ITALIA ANTIQUA. Etrusker und Römer in Berlin
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Die Antikensammlung präsentiert die neue ständige Ausstellung ITALIA ANTIQUA. Etrusker und Römer in Berlin. Das neue Ausstellungskonzept der Antikensammlung mit 700 antiken Werken auf 1500 qm Ausstellungsfläche verspricht einen spannenden und umfassenden Einblick in die großen kulturellen Leistungen der Etrusker und ihr Nachleben im römischen Italien. Im Obergeschoss des Alten Museums, wo zuletzt Nofretete für einige Jahre residierte, halten nun Caesar und Kleopatra Hof. Die Gesichter des Imperiums, Porträts römischer Kaiser und vornehmer Bürger, die Luxusausstattung kaiserzeitlicher Villen und die dem griechischen Vorbild verpflichtete statuarische Plastik der Römer werden gezeigt. Hinzu treten spektakuläre Zeugnisse des Lebens und Sterbens im alten Rom – von kostbaren Alabasterurnen bis hin zu tonnenschweren Marmorsarkophagen. Sinnenfrohe Überraschungen erwarten den Besucher im „Garten der Lüste“, einer hochkarätigen Präsentation des großen Themas der Liebe im Spiegel der antiken Kunst.
Mit dieser Ausstellung im Alten Museum findet die deutsche Etruskerforschung zurück an ihren traditionsreichen Ausgangsort: hier arbeitete im 19. Jahrhundert der Begründer der Etruskologie in Berlin, der Gelehrte Eduard Gerhard. Bereits in der Antike betrachtete man die Etrusker als ein Volk, das sich von allen anderen sowohl durch seine Sprache als auch durch seine Sitten unterschied. Die Kunst und Kultur des geheimnisumwitterten Volkes der Etrusker mit filigranem Goldschmuck, zierlichem Bronzegerät, farbiger Architektur und reich verzierten Aschenkisten, lädt die Besucher zu einem Rundgang durch ITALIA ANTIQUA, durch das antike Italien, ein.
Erstmals nach langer Restaurierung wird das berühmte Kriegergrab von Tarquinia aus dem 8. Jh. v. Chr. mit reichen Beigaben an Bronzewaffen und Holz-, Ton- sowie Metallgefäßen, Trachtbestandteilen aus Stoff, Edelmetall und Bronze in vollem Umfang präsentiert. Durch die Trennung in Ost und West konnten lange Jahre nur Teile der etruskischen Antiken im Pergamonmuseum und in Charlottenburg gezeigt werden. So ist die Zusammenführung der Etruskersammlung und ihrer ersten repräsentative Aufstellung seit 1939 im nunmehr 20. Jahr der Einheit Deutschlands ein besonders prominentes Beispiel für die Wiedervereinigung und Neuordnung der archäologischen Sammlungen auf der Museumsinsel.
Thematische Gliederung der Ausstellung
Raum 1 Die Etrusker – Aufstieg einer Hochkultur
Raum 2 Etrurien – Städte, Heiligtümer, Nekropolen
Raum 3 Leben und Tod in Rom
Raum 4 Römische Skulptur nach griechischem Vorbild
Raum 5 Die römische Villa – Luxus als Lebensform
Raum 6 Garten der Lüste - Liebeskunst der Antike
Raum 7 Rom - Gesichter des Imperiums
1. Die Etrusker – Aufstieg einer Hochkultur Sie selbst nannten sich Rasenna, von den Griechen wurden sie als Tyrrhenoi und von den Römern als Tusci bezeichnet. Davon leitet sich der heutige Name „Etrusker“ her, ebenso wie der italienische Name für einen Teil ihres Kernlandes in Mittelitalien – die Toscana. Die Etrusker waren die bedeutendste vorrömische Zivilisation Italiens. Offenheit gegenüber kulturellen Leistungen aus dem östlichen Mittelmeerraum und vor allem ein intensiver Kontakt mit der griechischen Welt begünstigten die Entwicklung einer städtischen Gesellschaftsstruktur. Reiche Erzvorkommen auf der Insel Elba, bei Populonia und in den Tolfa-Bergen, die von den Phönikern erlernte und weiterentwickelte Metallbearbeitung sowie Wein- und Olivenanbau bildeten die Grundlage für den Handel mit dem Vorderen Orient, Ägypten, mit den Griechen und Karthagern. Davon zeugen reiche Grabinventare (Kriegergrab von Tarquinia). Seehandel und Piraterie begründeten den Aufstieg der südetruskischen Städte. Amphoren mit Wein und Trinkgeschirr aus Bucchero, einer schwarz glänzenden Keramik, wurden bis an die südfranzösische Küste verschifft.
In archaischer Zeit (6. Jh. v. Chr.) hatten die etruskischen Stadtstaaten ihre große Blütezeit; die Religion spielte eine bedeutende Rolle. Ihren Nachbarn waren die Etrusker politisch und kulturell überlegen; bereits früh breiteten sie sich Richtung Süden bis nach Kampanien und später nach Norditalien aus. Mit dem Verlust der Seeherrschaft an die Griechen und dem Aufstieg Roms büßten die Etrusker ihre politische Vormachtstellung ein.
2. Etrurien – Städte, Heiligtümer, Nekropolen Einen etruskischen Zentralstaat hat es nie gegeben. Die Städte Arezzo, Cerveteri, Chiusi, Cortona, Perugia, Roselle), Tarquinia, Veji, Vetulonia, Volterra), Orvieto und Vulci schlossen sich zu einem losen Bund zusammen, der vor allem religiösen, weniger politischen Charakter hatte. Im 6. Jh. v. Chr. entwickelte jeder Stadtstaat seine eigene kulturelle Identität, besonders auch im Kunsthandwerk (Kalksteinurnen aus Chiusi, Dachterrakotten aus Caere, Kunsthandwerk aus Vulci). Bemerkenswert war die hohe soziale Stellung der Frau in der etruskischen Gesellschaft.
Stellung der Frau in der etruskischen Gesellschaft. Im Hausbau dominierte die Holz- und Lehmarchitektur. Die auf Steinsockeln errichteten Tempel hatten reich verzierte Ziegeldächer. Die städtische Kultur ist am deutlichsten in den Nekropolen fassbar. Die Totenstädte spiegelten in Anlage, Form und Dekoration der Gräber sowie in den Beigaben die Welt der Lebenden wider. Zu den Beigaben gehörten neben importierten Luxusartikeln kunstvolle einheimische Bronzearbeiten und schwarz polierte Gefäße in ‚Bucchero’-Technik, die Metallgefäße imitierten. Sie wurden als Tafelgeschirr bei Trinkgelagen verwendet und auch speziell für den Totenkult hergestellt.
3. Leben und Tod in Rom In der Kaiserzeit entwickelte sich in Rom und Italien auf der Grundlage mittelitalisch-etruskischer Traditionen und beeinflusst von der hellenistisch geprägten Kultur des östlichen Mittelmeergebietes eine eigene und vielgestaltige Sepulkralkultur. Bis zum Beginn des 2. Jhs. n. Chr. haben die Römer ihre Verstorbenen zumeist verbrannt. Die Urnen wurden in Grabkammern beigesetzt, deren äußere architektonische Gestalt je nach sozialem Status und Vermögen sehr unterschiedlich ausfallen konnte. Grabbauten reihten sich entlang der Ausfallstraßen Roms und der Städte des Imperiums. Inschriften, figürliche Reliefs und Bauschmuck entsprachen gesellschaftlichen Konventionen und dienten der Selbstdarstellung des Einzelnen und seiner Familie. Um 120 n. Chr. ging die römische Oberschicht dazu über, ihre Verstorbenen in Steinsarkophagen beizusetzen. Die Themen der figürlichen Reliefs waren dem öffentlichen oder privaten Leben der Römer entnommen, sehr häufig aber auch dem griechischen Mythos (Medea-Sarkophag). Im Osten des Reiches wurden häufig lokale Formen des Grabmales und der Bestattungsform beibehalten, wie Totenmahlreliefs und runde Grabaltäre. Altägyptischem Bestattungsbrauch verdanken wir die römischen Mumienbildnisse aus der Oase Fayum – eindrucksvolle Zeugnisse der weitgehend verlorenen antiken Porträtmalerei.
4. Römische Skulptur nach griechischem Vorbild Im 2. Jh. v. Chr. zeichnete sich in der griechischen Kultur eine grundsätzliche Wende ab, die auch für das Römische Reich prägend werden sollte. Je stärker die eigene politische Macht nachließ, desto intensiver griff man in Griechenland auf bedeutende Leistungen der Vergangenheit zurück und aktualisierte sie. Neben Philosophie, Literatur und Rhetorik war ganz besonders die griechische Bildkunst nun stark retrospektiv geprägt. Diese Einbindung in die ´klassischen´ Traditionen beeinflußte den öffentlichen Bereich ebenso wie den persönlichen Lebensstil der Oberschicht. Durch die Integration des hellenistischen Ostens und damit auch Griechenlands in ihr Reich haben sich die Römer die griechische Kultur in ihrer historischen Gesamtheit intensiv zueigen gemacht. Diese kreative Aneignung läßt sich am Beispiel römischer Skulpturen besonders eindrucksvoll aufzeigen (Kitharöden-Relief). Vorbilder aus der Zeit der griechischen Klassik wurden nicht nur genau kopiert, sondern häufig durch Veränderungen dem römischen Geschmack oder einer neuen Funktion angepaßt. In diesem Raum sind besonders instruktive Beispiele für diesen komplexen Verwandlungsprozess der griechischen Vorbilder versammelt und erläutert.
5. Römische Villen – Luxus als Lebensform Reiche Römer besaßen neben einem Stadthaus auch mindestens eine Villa auf dem Land. War sie mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden, spricht man von einer villa rustica. Vor allem aber bot das Leben in der Villa ihren Bewohnern die Möglichkeit, sich fern von den täglichen Pflichten des Staatsmannes, Redners oder des Patrons von Schutzbefohlenen der gebildeten Muße hinzugeben und sich mit Philosophie, Literatur und Kunst zu beschäftigen. Festliche Gastmähler gehörten auch auf dem Land zu den unverzichtbaren Ritualen eines wohlhabenden Römers. Für diesen von der griechischen Oberschicht übernommenen Lebensstil (Villa von Boscoreale, Hildesheimer Silberschatz) bildeten die reich ausgestatteten Räume, Säulenhallen und Gartenanlagen den passenden Rahmen – und folgten in ihren Architekturformen ebenfalls griechischen Vorbildern. Bei der Wahl des Bauplatzes spielte natürlich auch eine reizvolle geografische Lage mit weitem Ausblick am Meer oder am Hang eine Rolle. Die Gärten waren häufig mit Brunnenanlagen, Wasserbecken und Skulpturen ausgestattet und vermittelten den Eindruck einer idyllischen, von mythischen Wesen und Tieren bevölkerten Landschaft.
6. Garten der Lüste – Liebeskunst der Antike In ihrem Verhältnis zur Sexualität unterscheiden sich Griechen, Etrusker und Römer grundsätzlich von der heutigen, christlich-abendländischen, jüdischen oder muslimischen Welt. Erotik und Sexualität waren in allen Bereichen des antiken Lebens gegenwärtig. Ob beim festlichen Gelage, beim Sport in der Palaistra, auf den Wänden und in den Gärten der römischen Villen, in Lupanaren (Bordellen), in Heiligtümern oder sogar im Grab – überall gab es Bilder oder Anspielungen mit sexuellem Bezug, Darstellungen von Genitalien, Symbole von Fruchtbarkeit und Sinneslust. Selbst Kindern hing man phallische Amulette als Glücksbringer um den Hals. Die antike Literatur behandelte das Thema in allen nur denkbaren Facetten. Die „ars amatoria“ (Liebeskunst) des römischen Dichters Ovid ist eine der subtilsten Abhandlungen des Sujets, die jemals geschrieben wurden. Im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel wurden Objekte erotischen Inhalts aus Pompeji und Herculaneum in einem jahrhundertelang nur eingeschränkt zugänglichen Raum versammelt, dem „gabinetto segreto“ (Geheimkabinett). Große Nachfrage nach einschlägigen Objekten führte im 19. Jahrhundert zu einer hohen Quote an Nachahmungen und Fälschungen, von denen auch die Berliner Museen einige erwarben. Die Altertumswissenschaften e machten lange Zeit einen Bogen um das Thema, heute ist es ein selbstverständlicher Forschungsgegenstand unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Sozialgeschichte, Körperbegriff und Geschlechterrollen (Liebespaar auf griechischer Kanne).
7. Rom – Gesichter des Imperiums Antike Bildnisse sind nicht als photographisch genaue Abbildungen der Physiognomie zu verstehen. Vielmehr sollte die dargestellte Person ‚charakterisiert’ werden. Bestimmte Bildformeln bezeichnen wichtige Eigenschaften oder die Zugehörigkeit zu einer Familie bzw. Gruppe. Dabei waren Alterszüge wie Falten und schütteres Haar nicht negativ besetzt, sondern vielmehr Zeichen für Erfahrung und Würde. Für ein Staatsamt galten solche Eigenschaften als unabdingbar. Bildnisse konnten ganz unterschiedliche Größe besitzen und aus unterschiedlichsten Materialien gearbeitet sein – von überlebensgroßen Kaiserstatuen aus Marmor (Panzerstatue eines Kaisers mit Kopf des Marc Aurel) oder Bronze über heute selten erhaltene Gemälde auf Holz (Mumienporträt einer reichen Dame) bis hin zu kleinformatigen Porträts auf Münzen, Schmuckstücken oder Edelsteinen. Außerdem konnten sie in Form einer Büste oder Statue in ganz verschiedenen Zusammenhängen aufgestellt werden. In Haus und Grab verbildlichten sie wichtige Familienmitglieder oder dienten der Erinnerung an die Verstorbenen. Staatliche oder religiöse Amtsträger und Mitglieder des Kaiserhauses erhielten Ehrenstatuen, die an öffentlichen Plätzen, etwa auf dem Forum, oder in Heiligtümern aufgestellt waren, oftmals auch in Gruppenkompositionen.
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