Elfenbeine aus Ceylon
Im Jahr 1506 landen die Portugiesen in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Mit der Entdeckung des Seeweges fällt der Zwischenhandel des bisherigen Landwegs weg. In Folge dieser direkten Verbindung etablieren sie intensive Handelsbeziehungen mit dem Königreich von Kotte im Süden Ceylons: Exklusive Waren wie Elefanten, Edelhölzer, Gewürze wie Zimt, und Edelsteine gelangen von nun an nach Europa. Als besonders faszinierendes Beispiel dieses Handels stehen kostbare Elfenbeinschnitzereien aus dem Besitz der portugiesischen Königin Katharina von Österreich (1507-1578) im Mittelpunkt der Ausstellung: Elfenbeintruhen versehen mit Gold und Edelsteinen oder grossflächige Fächer mit Blättern aus hauchdünnem Elfenbein. Die einstigen Prestige- und Luxusobjekte bezaubern aufgrund ihrer aussergewöhnlichen Schönheit und geheimnisvollen Ikonografie.

Ansicht der Rua Nova dos Mercadores in Lissabon Anonymer flämischer Maler, Portugal oder Niederlande, 1570–1 590 Öl auf Leinwand © Society of Antiquaries, London Foto: Ruth E. Bubb
Historischer Hintergrund
Um 1518 war Ceylon eine wichtige Zwischenstation auf der portugiesischen Handelsroute nach Ostasien. Die ausgestellten Elfenbeine waren diplomatische Geschenke für den Hof in Lissabon, vor allem für Katharina von Österreich, Königin von Portugal. Die Elfenbeine belegen nicht nur das hohe handwerkliche, künstlerische Können der damaligen Elfenbeinschnitzer in Kotte. Sie sind auch Zeugen der ungewöhnlichen politischen und kulturellen Verbindungen zwischen Portugal und Sri Lanka. Denn sie repräsentieren zum einen Macht und Herrschaftsanspruch des portugiesischen Hofs und der Seemacht Portugal mit ihrem Zentrum im indischen Goa; auf der anderen Seite stehen sie auch für die erste Botschaft eines asiatischen Landes in Europa: 1542 erreichte der Botschafter Sri Radaraska Pandita, ein brahmanischer Priester aus Kotte, den Hof von Lissabon. In dieser Zeit gelangten weitere kostbare Elfenbeine als Luxusartikel nach Europa. Besonders interessant ist, dass die Elfenbeinschnitzereien neben lokalen Motiven oft Ausschnitte aus Werken europäischer Malerei und Druckkunst zeigen. Diese aus Europa importierten Vorlagen zeugen von einer einzigartigen Verbindung von Ost und West, von christlichen, buddhistischen und hinduistischen Bildwelten.
Die Elfenbeine gehörten zu den kostbarsten Objekten, die jemals vom portugiesischen Hof gesammelt wurden. Aufgrund des Materials, der elaborierten Dekoration (Goldschmiedearbeiten mit eingesetzten Edelsteinen) und der fantastischen Schnitzereien galten Ceylonesische Elfenbeine als exklusivste Exotica, die man überhaupt in der Renaissance besitzen konnte. Europäische Herrschaftshäuser, allen voran die Habsburger, buhlten um die besten Objekte. Zusammen mit anderen Erwerbungen wie Gemälden, Portraits, Flämischen Teppichen und Juwelen bildeten die Elfenbeine das Herz der königlichen Kunst- und Wunderkammern - den Vorläufern unserer heutigen Museen.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts galten die Habsburger Sammler als Kenner von Exotica, Kuriositäten und Luxusartikeln aus aller Welt, aus Afrika, Asien, dem Fernen Osten, und Amerika. Sie erstanden sie auf den Märkten von Lissabon, Sevilla, Goa, Malacca, Macao und in Mexiko. Die Begeisterung der Habsburger kannte keine finanziellen Grenzen beim Erwerb der seltenen Objekte. Für sie waren ihre Sammlungen Symbole ihrer Herrschaft über die Welt. Am deutlichsten veranschaulicht das die Kunstkammer von Rudolf II. in Prag, dem Grossneffen von Katharina. Die Ausstellung thematisiert den exquisiten Geschmack von Katharina sowie ihre Beziehungen zu den Habsburger Höfen von Wien, Innsbruck, Prag, Brüssel, Madrid und München. Familienportraits der berühmten Hofmaler Anthonis Mor und Alonso Sánchez Coello, von denen einige noch nie gezeigt wurden, sind weitere Highlights der Ausstellung.
Was ist zu sehen?
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen kostbare Elfenbeinschnitzereien aus dem Besitz der portugiesischen Königin Katharina von Österreich (1507-1578). Daneben sind weitere Kunstkammerobjekte wie Waffen oder Schmuck zu sehen. Einen besonderen Platz nehmen die Portraits der portugiesischen Könige, der Habsburger Neffen und der Kinder von Katharina ein. Als Höhepunkt gilt das bis vor kurzem unbekannte Bild des jungen Prinzen Sebastian, das über Jahrhunderte unter einem falschen Titel in Wien im Schloss Schönbrunn ausgestellt war. Die Leihgaben, oft erstmals überhaupt ausgestellt, stammen von führenden Museen in Europa und privaten Sammlern in London, Wien, Paris, Madrid, Lissabon und Berlin.
Von besonderem Interesse: Menagerien und exotische Tiere
Ein spezieller Aspekt dieser Ausstellung ist die Entstehung der Menagerien in der Renaissance-Zeit. Das Sammeln von unbekannten, bizarren Tieren war eine essentielle Komponente des höfischen Prunks. Botanische Gärten und Menagerien wurden zu Anhängseln der Kunstkammern. Sie dienten den Königshäusern zur Unterhaltung, zum Staunen und zum Zeitvertreib. Zugleich waren sie Symbole der Macht und zeugten von Prestige.
Die spektakulärsten Geschenke, die der portugiesische Hof erhielt, waren lebendige Elefanten, die in Kotte in Gefangenschaft aufgezogen wurden. Die Dickhäuter ergänzten die Geschenke an Elfenbeinschnitzereien. Nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama im Jahre 1498 setzte König Manuel I. einen neuen Trend im Europa der Renaissance. Er imitierte indische Fürsten und sammelte Staatselefanten. Als lebendige Trophäen unterstrichen sie seine Magnifizenz und Grösse. Johann III. und Katharina von Österreich setzten diesen Trend fort. Letzere sollte eine Schlüsselrolle einnehmen im Erwerben und Verschenken von seltenen Tieren für ihre Habsburger Familie in Spanien, Zentraleuropa und den Niederlanden. Katharina schenkte ihrem Neffen Kaiser Maximilian II. zwischen 1552 und 1563 zwei junge ceylonesische Elefantenbullen. Der eine Dickhäuter mit dem Spitznamen Suleyman war der erste Elefant, den man in Österreich jemals sah. Der jüngst verstorbene Literatur-Nobelpreisträger José Saramago setzte diesem Elefanten mit seinem letzten Buch «Die Reise des Elefanten» ein Denkmal.
Ein Wort zum Vermittlungskonzept
Zur Ausstellung gehören ein dreisprachiger Kurzführer sowie ein deutscher Katalog. Beide Texte sind das Ergebnis jahrelanger Forschung an Originalquellen von Annemarie Jordan, der Gastkuratorin der Ausstellung. Die Ausstellung setzt sich das Ziel, lebendige und authentische Einblicke in eine längst vergangene Zeit zu geben. Die Kunstwerke sollen wegen ihrer ausserordentlichen Schönheit bewundert, vor allem aber gleichzeitig in ihrem historischen Kontext erlebbar werden. Unglaubliche Geschichten erzählen von langen Reisen, delikaten Heiratsverhandlungen, diplomatischen Verhandlungen, von Luxus und Status. Ein komplexes Thema wie dieses braucht eine besondere Ausstellungsstrategie. So soll unter anderem eine interaktive Karte die vielen Dimensionen der Ausstellung verdeutlichen. Sie ermöglicht eine Entdeckungsreise mit Vasco da Gama oder lädt zu einer Wanderung auf einem Zeitstrahl durch das 16. Jahrhundert ein. Dabei lernen die Besucherinnen und Besucher, die wichtigsten Habsburger Regenten kennen und spüren die grossen globalen Handelsnetzwerke und Warentransfers auf.
Besonders freut uns, dass wir die zwei Schauspielerinnen Miriam Fiordeponti und Rachel Braunschweig engagieren konnten, Szenen des portugiesischen Hofs künstlerisch umzusetzen. Das Stück schrieb Michael Hasenfuss in Zusammenarbeit mit Annemarie Jordan. Theater im Museum - das soll die Ausstellung völlig neu erlebbar machen.
Schliesslich gehört zur Ausstellung ein umfangreiches Rahmenprogramm, das von Konzerten mit Renaissance-Musik bis zu einer Kurzreise für unsere Mitglieder nach Innsbruck, auf Schloss Ambras reicht.
Partnerschaften
Ungewöhnlich an dieser Ausstellung erscheinen vielleicht die Partnerschaften mit den Museen Aargau, dem botanischen Garten oder dem Zürcher Zoo. Mit diesen Institutionen verbinden uns gemeinsame Themen wie die Habsburg, Stammburg der Herrscherdynastie im Kanton Aargau, das Gewürz Zimt oder die Elefanten in den Menagerien, den Vorläufern der Zoos, und ihre heutige Gefährdung wegen des Elfenbeins. Das Ausstellungsthema berührt unser heutiges Leben und lädt dazu ein, die Entdeckungsreise an anderen Orten fortzusetzen.
Sponsoren
Die Ausstellung wird unterstützt von der Parrotia-Stiftung und dem Instituto Camões, Portugal.
Publikationen
Der Katalog ist das Resultat jahrelanger Archivrecherchen und macht neueste Erkenntnisse zur Renaissance-Zeit einem breiten Publikum zugänglich.
Elfenbeine aus Ceylon: Luxusgüter der Renaissance
Annemarie Jordan Gschwend und Johannes Beltz (Hrsg.)
168 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, 30,5 x 23 cm, mit einer Karte, Bibliografie, Klappbroschur, fadengeheftet
Subskriptionspreis bis 13. März 2011: CHF 56, EUR (D) 40; danach CHF 75, EUR (D) 54
Erscheinungsdatum: Ende November 2010
Zur Ausstellung erscheint ein kleinformatiger illustrierter Ausstellungsführer (d/f/e)
CHF 4
Öffentliche Führungen
Kulturhistorische Führungen
Sonntag, 11 h
Mittwoch, 18 h
Theater in der Ausstellung
«...Aber das bleibt unter uns!» - Vertrauliches aus dem Hause Habsburg
Violante de Távora, erste Hofdame der Katharina von Österreich, Königin von Portugal, gewährt pikante Einblicke hinter die prachtvolle Kulisse der Habsburger Dynastie.
Donnerstag, 12.15 h
Sonntag, 15 h
Private Führungen
Buchen Sie eine private Führung: Tel. + 41 44 206 31 11 / 31
Rahmenprogramm
Samstag, 30. Oktober 2010
Konzert in der Klosterkirche Königsfelden, Windisch - Les Haulz et les Bas - Höfische Blasmusik der Renaissance an einem Habsburger Originalschauplatz.
Eine Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Museum Aargau.
Tickets: http://www.torzumparadies.ch
Sonntag, 28. November 2010, 11 h
Krieg und Frieden im Garten Eden - Vortrag über die vielfältigen diplomatischen und kulturellen Beziehungen zwischen Ceylon und Portugal im 16. Jahrhundert.
Freitag, 7. Januar 2011, 20 h
klangkunst: Das Zürcher Kammerorchester im Museum Rietberg
Vorverkauf: Museum Rietberg oder ZKO Billettkasse 0848 84 88 44, (Mo-Do 11-17 Uhr), billettkasse@zko.ch, http://www.zko.ch
Freitag, 14. Januar 2011, 20 h
O Cavalo Branco - Geburtstagskonzert für Katharina von Habsburg (14. Januar 1507) mit portugiesischer Musik aus dem 16. Jahrhundert.
Samstag, 5. Februar 2011, 17 h
Rajas Reise - ein Film von Karl Saurer, 2008; anschliessend Podiumsgespräch mit dem Regisseur.
Samstag, 12. Februar 2011, 20 h
Die Musik der Entdecker - Das Ensemble Turicum singt portugiesische Renaissance-Lieder zum Todestag von Katharina von Habsburg (12. Februar 1578).
Workshops - Angebote für Kinder und Erwachsene
Kinderworkshop Süleyman oder wie ein Elefant im 16. Jahrhundert durch Europa reiste.
Sonntag, 12. Dezember 2010, 10 - 12.30 h | Sonntag, 6. März 2011, 10 - 12.30 h
Workshop für Grosseltern und Enkelkinder Von Gewürznelken, Muskatnüssen und Elefanten - Ausstellungsbesuch und Guetzli backen.
Mittwoch, 15. Dezember 2010, 14 - 16.30 h
Familienworkshop Gluschtige Zimtsterne backen - wie exotische Gewürze nach Europa kamen.
Sonntag, 19. Dezember 2010, 14 - 16.30 h
Workshop für Grosseltern und Enkelkinder «Echten» Elfenbeinschmuck aus der Tagua-Nuss schnitzen.
Mittwoch, 12. Januar, 14 - 16.30 h
Familienworkshop Süleyman auf dem Weg nach Wien - ein geschnitzter Elefant entsteht.
Sonntag, 6. Dezember, 14 - 16.30 h
Kunstwerke im Dialog Interaktive Führung für Erwachsene. Globalisierung in der Renaissance: Entdeckungen, Handel und Diplomatie.
Samstag, 11. Dezember 2010, 11 h
Allgemeine Informationen
Öffnungszeiten Di bis So 10-17 Uhr, Mi und Do 10-2 0 Uhr.
Festtage: geschlossen 24. und 31.12.; geöffnet 25.12. und 1.1. 10-17 Uhr
Eintritt CHF 16 / 12. Jugendliche bis 16 Jahre gratis
Öffentliche Führungen So 14 Uhr (kulturhistorisch), Mi 12.15 Uhr (zoologisch)
Private Führungen auf Anfrage, T. 044 206 31 11 / 31
Anreise Tram 7 bis Haltestelle „Museum Rietberg" (4 Haltestellen vom Paradeplatz). Bus 33 bis „Hügelstrasse". S-Bahn bis Bahnhof Enge. Keine Parkplätze. Das Museum ist rollstuhlgängig. Behinderten-Parkplatz vorhanden.
RailAway Angebot Mit der Bahn ins Museum Rietberg: 20% Ermässigung auf Hin- und Rückfahrt nach Zürich HB, Transfer und Eintritt.
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30.11.2010 - 10.04.2011
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28.11.2010 - 13.03.2011
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03.02.2008 - 25.05.2008
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03.02.2008 - 25.05.2008
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