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Sammlung Liaunig

Portraitminiaturen von 1590–1890

Sammlung Liaunig

Portraitminiaturen sind, wie es der Name vermuten lässt, handgemalte Portraits kleinster und allerkleinster Größenordnung, von einer Höhe zwischen weniger als einem Zentimeter bis zu etwa zwanzig/fünfundzwanzig Zentimetern, oder manchmal auch größer. Sie erfüllten seit Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Zeit der Erfindung und Verbreitung der Fotografie Mitte des 19. Jahrhunderts genau deren Aufgabe nämlich das möglichst ähnliche Bildnis eines geliebten Wesens bei sich tragen zu können; oder auch sich eine Idee vom Äußeren einer Person zu machen, die man noch nicht kennt, aber wohl kennenlernen wird (falls das Aussehen auf Grund der Abbildung schon einmal zusagt). So war bis ins 19. Jahrhundert, weit vor der Zeit des Internet-Datings, der Austausch von Portraitminiaturen die einzige Möglichkeit, vor den meist arrangierten Heiraten zu überprüfen, wie sich die Brautleute, die sich oftmals nie gesehen hatten, auch gefielen.

Bei Trennungen von Menschen, die sich nahestanden, vor allem Paaren und Familienmitgliedern, dienten Portraitminiaturen als Platzhalter für die abwesenden Personen, wie noch heute das Foto im Geldbeutel. Dadurch spielten Miniaturen vor allem zu Krisen- und Kriegszeiten eine bedeutende Rolle. So fällt auf, dass die Miniaturensammlung Liaunig besonders viele Bildnisse aus der politisch wirren Periode des englischen Bürgerkrieges zur Zeit Oliver Cromwells Mitte des 17. Jahrhunderts enthält, ebenso wie zahlreiche Portraits aus den Jahren der französischen Revolution und der darauf folgenden Napoleonischen Kriege, zwischen 1790 und 1815.

Auch verteilten die europäischen Fürsten gerne wertvolle (Werbe)-Geschenke, oftmals in Form von diamantbesetzten Orden oder kostbaren goldenen Schnupftabakdosen, die mit dem kleinen Bildnis des Herrschers geschmückt waren. Selbstverständlich machte der Beschenkte das Gold und die Edelsteine beim nächsten Juwelier umgehend zu Bargeld, behielt aber das materiell wertlose Kleinbildnis als Souvenir. Fürstenbildnisse sind in der Sammlung Liaunig bestens vertreten mit Portraits der Habsburger, von Kaiserin Maria Theresia, ihrem Gemahl und den Töchtern Maria Anna und Marie- Antoinette, bis hin zu Kaiserin Sisi, aber auch mit Darstellungen derer politischen Gegenspieler wie König Friedrich II. von Preußen oder Kaiser Napoleon von Frankreich. Die französischen Bourbonen sind repräsentiert mit zahlreichen Kleinbildnissen König Ludwigs XV. und seiner Nachfolger, bis hin zum letzten französischen König Louis- Philippe aus dem Hause Bourbon-Orleans.

Während sich der einfache Soldat, der in den Krieg zog, meistens keinen der teuren Top- Portraitisten leisten konnte, um sich malen zu lassen und seinen Lieben ein letztes Bildnis zu präsentieren, verfügten Herrscher und gehobenes Bürgertum über die finanziellen Mittel, für die besten Maler ihrer Zeit Modell zu sitzen.

Nicht nur in seinem Heimatland Frankreich war Jean-Baptiste Isabey (1767–1855) ein Star. Er arbeitete zunächst als Hofmaler bei Kaiser Napoleon, blieb aber dank seines schmeichelhaften Pinsels auch bei dessen politischen Gegnern und Nachfolgern populär. Zum Wiener Kongress reiste er an und malte hier alles, was Rang und Namen hatte. Sein 1815 in Wien gemaltes Bildnis der russischen Großfürstin Maria Pawlowna, Schwester Kaiser Alexanders I., aus der Sammlung Liaunig ist derzeit noch bis Ende Juni als Leihgabe in der Wiener Kongress Ausstellung im Belvedere in Wien zu bewundern, während Isabeys fünf Jahre früher in Paris entstandenes Bildnis Kaiser Napoleons jetzt im Museum Liaunig ausgestellt ist.

Der bekannteste Miniaturmaler des Wiener Biedermeiers war zweifelsohne Moritz Michael Daffinger (1790–1849). Sein berühmtestes Selbstbildnis ist eines der Schätze der Sammlung Liaunig. Es befand sich noch bis 1921 in Familienbesitz der Nachkommen Daffingers und gelangte dann in die Sammlung des berüchtigten Financiers Camillo Castiglioni (1879–1957). Allen Österreichern der Prä-Euro-Generation ist dieses Daffinger-Selfie ein Begriff, denn ein Kupferstich nach dieser Miniatur diente als Vorlage für den letzten 20-Schilling-Schein.

Von den derzeit fast 300 Miniaturen der Sammlung Liaunig (Tendenz steigend) wird in dieser Sammlungspräsentation eine repräsentative Auswahl von 100 zwischen 1590 und 1900 in Europa entstandenen Stücken gezeigt, die in einem über 400 Seiten starken Katalog wissenschaftlich bearbeitet wurden. Da die Miniaturen meist in sehr lichtempfindlicher Aquarelltechnik gemalt wurden, werden sie von den wenigsten Museen öffentlich ausgestellt. Interessenten werden dort einzelne Stücke nur auf Anfrage in den Studiensälen vorgelegt, wie es zum Beispiel im Louvre und in der Albertina in Wien der Fall ist. Dank modernster Museumstechnik ist das Museum Liaunig derzeit eines der wenigen Museen der Welt, und das einzige in Österreich, in dem eine so große Anzahl bedeutender Miniaturen dem interessierten Publikum öffentlich zugänglich gemacht wird.

Dr. Bodo Hofstetter (Ausstellungskurator)






  • 01.05.2016 - 30.10.2016
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    Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Führungen j eweils um 11 und um 14 Uhr



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