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97. Auktion

Vorbericht zur Sommerauktion 2020

97. Auktion

 Trotz der weltweiten Ausnahmesituation können wir außergewöhnliche Objekte aus mehreren Jahrhunderten vom 25. bis 27. Juni anbieten. Über 2.500 Lose sind trotz der verkürzten Einlieferungsphase zusammen gekommen, die Anke und Julia Wendl in gewohnt geschätzter Weise hoffentlich nicht nur online, sondern auch vor Saalpublikum versteigern werden. Wir danken unseren Einlieferern und Bietern für das entgegengebrachte Vertrauen und Verständnis, denn erstmals wird es für die Sommerauktion keinen gedruckten Katalog geben. Dafür wurde umso aufwändiger für den Online-Katalog fotografiert, der Anfang Juni verfügbar ist.  Und es gibt noch einen neuen Service für unsere Kunden: Wer vor Ort im Haus die Objekte betrachtet, kann durch Scannen des QR-Codes auf dem Los-Etikett sofort die Beschreibungstexte über sein Handy abrufen.

Über 500 Gemälde zieren bald wieder die Wände des Auktionshauses. Der ungarische Maler Pál Fried (1893 – 1976) besticht in der Kategorie Gemälde mit dem Porträt einer wunderschönen jungen Dame namens „Nanette“, die lasziv aus dem Bild schaut und einen Hauch sommerlichen Glückes versprüht (Limit: 1200 Euro). Eine ganz andere Geschichte erzählt das gut 200 Jahre zuvor entstandene Gemälde „Bei der Wahrsagerin“ von Adriaen van der Werff (1659 – 1722). Es zeigt eine sehr wohlhabende Dame in virtuos gemaltem Seidenkleid, mit weltentrücktem Blick in einem Sessel sitzend. Das Gemälde stammt aus der Versteigerung im Residenzschloss zu Stuttgart
27.11.-29.11.1919 (dort Katalog-Nummer 179, mit Abbildung). Unverblühbare Sommerfreude übermittelt ein bunter Blumenstrauß mit Wild- und Wiesenblumen, die in feinster Technik in einem Stillleben der deutschen Künstlerin Adelheid Dietrich (1827 – 1891) dargestellt sind. Ihre zu Recht hoch gehandelten, lebendig gemalten Blumenarrangements orientieren sich an der Manier holländischer Maler des 17. Jahrhunderts (Limit: 4600 Euro). Die sommerliche Hitze einer belebten Straße in Cairo spiegelt das impressionistische Gemälde des Juristen und Malers Felix Possart (1837 – 1928) wider, der sich zum Ende des 19. Jahrhunderts einige Zeit in Nordafrika aufhielt und angeregt die unterschiedlichen Kulturen studierte (Limit: 1200 Euro). Nahezu mystisch verklärt erscheint im Gegensatz dazu die Felsformation „Heuscheune“ im Bodetal im Harz, deren ausdrucksvolle Stimmung der Landschaftsmaler Heinrich Ludwig Frische (1831 – 1901) durch besonders kräftige Farbgebung erreichte (Limit: 1200 Euro).

Glanzstücke sind ebenso in den Kategorien Uhren und Schmuck zu finden. Im Original-Etui überzeugt eine zeitlose goldene Herrenarmbanduhr mit Milanese-Armband der Marke Jaeger-LeCoultre (Limit: 5000 Euro) neben einer goldenen Sprungdeckeluhr der Marke Non-Magnetic-Watch Co. of America mit anti-magnetischer Unruh und Feder, die sich seit ihrer Erfindung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund ihrer Präzision größter Beliebtheit erfreuen (Limit: 1300 Euro). Glamouröse Schmuckstücke, darunter eine Art-déco-Brosche mit Altschliff-Brillanten, Diamanten und Smaragd (Limit: 2200 Euro), ein mehrpassiger Anhänger mit Amethyst, Turmalin und Brillanten an einer Collierkette (Limit: 1600 Euro) oder ein zierlicher Damenring in Weiß- und Gelbgold mit Smaragd und Brillanten (Limit: 1100 Euro) werden jeden noch so erlesenen  Geschmack erfreuen.

Neben qualitätvollen Repliken antiker Persönlichkeiten in der Kategorie Skulpturen sticht der 57 cm hohe, anmutige Akt einer Ausdruckstänzerin mit Reif und Stab, den der Maler und Bildhauer Friedrich Cauer (1847 – 1945 Kassel) im Jahr 1904 fertigte (Limit: 280 Euro), während ein verführerisch lagernder Frauenakt der Manufaktur Rosenthal in der Sparte Porzellan die Gemüter erhitzt (Limit: 500 Euro). Für Abkühlung – zumindest in Gedanken – sorgt der 54 cm lange, stehende Eisbär der Manufaktur Meissen (Limit 1200 Euro). Besondere Aufmerksamkeit kann einer 66 cm hohen Meissener Prunkvase geschenkt werden, die Johann Joachim Kaendler (1706 – 1775) im Jahre 1741 in Form einer Schenkkanne entwarf. Besetzt mit vollplastisch ausgearbeiteten Figuren und reliefierten Vögeln, Federn und Wolken in feinster Bemalung, weist sie den Betrachter auf das Element „Luft“ hin (Limit: 3600 Euro). Ebenso von J. J. Kaendler stammt der Entwurf des 46 cm großen Apolls mit Lyra (Limit 1100 Euro). Die Porzellansparte ist wieder einmal überaus gut bestückt. Einen deutlichen Schwerpunkt bilden die Meissen-Porzellane, darunter auch zahlreiche Luxusgefäße mit Kobaltfond und feinster Bemalung.

Heimatliches Gefühl vermittelt vor allem die Kategorie Bücher, in der zahlreiche historische Postkarten aus Deutschland und Europa (Limit: je Position 60 bis 140 Euro) angeboten werden. Für Lesevergnügte steht seltene Regionalliteratur um Thüringen (Limit: je 80 Euro), Reiseberichte (Limit: ab 80 Euro) oder Kinderbücher (Limit: ab 40 Euro) bereit. Etwas theatralischer sind dann wohl die Komödien des römischen Dichters Titus Maccius Plautus (ca. 254 v. Chr. – 184 v. Chr. Limit: 220 Euro). Doch was wäre eine Auktion im Hause Wendl ohne die von Liebhabern so hoch geschätzte Kategorie Spielzeug? Aus einem Industriellenhaushalt um 1900 stammt seltenes Puppenzubehör, darunter Zierteile, Kinderwagen, Nähmaschine, Geschirr und Möbel (Limit: je 20 Euro). Ebenso bemerkenswert und funktionstüchtig sind der in der französischen Manufaktur Limoges hergestellte Puppen-Automat mit Spieluhr (Limit: 390 Euro) oder drei seltene Valentins-Aufsteller aus Luxuspapier, die um 1900 für den englischsprachigen Markt gefertigt wurden (Limit: 120 Euro).






  • 25.06.2020 - 27.06.2020
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