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ZEITGENÖSSISCHE KUNST BILDNISMALEREI WIEDER SALONFÄHIG

Zu den Highlights der Auktion zählen Werke von Andy Warhol (€ 300/400.000 und € 140/180.000), Gotthard Graubner € 250/300.000), Gerhard Richter (€ 130/150.000), A.R. Penck (€ 130/150.000), Günter Fruhtrunk (€ 80/120.000), John Armleder (€ 80/120.000) und Emil Schumacher (€ 80/90.000). Von William Nelson Copley, den Lempertz in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg versteigert hat, werden vier Leinwände angeboten, darunter zwei Arbeiten für € 80/120.000.
An der Spitze der Offerte steht Andy Warhols unbetitelte Leinwand (Ms. B and Yucca) aus dem Jahr 1981. Porträtdarstellungen gehören zu den bekanntesten Werken Warhols, sie ziehen sich durch sein gesamtes Schaffen. Freunde, Familienmitglieder, zeitgenössische Berühmt- heiten und Unbekannte hält er photographisch und filmisch fest und setzt diese Vorlagen in Zeichnungen und malerisch übermalten Siebdrucken um. In den 1970er Jahren avanciert Warhol zum begehrten Porträtisten des internationalen Jet-Sets, und macht die Bildnismalerei wieder salonfähig. Charakteristisch für seine Bildnisse sind die Oberflächlichkeit und die gleichzeitige faszinierende Intensität der Darstellung (Lot 16, € 300/400.000). Grace Kelly, ein weiterer Siebdruck von 1984 liegt bei € 140/180.000 (Lot 40).
Gotthard Graubners Rufus von 1992/1995 verdeutlicht auf eindrückliche Weise die optische Tiefe, die mit der physischen Tiefe von Graubners Farbraumkörpern einhergeht. Seit den 1960er Jahren widmet sich Gotthard Graubner mit großer Stringenz der Eigenwertigkeit und der Verkörperlichung der Farbe. Die Farbe verliert bei ihm die vermittelnde Funktion als Darstellungswerkzeug, er befreit sie von nahezu jeder Eingrenzung und stellt ihr auch die räumliche Tiefe als umfassenden Entfaltungsraum zur Verfügung. Sie wird zu einem eigenstän- digen Organismus, auf dessen Ausprägung der Künstler so wenig Einfluss wie möglich nimmt (Lot 29, € 250/300.000).
Gerhard Richters 3.3.89 von 1989 in Öl auf Papier ist ein wunderbares Beispiel für das Zusammenspiel von Richters Auseinandersetzung mit dem Grau als Spiegel, Grundfarbe und Feld, in dem man sich verlieren kann. Das Grau ist als Ausgangspunkt dieser Arbeit gekonnt gesetzt. Der Betrachter erkennt die meisterhafte Anwendung der dunklen Schattierung im oberen Bereich und Akzente hellerer, fast weißer Farbtöne in der unteren Hälfte der Bildfläche. Fast so, als ob Richter dem Betrachter nur einen Ausschnitt auf diese monochromatische Schattierung hinter einem Schleier aus Gelb und Orange geben wollte (Lot 26, € 130/150.000). Bei € 100/150.000 liegt A.R. Pencks Leinwand Geben und Nehmen aus dem Jahr 2005. Buchstaben und Bilder im Bild dominieren das großformatige Bild; auch zahlreiche Strichmännchen agieren emsig und sind durch aufeinander weisende Pfeile miteinander in Beziehung gesetzt. Der Künstler entwirft hier ein Tableau, das von Kreativität und Geschäftig-
keit zu erzählen scheint und dessen Energie sich über die gesamte Bildfläche erstreckt. Mittels dreier Grundfarben auf weißem Hintergrund schafft Penck in der für ihn typischen linearen Bildsprache eine zeichenhafte Welt, die leicht zugänglich scheint, deren Symbole und Bezüge für den Betrachter jedoch nie eindeutig zu entschlüsseln sind (Lot 51). Günter Fruhtrunk ist mit einer unbetitelten gestreiften Leinwand von 1970 vertreten. Licht und Dunkelheit darstel- len, die Leinwandebene auf monochrome Linien reduzieren und einen Rhythmus kreieren, der innerhalb der Leinwand widerhallt. Seit den 1950er Jahren hat sich Günter Fruhtrunk mit der Reduktion des malerischen Verfahrens auf horizontale und diagonale Kompositionen einen Namen gemacht (Lot 10, € 80/120.000).
Von William Nelson Copley, dessen Arbeiten Lempertz seit Jahren mit großem Erfolg verstei- gert, werden vier Gemälde offeriert. An der Spitze stehen Baby Bonnet von 1971 und das sieben Jahre später entstandene Bob it für je € 80/120.000. In der 1971 in der New Yorker Alexander Iolas Gallery abgehaltenen Einzelausstellung „Recent paintings: Nouns“ präsentiert William Copley eine Werkserie mit großformatig ausgeführten Alltagsgegenständen vor starkfarbigen Hintergründen oder in abstrakten Raumsituationen. Baby Bonnet ist mit seiner intensiven visuellen Präsenz auch für den Künstler ein außerordentlich wichtiges Gemälde (Lot 21). Bob it versammelt einen großen Teil von Copleys klassischem Bildvokabular. In der von grauen Steinquadern und dem Schachbrettmuster der Fliesen bestimmten Umgebung einer Gefängniszelle deutet er eine skandalträchtige und gesetzeswidrige Geschichte an, an der ein nacktes Paar – der Mann noch mit der obligatorischen Melone bekleidet –, ein anklagender Priester, ein Polizist, eine Guillotine sowie ein kleiner Hund beteiligt sind. Die 202 x 303 cm messende unbetitelte Spiegelfolie auf Holz von John Armleder aus dem Jahr 1992 ist mit € 80/100.000 bewertet. Der Schweizer Künstler, dessen Karriere fünf Jahrzehnte umfasst, ist für seine Auseinandersetzung mit verschiedenen Medien berühmt geworden. Neben Gemälden, und pour paintings hat er Möbelskulpturen geschaffen und verschiedene Objekte in seine Präsentationen integriert. Das in der Auktion offerierte Werk ist ein an Armleders raumgreifende Installationen erinnerndes Spiegelmosaik (Lot 9).
Vervollständigt wird die Offerte u.a. mit zwei Werken Emil Schumachers (Blanco, 1985 und B-5/1971, 1971; Lots 60 und 59, € 80/100.000 bzw. € 80/90.000), von Anselm Kiefer (Jakobs Traum, 2004; Lot 15, € 60/70.000) und von Joseph Kosuth (A.A.I.A.I. von 1967, ein Siebdruck auf Aluminium, Lot 11, € 40/60.000).






  • 03.12.2021 - 04.12.2021
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    Vorbesichtigung
    Kataloge online / Live-Auktion
    3. Dez. 2021, ab 18:00 Uhr, Lempertz Köln 4. Dez., ab 14:00 Uhr, Lempertz Köln
    Vorbesichtigung: Köln 27. Nov. bis 2. Dez.
    https://www.lempertz.com/de/auktionskataloge.html



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