IRONIMUS
Die Qual der Wahl

IRONIMUS Seine Majestät, der Wähler, 1983 © VBK Wien, 2013
27.01.2013 - 01.09.2013
IRONIMUS

Das Karikaturmuseum Krems nimmt das Superwahljahr 2013 zum Anlass eine erlesene Auswahl der besten Karikaturen von 1949 bis heute des "Grand Seigneur“ der österreichischen Karikaturszene, IRONIMUS, zu präsentieren.

„Viel zu viele Menschen beschäftigen sich mit Politik und viel zu viele wollen von Politik gar nichts wissen.“ IRONIMUS

Der Karikaturist sieht sich als Beobachter und Kommentator des politischen Österreich, denn IRONIMUS kannte alle Politiker auch persönlich: von Julius Raab und Leopold Figl über Josef Klaus und Bruno Kreisky („Für den müsste man die Karikatur erfinden, gäbe es sie noch nicht“) bis zu Fred Sinowatz, Franz Vranitzky und Werner Faymann. In seiner langen Karriere hat er einen ganz typischen Stil entwickelt, der seine Einzigartigkeit ausmacht: Nie verlet- zend, nie hämisch, sondern fast liebevoll nähert er sich dem politischen Getriebe. Während dieser langen Schaffensperiode gab es keinen Politiker, der sich je beschwerte. Eine Ministerin tat es allerdings: Der Zeichner hatte ihr mehr Falten ins Gesicht geschrieben, als sie im Spiegel sah. Die Versöhnung erfolgte erst nach Jahren …

Die Ausstellung mit rund 50 Arbeiten bietet einen hervorragenden Überblick zur politischen Entwicklung in Österreich. Humorvolle Texte von Hans Werner Scheidl bieten zeithistorische Erklärungen zu unvergesslichen Szenen vergangener Wahlen, Wahlversprechen, politischen Persönlichkeiten und ihren Wahlpannen. Hauptakteure sind natürlich seit mehr als 60 Jahren der behäbige ÖVP-Anhänger im Steireranzug und sein Widerpart, der hagere „Sozi“ mit dem Kapperl und den drei Pfeilen. Eine unvergleichliche Zeitreise durch die „Qualen“ der öster- reichischen Wahlen und Politikgeschichte – eine sehr spannende und heitere obendrein.

In der Neujahrsnummer 1955 der Presse lieh IRONIMUS den Hoffnungen der Österreicher seine Zeichenfeder. Er skizzierte Bundeskanzler Julius Raab mit dem österreichischen Staatsvertrag auf dem Kopfpolster. Der Wunsch sollte noch im gleichen Jahr in Erfüllung gehen. Der Jubel war groß an diesem Tag der Befreiung, dem 15. Mai 1955. Die alterprobte Koalition aus Volkspartei und Sozialisten hatte die vorangegangenen zehn Jahre unter schwersten Bedingungen überstanden – jetzt konnte man sich zunächst einmal zufrieden zurücklehnen und die Früchte der zweimal errungenen Freiheit genießen.

Die Agrarier waren – samt Familien – noch eine sehr starke Berufsgruppe und sie „gehörten“ zur Volkspartei. Die Grundstoffindustrie wiederum war und blieb eine Domäne der Sozia- listen, sodass IRONIMUS eine simple Typologie einführen konnte: Der dickliche Österreicher in Tracht stand für die ÖVP, der hagere Typ mit Schirmkappe für die Sozialisten. 79 zu 78 stand das „Match“ nach Abgeordnetensitzen ab den Wahlen 1959, 1962 verbesserte sich die Volkspartei auf den Stand 81 zu 76. Sie forderte ein Ministerium zusätzlich, die SPÖ lehnte ab. „Das Außenministerium hängt nicht auf dem Christbaum“, formulierte ÖGB-Chef Franz Olah bei den Regierungsverhandlungen – und er rettete so Bruno Kreisky das Außenminister-Portefeuille. Mag sein, dass die österreichische Geschichte ganz anders verlaufen wäre, hätte damals Kreisky in der Versenkung verschwinden müssen.

„Der Kreisky war ja nicht nur der Journalistenkanzler, sondern auch der Karikaturisten- kanzler. Er ist in allen europäischen Zeitschriften als Karikatur vorgekommen.“ IRONIMUS

Olah sorgte aber auch für die größte Krise seiner Partei. Er versuchte den Ausbruch aus dem Korsett der Koalition, in der stets die Volkspartei die erste Geige spielte. Mit einer Starthilfe für die Neue Kronen Zeitung, ersten Flirts mit Amtsträgern der katholischen Kirche, einer Subvention an die FPÖ. Und er wusste als Innenminister alles über seine innerparteilichen Feinde. So wurde er gestürzt.

Mehr vom Veranstalter
Zum Veranstalter: Karikaturmuseum Krems
 
Neue Kunst Ausstellungen
Linda McCartney
In der weltweit ersten umfassenden Retrospektive von Linda...
Landschaft im Schmuck
Landschaft: Wir erleben sie um uns, genauso wie sie in uns...
Barbara Kapust
Barbara Kapusta zeigt in Sie Wir Ihnen sieben Fotos. Darauf...
Meistgelesen in Ausstellungen
Saul Leiter
Das KUNST HAUS WIEN würdigt den 89-jährigen Fotografen und...
Linda McCartney
In der weltweit ersten umfassenden Retrospektive von Linda...
Otto Dix
Zwischen Paradies und Untergang Mit Otto Dix präsentiert...
  • IRONIMUS So hat es begonnen, 1949 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS So hat es begonnen, 1949 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Doch keine Neuwahlen, 1955 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Doch keine Neuwahlen, 1955 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Seifenblasen, 1965 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Seifenblasen, 1965 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Zwei Abstürze, 1990 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Zwei Abstürze, 1990 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Wahlfang, 2002 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Wahlfang, 2002 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Das Neuwahlgespenst, 2008 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Das Neuwahlgespenst, 2008 © VBK Wien, 2013
  • IRONIMUS Rodinimus Qual der Wahl, 2012 © VBK Wien, 2013
    IRONIMUS Rodinimus Qual der Wahl, 2012 © VBK Wien, 2013
Bilderaktuell von den Ausstellungen
3 Wochen endet
2 Wochen endet
1 Woche endet
Künstler