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BAKELIT. DIE SAMMLUNG GEORG KARGL

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    BAKELIT. DIE SAMMLUNG GEORG KARGL
    14.07.2020 - 26.10.2020
    MAK »

Als erster echter Kunststoff revolutionierte Bakelit die Alltagskultur der 1920er bis 1950er Jahre. Mit BAKELIT. Die Sammlung Georg Kargl widmet das MAK diesem außergewöhn- lichen Rohstoff erstmals eine eigene Ausstellung. 300 Objekte aus der Privatsammlung des Wiener Galeristen Georg Kargl (1955–2018) geben Einblick in die vielseitigen Nutzungs- möglichkeiten und das ästhetische Vermächtnis eines Materials, das als erster industriell gefertigter, vollsynthetischer Rohstoff auf der Basis von Harzen eine billige Massenproduk- tion von Alltagsgegenständen in beinahe unbeschränkter Formenvielfalt ermöglichte: von Telefonen über Picknickdosen bis hin zu Radios. Die MAK-Ausstellung vollzieht die Ge- schichte von Bakelit vom kometenhaften Aufstieg zur Ikone einer modernen Produktkultur bis hin zur Verdrängung durch andere Kunststoffe und aufgrund ökologischer Gesichts- punkte nach.

Bakelit trägt den Namen seines Erfinders: Der belgische Chemiker Leo Hendrik Baekeland (1863–1944) forschte in den USA ab 1899 an der Entwicklung eines kostengünstigen Isola- tionsmaterials für die Elektroindustrie als Ersatz für bis dahin eingesetzte Naturmaterialien wie Schellack und Zelluloid. 1907 konnte er sein Ersatzprodukt auf Basis des Kohlenwasser- stoffproduktes Phenol patentieren und benannte den vollsynthetischen Kunststoff Bakelit. Ab seiner Markteinführung im Jahr 1920 wurde Bakelit aufgrund seines Härtegrades und seiner Hitze- und Säurebeständigkeit das Material der Stunde für die Technik und Elektro- industrie im Zeitalter der Konsumgesellschaft und industriellen Massenproduktion, dem „Machine Age“.

Als für alle Zwecke einsetzbares Industriematerial gelang es Bakelit, eine Brücke zwischen Kunst und Industrie zu schlagen. Das „Material der 1 000 Möglichkeiten“ wurde zuneh- mend auch wegen seiner ästhetischen Qualitäten geschätzt. Bedeutende Designer nutzten die Produkttechnologie in ihren Entwürfen für Massenprodukte im neuen „Streamline De- sign“, das Elemente des Fahrzeug-Designs zur Verringerung des Luftwiderstandes in die Formgebung des Art déco integrierte.

Über Jahrzehnte hinweg beschäftigte sich Georg Kargl mit Bakelit. Seine Sammlung bein- haltet einen repräsentativen Querschnitt über die künstlerischen Gestaltungspotenziale des außergewöhnlichen Rohstoffs: von High bis Low, vom Massenprodukt bis zum Designer- stück. Mit der Ausstellung zu Bakelit gibt das MAK diesem wenig bekannten Sammlungs- schwerpunkt eines der bedeutendsten ProtagonistInnen der Wiener und internationalen Kunstszene und ExpertInnen der Wiener Moderne im Bereich der angewandten Kunst ein Forum. Die Ausstellung BAKELIT. Die Sammlung Georg Kargl umfasst Stücke aus dem Zeitraum zwischen 1930 und 1970, die eine strenge Ästhetik verbindet. Diese resultiert aus einer intrinsischen Beziehung zwischen erwarteter Funktion, technologischen Eigenschaften und Möglichkeiten des Materials sowie verfügbaren Verfahren. In einem eigens entworfenen Ausstellungsdisplay des Künstlers Mladen Bizumic werden die Objekte in 14 Sachgruppen präsentiert. Zu sehen sind unter anderem elektrische Geräte wie Ventilatoren, Haarföhne, Kaffeemühlen, Bügeleisen und Staubsauger, Kommunikationsmittel wie Telefone, Radio- und Fernsehgeräte (das Bush-TV-Set aus GB) und Lautsprecher, die ikonischen Jumo- Lampen aus dem Frankreich der 1920er Jahre, Fotoapparate, Fahrzeugmodelle sowie das Babyfon nach einem Entwurf von Isamu Noguchi.

Die Ausstellung thematisiert in begleitenden Texten die Geschichte eines Materials, das als erster Kunststoff die Produktion des frühen 20. Jahrhunderts revolutionierte und maßgeb- liche gesellschaftliche Bedeutung entfaltete. Als Dokumente der Ästhetik der ersten Phase der Vollmechanisierung der modernen Gesellschaft haben Bakelit-Objekte in der Designge- schichte ihren unbestrittenen Platz. Die weitere Entwicklung von Kunststoffen wurde von sich wandelnden wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt und zunehmend von ökologi- schen Fragestellungen beeinflusst. Heute erfüllt Bakelit als weder abbau- noch recycelbares Vollsynthetik-Material nur noch eine Nischenfunktion. Wie damals befinden wir uns auch heute an der Schwelle eines neuen Produktionszeitalters. Die Bakelit-Sammlung von Georg Kargl regt zur grundsätzlichen Reflexion über neue Materialien und ihre Bedeutung für die gesellschaftliche Entwicklung in einer Zeit des Umbruchs an.






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  • 14.07.2020 - 26.10.2020
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    Kuratorisches Team Künstlerische Ausstellungsgestaltung Technische Koordination Kuratorenführungen

    MAK-Eintritt

    Dienstag, 14. Juli 2020, ab 18:00 Uhr

    MAK DESIGN LAB
    MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
    14. Juli (Öffnung ab 18:00 Uhr) – 26. Oktober 2020 Di 10:00–21:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr

    Rainald Franz, Gerson Lessa Mladen Bizumic

    Itai Margula

    mit Rainald Franz
    Do, 16. Juli, 17.00 Uhr
    Di, 8. September, 18.00 Uhr
    Begrenzte TeilnehmerInnen-Zahl (25 Personen), Anmeldung un- bedingt erforderlich unter www.mak.at/vermittlung
    Bitte wenn möglich eigene Kopfhörer für die Führung mitbringen.

    € 14 / ermäßigt € 11 / Familienkarte € 15
    Jeden Dienstag 18:00–21:00 Uhr: Eintritt € 6 Bis Ende Juli freier Eintritt an Dienstagabenden Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19 

     



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  • Babyfon „Zenith Radio Nurse“, 1938 Entwurf: Isamu Noguchi Ausführung: Zenith Radio, USA Bakelit; 31 × 18,5 × 17,5 cm Sammlung Kargl 34.01.02.08.239 © The Isamu Noguchi Foundation and Garden Museum, New York / Artists Rights Society [ARS].  Foto: © MAK/Georg Mayer
    Babyfon „Zenith Radio Nurse“, 1938 Entwurf: Isamu Noguchi Ausführung: Zenith Radio, USA Bakelit; 31 × 18,5 × 17,5 cm Sammlung Kargl 34.01.02.08.239 © The Isamu Noguchi Foundation and Garden Museum, New York / Artists Rights Society [ARS]. Foto: © MAK/Georg Mayer
    MAK
  • Fernseher „Bush TV 12“, 1949 Ausführung: Bush, England Bakelit; 35,5 × 32 × 39,5 cm Sammlung Kargl 35.01.02.08.292 Foto: © MAK/Georg Mayer
    Fernseher „Bush TV 12“, 1949 Ausführung: Bush, England Bakelit; 35,5 × 32 × 39,5 cm Sammlung Kargl 35.01.02.08.292 Foto: © MAK/Georg Mayer
    MAK
  • Radio, Modell 2511, Nr. 537000C, 1929 Ausführung: Philips Bakelit; 18 × 20 × 33 cm Sammlung Kargl 34.01.01.08.160 Foto: © MAK/Georg Mayer
    Radio, Modell 2511, Nr. 537000C, 1929 Ausführung: Philips Bakelit; 18 × 20 × 33 cm Sammlung Kargl 34.01.01.08.160 Foto: © MAK/Georg Mayer
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  • Kassiergerät, 1954 Entwurf: Oscar Sundstrand Ausführung: Victor Adding Machine and Co., USA Bakelit 18 × 32,5 × 19 cm Sammlung Kargl M2.00.00.05.459 © Oscar Sundstrand
    Kassiergerät, 1954 Entwurf: Oscar Sundstrand Ausführung: Victor Adding Machine and Co., USA Bakelit 18 × 32,5 × 19 cm Sammlung Kargl M2.00.00.05.459 © Oscar Sundstrand
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  • Tisch-Ventilator, 1930er Jahre Ausführung: AEG, Deutschland oder Österreich Bakelit, Leder; 33,5 × 11,5 × 11,5, Sammlung Kargl 35.03.03.12.388 Foto: © MAK/Georg Mayer
    Tisch-Ventilator, 1930er Jahre Ausführung: AEG, Deutschland oder Österreich Bakelit, Leder; 33,5 × 11,5 × 11,5, Sammlung Kargl 35.03.03.12.388 Foto: © MAK/Georg Mayer
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  • Thermoskanne, Patent Nr. 327838, 2424 JUG, um 1925 Ausführung: Thermos Ltd., England Bakelit, Thermoplastik; 29 × 12 × 12 cm Sammlung Kargl 31.02.05.10.85 Foto: © MAK/Georg Mayer
    Thermoskanne, Patent Nr. 327838, 2424 JUG, um 1925 Ausführung: Thermos Ltd., England Bakelit, Thermoplastik; 29 × 12 × 12 cm Sammlung Kargl 31.02.05.10.85 Foto: © MAK/Georg Mayer
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  • Lautsprecher, 1928 Ausführung: Philips Bakelit; 48,5 × 17 × 45,6 cm Sammlung Kargl 35.04.05.02.475 Foto: © MAK/Georg Mayer
    Lautsprecher, 1928 Ausführung: Philips Bakelit; 48,5 × 17 × 45,6 cm Sammlung Kargl 35.04.05.02.475 Foto: © MAK/Georg Mayer
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