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Geburt Jesu

Unter Bethlehems Stern. 24 Prachthandschriften aus dem Mittelalter

Geburt Jesu

Die Geburt Jesu hat wie kaum ein anderes Ereignis die Gefühle und die Fantasie der Menschen bewegt. Besonders deutlich sieht man das bei mittelalterlichen Handschriften, die bis heute mit ihrer großen Farbenpracht beeindrucken. Die Österreichische Nationalbibliothek hat aus ihren reichhaltigen Beständen 24 Prachthandschriften ausgewählt und präsentiert sie um die Weihnachtszeit in der Ausstellung „Unter Bethlehems Stern“.

Die kunstvollen und außergewöhnlichen Illustrationen der wertvollen Bücher erzählen im Mitteloval des Prunksaals die Weihnachtsgeschichte nach der Chronologie der Evangelien. Der Bilderreigen reicht dabei von der Verkündigung an Maria über die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenland und den Bethlehemitischen Kindermord bis zur Flucht nach Ägypten. Gemeinsam umrahmen sie die zentrale Szene – die Geburt Christi. Alle gemeinsam sind sie erstrangige Zeugen für die hohe Buchkunst und die Spiritualität des Mittelalters.

Bilderreichtum in wertvollen Stundenbüchern
Zwei von vier Evangelien beschreiben im Neuen Testament die Menschwerdung Christi, aber sowohl Lukas als auch Matthäus schildern dieses Ereignis nur in knappen Darstellungen. Schon in frühchristlicher Zeit begann man daher, diese Szenen auszuschmücken: Die Texte wurden mit erzählerischen Elementen angereichert und um farbenprächtige Illustrationen ergänzt. Dabei wurden auch Szenen und Figuren eingebaut, die in diesem Erzählzusammenhang gar nicht vorkommen, sondern dem Alten Testament oder sogenannten apokryphen Schriften entnommen wurden; berühmtestes Beispiel sind Ochs und Esel im Stall von Bethlehem. Diese neuen Bilder prägen Weihnachten bis heute.

„Unter Bethlehems Stern“ präsentiert den Prozess der bildlichen und textlichen Ausschmückung anhand von 24 Handschriften des Mittelalters und der Renaissance. Die ausgestellten Darstellungen stammen vorwiegend aus sogenannten Stundenbüchern, wovon die Österreichische Nationalbibliothek eine der weltweit größten und wertvollsten Sammlungen bestitzt. Aus kunsthistorischer Sicht zählen die in diesen speziellen Gebetbüchern enthaltenen Miniaturen zu den beeindruckendsten Bildwerken dieser Epochen. Je bedeutender und reicher der Auftraggeber war, umso opulenter fiel auch der Bilderschmuck der Handschrift aus. Haben die zentralen Bilder grundsätzlich eine theologische Bedeutung, indem etwa ein Bezug zum Alten Testament hergestellt wird, so dienen andere Illustrationen wie Drachen am Rand der Texte oder die gern verwendeten Blätter- und Blumengirlanden lediglich der Dekoartion bzw. vornehmlich der Unterhaltung. Bei vielen Bildern versuchten die Bildkünstler, die göttlichen Szenen und die Engelserscheinungen der Bibel in den Alltag der Menschen „hereinzuholen“, um sie verständlicher zu machen. Augenfällig wird diese Intention etwa in den abgebildeten Kleidern von Maria und Josef, von Hirten und Sterndeutern: Es sind oft Kleider des Mittelalters, also der Gegenwart der damaligen Künstler und Bildbetrachter.

Farbenprächtige Weihnachtsgeschichte
Die Ausstellung erzählt die Weihnachtsgeschichte anhand bemerkenswerter Buchillustrationen, beginnend mit der Verkündigung der Geburt des Herrn an Maria, gefolgt von der Szene der Heimsuchung Mariens, in der die Gottesmutter ihrer Cousine Elisabeth begegnet und sie das Glück über ihre Schwangerschaft teilen. Die nächste Station ist dann schon die Menschwerdung Jesu: Die Nachricht von seiner Geburt verbreitet sich schnell, ist es doch ein Engel, der sie zuerst den Hirten verkündet. Es folgen die Sterndeuter aus dem Osten, die von einem Stern nach Bethlehem gelockt wurden. In diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben ist eine Handschrift des 15. Jahrhunderts, denn selten wurde die Erscheinung des Herrn so komplex dargestellt wie in dieser Miniatur. Dieses Kunstwerk wurde um 1420/30 in Paris vom sogenannten Meister des Herzogs von Bedford ausgeführt, der als einer der bedeutendsten französischen Buchmaler dieser Epoche gilt. Der Darstellung des Herrn – also die Begebenheit, bei der Maria und Josef den Neugeborenen im Tempel nach altem Ritus durch ein Reinigungsopfer auslösen – folgt der Bethlehemitische Kindermord: In grausamen Bildern wird hier die barbarische Tötung aller Buben bis zum zweiten Lebensjahr geschildert, die König Herodes befahl, um Jesus, den prophezeiten neuen „König der Juden“, auszuschalten. Mit der abschließend dargestellten Flucht nach Ägypten entzieht sich die Heilige Familie diesem mörderischen Befehl.

„Unter Bethlehems Stern“ belegt damit sehr eindrucksvoll, wie wichtig Legenden und andere außerbiblische Texte für die Menschen des Mittelalters waren und wie sehr diese erzählerisch ausgeschmückten Berichte über die mittelalterlichen Bilder bis heute nachwirken.






  • „Durch die Schrift und den Buch- Druck hat eigentlich der menschliche Geist erst die Welt...
  • 07.12.2016 - 15.01.2017
    Ausstellung »

    Dauer 24. Juni 2015 – 10. Jänner 2016

    Öffnungszeiten Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr Donnerstag 10 – 21 Uhr

    Sommeröffnungszeiten Juni, Juli, August, September
    täglich 10 – 18 Uhr
    Donnerstag 10 – 21 Uhr

     



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  • Erscheinung des Herrn; Die Anbetung der Könige im Vorder- sowie die Königin von Saba bei Salomo im Hintergrund, Gebetbuch für Kardinal Albrecht von Brandenburg (dt.), Nürnberg (Gabriel Glockendon), 1536/37 © Österreichische Nationalbibliothek
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  • Erscheinung des Herrn; umgeben von Szenen mit den drei Königen und Herodes, Stundenbuch (lat., franz.), Paris (Meister des Herzogs von Bedford), um 1420/30 © Österreichische Nationalbibliothek
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