Salzburg
Faszination Ägypten.
FASZINATION ÄGYPTEN Die imaginäre Reise des Norbert Bittner (1786 – 1851)
Landeshauptmann-Stv. Dr. Wilfried Haslauer freut sich als Vorsitzender des Kuratoriums der Salzburger Festspiele, dass das Motto der Salzburger Pfingstfestspiele 2012 „Cleopatra – im Labyrinth von Eros und Macht“ in erweitertem Sinne in der bildenden Kunst aufgegriffen wird und eine Ausstellung zu sehen ist, die den Blick auf die Ägyptenbegeisterung lenkt, die zu Beginn des 19. Jh.s ganz Europa ergriffen hat: „Die Zusammenarbeit der Residenzgalerie Salzburg mit dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien verdeutlicht einmal mehr das Potential erfolgreicher und wünschenswerter Kooperationen im österreichischen Museumsbetrieb.“
Norbert Bittner zählt zu den zahlreichen Absolventen der Wiener Akademie, die heute völlig in Vergessenheit geraten sind. Das Kupferstichkabinett, als visuelles Gedächtnis der Akademie, bewahrt seit 1840 Bittners Ansichten von Ägypten, Nubien und der Cyrenaika. In die Sammlung kamen die Blätter durch das Legat von Hofsteinmetz und Architekt Franz Jäger II. nach dessen Tod (1839) im Februar 1840. Die wissenschaftliche Bearbeitung durch das Kupferstichkabinett (Lisa Schwarzmeier) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Ernst Czerny) bildet die Grundlage für die Ausstellung.
ZUM AUSSTELLUNGSTHEMA Auslöser dafür für die „Ägyptomanie“, die ganz Europa erfasst hatte, war die Ägypten- Expedition Napoleons (1798 -1801). Das zu einer osmanischen Provinz heruntergekommene, von Mamelucken beherrschte Land am Nil weckte als Transitzone nach Indien britische Handelsinteressen. Diese beabsichtigte Napoleon zu sabotieren. Zu seinem Gefolge von 35.000 Soldaten zählten 167 „savants“. Dabei handelte es sich um Mathematiker, Geometer, Botaniker, Ärzte, Physiker, Ingenieure, Sprachwissenschaftler, Zeichner und Geografen. Diese „Commission des Sciences et des Arts“ hatte den Auftrag, Kenntnisse zum Verständnis des Landes zu gewinnen. In militärischer Hinsicht wurde die Operation zu einem Desaster. Auf dem Gebiet der Wissenschaft jedoch legte die Expedition nicht nur den Grundstein für die Ägyptologie, sondern entfachte in ganz Europa einen Begeisterungssturm. Dieser erste Höhepunkt der Orientmode bereichert sowohl das Empire als auch den Regency Stil mit exotischem Flair.
„Description de l’Égypte...“ Der berüchtigte Diplomat, Kunstkenner, Zeichner und spätere Generaldirektor des Zentralen Museums der Künste im Louvre, Dominique Vivant Baron de Denon (1747 – 1825) hatte am Vorstoß von General Desaix nach Oberägypten teilgenommen. Seinen Bericht von den bis dahin fast völlig unbekannten Altertümern des Südens veröffentlicht er später (1802) auf eigene Initiative. Im Juli 1799 bereiste ein 25-köpfiges Forschungsteam Ägypten bis zur Nubischen Grenze. Die Skizzen und Notizen der gewonnenen Eindrücke bilden die Grundlage für das von Napoleon initiierte Monumentalwerk „Description del’Égypte“, das in mehreren Partien zwischen 1809 und 1828 in Paris erscheint. Der von Nicolas-Jacques Conté entwickelte Graveurautomat ermöglicht eine rasche Produktion des Kompendiums, das aus neun Text- und elf großformatigen Bildbänden sowie zwei Kartenbänden mit ca. 3.000 Kupferstichen besteht.
Ein Großteil der Blätter Bittners geht auf die Vorlagen aus der »Description« zurück, wobei dem Künstler höchstwahrscheinlich auch Denons erster Reisebericht von 1802 zur Verfügung steht. Als Vorlage für die Blätter der nubischen Ansichten bedient sich Bittner des Tafelwerkes von Franz Christian Gau, da die französische Expedition nicht über Philae hinaus vorgedrungen war.
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