Signorelli stand zweifellos im Einflusskreis der florentinischen
Künstler. Eines seiner großen Anliegen war die
möglichst naturnahe Abbildung des menschlichen Körpers
- ein Ideal der Hochrenaissance. Bald zählt Signorelli
neben Botticelli, Ghirlandaio und Perugino zu den ausgesuchten
Malern, die in der Sixtinischen Kapelle arbeiten dürfen.
Auch die Fresken im Dom von Orvieto stammen von Signorelli:
Darstellung des Jüngsten Gericht.
"Bildnis eines Rechtsgelehrten", Öl
auf Holz,1490/1500
Berlin, Gemäldegalerie
Ursprünglich war in Italien die Porträtabbildung
im Profil üblich, doch viele Künstler übernahmen
in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts die "Dreiviertelansicht"
wie sie bei den niederländischen Malern üblich
war. Dadurch wurde ein wesentlich individuelleres Abbild
der Person möglich.
Auffallend an diesem Bildnis sind die sehr markant gearbeiteten
Gesichtszüge, die Signorellis Verbindung zur Kunst
der Bildhauer erahnen lassen.
Der Hintergrund entspricht den antiken Vorbildern -
sowohl die Aktfiguren als auch der Tempelbau.
"Die Verdammten aus dem Jüngsten Gericht",
Fresko, 1499/1503
Orvieto, Dom, Capella di S. Brizio
Besonders auffällig an diesem Fresko ist die Konzentration
von sehr bewegten Körpern, wie sie erstmals vor
Michelangelo zu finden ist. Auch hier wieder die Verbindung
zur Skluptur.
Landschaft wird hier wenn überhaupt im Hintergrund
nur angedeutet. Was zählt ist einzig der menschliche
Körper in den verschiedensten Bewegungsmöglichkeiten.
Auch die Farbe dient nur der Abgrenzung der Körper
bzw. durch hell-dunkel Effekte der plastischen Ausformung.
"Der Philosoph", Fresko
Orvieto,Dom, Cappella di S. Brizio
"Das Ende der Welt", Fresko, 1499/1505
Orvieto, Dom, Capella di S. Brizio
"Die Auferstehung des Fleisches",
Fresko, 1499/1505
Orvieto, Dom, Capella di S. Brizio