicklung zu künstlerischer Blüte. Von Papst Julius
II. erhält er schließlich den Auftrag für
die Ausmalung der Privatgemächer des Vatikans, der sogenannten
Stanzen. Von einer Räumlichkeit zur nächsten sind
Raffaels Entwicklungsschritte zu beobachten. "In der
"Stanza della Segnatura" gewinnen Raffaels Kompositionen
an Weiträumigkeit, seine Figuren an statuarischer Würde
bei gesteigerter Freiheit der Bewegung. Schon in der unmittelbar
anschließenden Ausmalung der "Stanza d'Eliodoro"
stößt Raffael zu neuen Ufern vor. Die Dramatik
der Erzählung wird gesteigert, der Raum auf Kosten der
Fläche wird betont, die farbige Modulation der Zeichnung
übergeordnet."
Das Bewundernswerte an Raffaels Kunst liegt in seinem Entwicklungsbogen,
der sich der Überwindung des 15. Jahrhunderts zur Blüte
der Hochrenaissance führt und schließlich in den
Manierismus überleitet.
"Die Vermählung der Maria", 1504,
Öltempera auf Holz, Pinacoteca di Brera, Mailand
In diesem Werk ist die Schule Peruginos noch deutlich
spürbar.
"Die Madonna von Foligno", 1512, Öl
auf Holz, auf Leinwand übertragen, Musei Vaticani,
Rom
Dieses Werk ist ein Beispiel für die grandiose
Raumaufteilung Raffaels. Der himmlische Halbkreis der
oberen Hälfte des Bildes wird von den irdischen
Figuren zum Kreis ergänzt und gleichzeitig eröffnet
die Anordnung der Figuren ein perspektivisches Bild.
Die geometrische Form des Kreises wiederholt sich in
der Gloriole um Maria und im Regenbogen über der
Landschaft.
"Die Madonna im Grünen", 1505/06,
Öltempera auf Holz, Kunsthistorisches Museum, Wien
Das Motiv der Madonna mit Christus und Johannes hat
Raffel in seiner Zeit in Florenz immer wieder gemalt.
Es war ein Experimentieren mit der Anordnung der Figuren
im Raum und der Komposition von Bewegung.
Obwohl die Jünglinge hier von der Mitte nach links
verschoben sind, ist die Komposition so angelegt, dass
sie sich noch im Rahmen eines gleichschenkeligen Dreiecks
befinden.
"Verklärung Christi" (Transfiguration),
1517/20, Öl auf Leinwand, Musei Vaticani, Rom
Eltern bringen ihr epileptisches Kind zu den Jüngern.
Sie können jedoch nicht helfen. Das Bild, das gleichsam
in zwei Hälften geteilt ist - eine irdische und
eine himmlische - verweist auf Jesus, der einzig Göttliche,
der helfen kann.
Während der irdische Teil mit skulpturenhaften
Körpern und starker Farbgebung auf das Hier und
Jetzt verweisen, ist die Farbgebung im himmlischen Teil
des Bildes viel mehr von hellen Farben bestimmt, die
Konturen der Figuren sind weniger stark betont.
Die Verbindung der beiden Hälften gelingt Raffael,
indem er die stark gestikulierenden Menschen nach oben
weisen lässt und durch die schräg ansteigende
Felswand.
Es handelt sich hier um Raffaels letztes Werk. Wobei
sich die Verklärung nicht nur auf Christus bezieht,
sondern auch auf die Person Raffaels selbst. Schon zu
seinen Lebzeiten war das Schaffen Raffaels von einem
göttlichen Nimbus umhüllt.
"Die Schule von Athen", 1511/12, Fresko,
Musei Vaticani, Rom
Dieses Fresko ist kein historisches Abbild eines Treffens,
das genauso stattgefunden hätte. Die Architektur
entspricht Bramantes Vorbild und sie ist der Darstellung
der Personen gleichwertig. In der Mitte des Raumes sind
Aristoteles und Platon, weiters sind Diogenes und Zoroaster
(mit dem Himmelsglobus) und Raffael selbst zu erkennen.
In grünem Gewand lässt sich Sokrates erkennen
und bei der sitzenden, schreibenden Gestalt handelt
es sich um Pythagoras
"Sixtinische Madonna", 1513, Öl
auf Leinwand, Gemäldegalerie, Dresden
Die Madonna entspricht dem vollkommenen Schönheitsideal
Raffaels. Die Figuren sind einerseits in Pyramidenform
angeordnet, andererseits hat Raffael kommunikative Bewegungen
dem geometrischen Aufbau entgegengesetzt. Der Hl. Sixtus
schafft mit ausgestreckter Hand und Blick zur Madonna
die Verbindung zwischen Betrachter und Madonna. Die
Hl. Barbara senkt bescheiden den Blick.
"Madonna mit Kind und Hl. Johannes",
1507, Louvre, Paris
Malte Raffael ursprünglich zarte Kindergestalten,
so ist hier bereits der Einfluss Michelangelos sichtbar.
Die Knaben werden in wonniger Körperlichkeit gezeigt.
Auch Christus wird hier in seiner Menschwerdung wörtlich
genommen.
Die Bildkomposition ist pyramidisch angelegt. Die Madonna
beherrscht den Aufbau des Altarbildes. Die obere Rundung
wirkt wie ein großer Heiligenschein.
Im Vordergrund sind detailierte Pflanzenabbildungen
zu sehen, die Landschaft im Hintergrund verliert sich
zunehmend im Dunst.
"Die Heilige Familie mit dem Lamm",
1504, Privatbesitz, Lichtenstein
"Grabtragung", 1507, Öl auf Holz,
Galleria Borghese, Rom
"Schöne Gärtnerin", 1507
Dieses Werk gilt als Idealbild der Florentiner Madonnen.