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Silber

Frauen-Silber: Paula Straus, Emmy Roth & Co.

Silber

Silberschmiedinnen der Bauhauszeit“Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Museum beim Markt 

Karlsruhe, 18.2. 2011 (BLM) – Silberschmieden verlangt Kraft, technisches Geschick und Fantasie beim Gestalten. Nach 1900 ergriffen immer mehr Frauen den Beruf der Silberschmiedin, setzten sich erfolgreich gegen männliche Konkur- renz und Vorurteile durch und konnten teilweise von ihren Arbeiten leben. Eine kleine Revolution in der Zeit des künstlerischen und sozialen Aufbruchs zur Jahr- hundertwende: Manche der Frauen wurden zu vielfach ausgezeichneten Vor- reiterinnen der Moderne. „Frauen-Silber: Paula Straus, Emmy Roth & Co. Silber- schmiedinnen der Bauhauszeit“ heißt die neue Sonderausstellung, die im Badi- schen Landesmuseum Karlsruhe (Museum beim Markt) Werk und Vita von 15 bedeutenden Kunsthandwerkerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beleuchtet. Die Ausstellung zeigt mehr als 180 Exponate, darunter viele aus Privatbesitz, die in Karlruhe erstmals zu sehen sind. Gemeinsam mit dem Begleitbuch nimmt sie so eine bislang ausgebliebene Korrektur in der Geschichte des Kunsthandwerks und des Designs im 20. Jahrhundert vor.

Die Stuttgarterin Paula Straus (1894-1943) entwarf von 1925 an im Atelier einer Silberwarenfabrik Modelle für mehr als 100 Kaffee- und Teeservice, Leuchter, Dosen, Vasen, Toilettengarnituren und Bestecke, die auch in Serie produziert wurden. Sie kann daher als die erste und erfolgreichste moderne Designerin gelten. Straus widmete sich auch der Schmuckherstellung. Ihre Karriere wurde durch den Nationalsozialismus beendet: 1939 erhielt sie als Jüdin Berufsverbot, 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, 1943 starb sie in Auschwitz. xxx Emmy Roth (1885-1942), die zweite Titelprotagonistin, trat von 1925 an in Berlin mit charaktervollen, eigenwilligen Silberarbeiten in Erscheinung, zu denen moderne Services, Vasen und Lampen ebenso wie Dosen und Leuchter gehörten. Von 1933 an lebte die Deutsche jüdischer Herkunft im französischen, holländi- schen und israelischen Exil, bevor sie sich 1942 in Tel Aviv das Leben nahm. Roths weltweit bekannte und beachtete Unikate befinden sich heute meist in Privatbesitz, da sie oft Auftragsarbeiten waren und nur wenige Museen die Werke der ausgewiesenen Produktdesignerin zu ihrer Lebzeit ankauften. 

Ungewöhnlich lesen sich auch die Lebensläufe der 13 weiteren Frauen in der Ausstellung: Einige Künstlerinnen blieben unverheiratet, um ihren Beruf ausüben und Karriere machen zu können; andere – unter ihnen Eva Mascher und Hilde- gard Risch, Gemma Wolters-Thiersch und Erika Petersen – gründeten Werkstät- ten und versuchten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Künstlerisch galt allen das Credo der „sachlichen Form“, das ihre Silberarbeiten von den Dekoren des 18. und 19. Jahrhunderts reinigen sollte.

Ungewöhnlich lesen sich auch die Lebensläufe der 13 weiteren Frauen in der Ausstellung: Einige Künstlerinnen blieben unverheiratet, um ihren Beruf ausüben und Karriere machen zu können; andere – unter ihnen Eva Mascher und Hilde- gard Risch, Gemma Wolters-Thiersch und Erika Petersen – gründeten Werkstät- ten und versuchten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Künstlerisch galt allen das Credo der „sachlichen Form“, das ihre Silberarbeiten von den Dekoren des 18. und 19. Jahrhunderts reinigen sollte.

Trotz des gemeinsamen Nenners einer sachlichen Gestaltung gelang es jeder Silberschmiedin, einen eigenständigen Stil zu entwickeln. Er ließ Geist und Hal- tung, aber auch die einzigartige Technik der Urheberin erkennen und machte ihre Arbeit unverwechselbar. Die kultur- und ideengeschichtlich wohl prominentesten Werke aus privater Hand stammen von der Emailleurin Gemma Wolters-Thiersch (1907-1994), die dem Kreis um Stefan George nahe stand und dem Dichter 1928 einen Lorbeerkranz aus Gold schmiedete. Auf sie geht auch ein silberner Becher mit mythologischen Darstellungen aus Email zurück (1935), der bei priva- ten Lesungen aus Georges Werk genutzt worden sein soll. 

„Frauen-Silber“ wird in Karlsruhe von einem abwechslungsreichen Programm begleitet. Im Anschluss ist die Ausstellung vom 7. Juli bis zum 9. Oktober 2011 im Berliner Bröhan-Museum zu sehen. Der Katalog ist in die Kapitel „Kunsthand- werk und Industriedesign“, „Gold- und Silberschmiedinnen“ und „Werkstattge- meinschaften“ unterteilt, enthält Texte über Paula Straus, Emmy Roth, Christa Ehrlich, Erika Spitzbarth-Petersen, Gemma Wolters-Thiersch, Eva Mascher- Elsässer, Hildegard Risch, Eilfriede Berbalk, Marianne Lock-Brandt, Martha Flüe- ler-Haefeli, Marga Jess, Marcelina Preiswerk-Gams, Elisabeth Treskow, Hilde Vol- lers und Erna Zarges-Dürr sowie viele Abbildungen (Info Verlag, 26. 90 €).








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  • Vase oder Karaffe von Marga Jess um 1930, Silber, getrieben, martelliert, geschrotet Bildnachweis: Privatbesitz
    Vase oder Karaffe von Marga Jess um 1930, Silber, getrieben, martelliert, geschrotet Bildnachweis: Privatbesitz
    Badische Landesmuseum
  • Großer Becher des Stefan-George-Kreises von Gemma Wolters-Thiersch, 1930, Silber, Email Leihgeber: Privatsammlung Sonja Schön, München Bildnachweis: Alexander Lorenzo
    Großer Becher des Stefan-George-Kreises von Gemma Wolters-Thiersch, 1930, Silber, Email Leihgeber: Privatsammlung Sonja Schön, München Bildnachweis: Alexander Lorenzo
    Badische Landesmuseum
  • Kaffee- und Teeservice von Emmy Roth um 1930, Silber, getrieben, Elfenbein Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam
    Kaffee- und Teeservice von Emmy Roth um 1930, Silber, getrieben, Elfenbein Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam
    Badische Landesmuseum
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