Schmuck Geschichte - Das Armband
Auch das Armband ist bereits aus frühester Zeit bekannt.
Im Mittelalter und in christianisierten Gebieten nördlich
der Alpen wurde das Armband bzw. der Armreifen nicht oder
nur selten getragen. Erst in der Renaissance besann man sich
auf dieses Schmuckstück.
Im Norden Europas trug man goldene Reifen über die Kleiderärmel,
in südlichen Ländern Europas wurden goldene oder perlenbesetzte
Armbänder am bloßen Arm getragen. Um die Mitte des 16. Jh.
war das Armband ausgesprochen beliebt: es war mit Perlen,
Edelsteinen und Email reich verziert. Die anschließende Mode
mit Ärmelkrausen ließ kaum Platz für Armbänder.
Erst der Klassizismus ließ das Armband wieder mehr in Erscheinung
treten und auch hier waren es die allseitig beliebten Kameen,
die das Armband zierten. Die Epoche der Romantik brachte ganz
besondere Armbänder hervor: geflochten aus Menschenhaar und
mit Schließen versehen, die eine emailliertes Miniaturbildnis
zeigten. Ebenso wie beim Halsschmuck merkt man auch beim Armband, dass es in der 2. Hälfte des 19.
Jh. nur wenige eigene gute Ideen gab. Man orientierte sich lieber
an der Vergangenheit oder an der orientalischen Schmuckkunst.
Schmuck Geschichte - Der Ohrschmuck
Aus frühgeschichtlichen Funden weiß man, dass Ohrgehänge nicht
nur Frauen und Kindern vorbehalten waren; auch Männer, vor allem
Krieger, trugen Ohrschmuck. In der Antike gehörte reicher Ohrschmuck
zur Tracht. Der Halbmond war als Motiv besonders häufig anzutreffen.
Im Mittelalter trug mit man in Südost- und Mitteleuropa mit Granulation
und Filigran verzierten Ohrschmuck. In Westeuropa konnte sich der
Ohrschmuck hingegen nicht wirklich durchsetzen. Während der italienischen
Renaissance schmückten sich italienische Frauen mit edlen Steinen
und großen Perlen.
Zu Beginn des 17. Jh. verbreitete sich der Ohrschmuck über weite
Teile Europas. Statt mit Perlen waren die Gehänge mit Edelsteinen
geschmückt und an der Rückseite waren sie emailliert. Zunehmend
gehörte der Ohrschmuck zu aufwändig gearbeiteten Garnituren. Neben
den herkömmlich edlen Materialien wurden bei den Ohrringen auch
gerne Elfenbein und Schildpatt verarbeitet.
Frankreich unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV nahm die beherrschende
Rolle in der Schmuckkunst in Europa ein. Charakteristisch für den
Ohrschmuck dieser Zeit sind drei kleine Edelsteinpendel am Hauptmotiv
unter dem Ohr. Diese Art der Ohrringe wird "girandoles" genannt.
Im 18. Jh. waren es vor allem Brillanten, die nicht nur wie bereits
erwähnt am Halsschmuck Verwendung fanden, sondern auch bei den Ohrringen
gerne getragen wurden.
Im Rokoko schätzte man die spielerische Beweglichkeit langer pendelförmiger
Ohrgehänge. In Gegensatz dazu zeigte im Klassizismus der Ohrring
auffallende Schlichtheit. Erst im Biedermeier erhielt der Ohrring
wieder ein beschwingteres Aussehen. Bunte Schmucksteine mit Filigran
und Granulation verziert, umgeben von einer mehrtonigen goldenen
Fassung. Die weitere Entwicklung des Ohrschmuckes verlief im Wesentlichen
parallel zu den bisher angeführten Schmuckarten.
Schmuck Geschichte - Der Fingerring
Waren alle bisher genannten Schmuckformen auch in frühgeschichtlicher
Zeit als Schmuck bekannt, so gilt dies nicht für den Ring, der am
Finger getragen wird. Der Ring, wenn er überhaupt in Schriften aus
vorchristlicher Zeit erwähnt wird, war viel mehr Erkennungsmerkmal
oder auch ein Zeichen dafür, ein bestimmtes Amt inne zu haben.
Die ursprüngliche Bedeutung des Ringes lässt sich heute noch in
den kirchlichen Ritualen erkennen: Der Papst ist Träger des sogenannten
Fischerringes und Kardinäle und Bischöfe erhalten bei ihrer Einkleidung
einen Amethystring.
Schließlich ist auch der Ehering mehr Symbol denn Schmuckstück.
Auch wenn sich das im letzten Jahrhundert gewandelt hat. Früher
war es ein schlichter Goldring, der als Ehering getragen wurde.
Trotz all dieser symbolischen Bedeutung entwickelte sich der Ring
bereits ab dem Altertum auch als Schmuckstück.
Aus mittelalterlichen Gräbern weiß man, dass Frauen, Männer und
auch Kinder Ringe gleichermaßen gerne trugen. Neben sehr aufwändig
gearbeiteten Ringen, die den oströmischen und osteuropäischen Einfluss
widerspiegelten, zierte den mittelalterlichen Ring eine Gemme oder
Kamee oder ein glatter Schmuckstein.
Der mittelalterliche Mensch war tief religiös und es ist daher
nicht verwunderlich, dass gerne religiöse Motive graviert wurden.
Durfte ursprünglich innerhalb der Kirche nur der hohe Klerus Ringe
tragen, so war es ab dem 12. Jh. einzelnen und ab dem 15. Jh. jedem
Abt erlaubt einen Hirtenring zu tragen. Diese waren aus Gold gefertigt
und mit einem gemugelten Edelstein verziert.
Der Siegelring war weit verbreitet, denn nicht nur der Hochadel
führte Wappen, sondern auch Bürger und Bauern. Die herkömmlichen
Schmuckringe der Spätgotik zeigten Edelsteine, die von Blatt- und
Astwerk umrangt waren. Auch damals verbanden die Menschen mit dem
Ring bzw. mit dem jeweiligen Edelstein bestimmte Kräfte; man erhoffte
ich Stärke, Kraft und Ruhe und auch den Schutz vor Krankheit und
Unglück.
Im Laufe der Zeit erfuhr auch dieser Ringtypus Veränderungen. Die
Emailverzierungen wurden reicher und zu Beginn des 17. Jh. zierten
figural geschnittene Steine den Ring. Auch traf man bei anderen
Schmuckarten häufig auf römische Gemmen und Kameen.
In Italien schuf man zu dieser Zeit Ringe, die mit Uhren oder
mathematisch-astronomischen Instrumenten ausgestattet waren. Eine
Besonderheit war der sogenannte "Vexierring": er bestand aus drei
schmalen Reifen, die man lose auseinandergeschoben tragen konnte
und die - wurden sie wieder ineinandergeführt - ein Symbol (z.B.
ein Kreuz) darstellten.
Im 18. Jh. eroberte das Funkeln der Brillanten neben dem Hals-
und Ohrschmuck auch den Ring. Die Ringfassung war unauffällig und
gab den Brillanten und anderen edlen Steinen Raum. Ebenfalls im
18. Jh. trug man vor allem in England Trauerringe. Trauerweiden,
Urnen, trauernde Frauengestalten oder erinnernde Monogramme waren
bevorzugte symbolische Motive.
Um 1800 trug man gerne Miniaturporträts eines geliebten Menschen,
die von Brillanten, oder weniger kostspielig von Strasssteinen,
umgeben waren. Auch begann man bestimmte Schmucksteine zu schätzen,
die man bisher kaum geachtet hatte; so z.B. den roten Karneol und
den Moos-Achat. Der schönste und kostbarste Ringstein des ausgehenden
19. Jh. ist der berühmte Solitär.