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Sammeln und Zeichnen

Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff in Rom

Sammeln und Zeichnen

Handzeichnungen aus dem Bestand der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau

Die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau zeigt aus ihren reichen Handzeichnungsbeständen mit dem sogenannten Erdmannsdorff-Nachlass herausragende Werke, die vom 16. bis zum späten 18. Jahrhundert reichen. Dazu gehören als besondere Kostbarkeiten figürliche Vorzeichnungen von Federico Barocci, antikisierende Wandgestaltungen von Vincenzo Brenna sowie Romveduten von Charles-Louis Clérisseau und Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff. Die von Erdmannsdorff auf mehreren Italienreisen zusammengetragene Handzeichnungssammlung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der von Fürst Leopold III. Friedrich Franz initiierten Gründung einer Landeszeichenschule und der Lehrmittelproduktion der Chalcographischen Gesellschaft Dessau. Diesen merkantilen und reformpädagogischen Kontext zeigt die Ausstellung auf. Die Bestände des Erdmannsdorff-Nachlasses sind ein eindrucksvolles und herausragendes Beispiel eines europäischen Kunsttransfers in früheren Epochen. Durch die gezielte Rezeption antiker Altertümer in Rom und Umgebung, für die ganz prominent auch ein anderes "Landeskind" - der aus Stendal stammende Johann Joachim Winckelmann - steht, wurde von Erdmannsdorff das neue klassizistische Stilideal in Deutschland eingeführt. Das im Auftrag des Dessauer Fürsten von Erdmannsdorff errichtete Wörlitzer Schloss ist das erste Beispiel für diese Entwicklung. An diesem lässt sich unmittelbar ablesen, wie der im Erdmannsdorff-Nachlass zusammengetragene Formenschatz für das Dekor einer neuen Architektur genutzt wurde.

Die Bestände des Erdmannsdorff-Nachlasses zeigen mustergültig, wie stark das kulturelle Erbe Italiens im fernen Deutschland grundlegend für die Entwicklung eines neuen, modernen Stils war, der sich bewusst - und im Grunde auch politisch motiviert - von dem für alte Machtverhältnisse stehenden Barock und Rokoko absetzte. Die Ausstellung wird nach ihrer erfolgreichen Präsentation in der Casa di Goethe in Rom nun in der Orangerie des Schlosses Georgium gezeigt. Nach der Erdmannsdorff-Ehrung des Jahres 1986 handelt es sich um die erste repräsentative Ausstellung der Sammlung. Der zur Ausstellung erschienene Katalog bietet eine Fülle neuer Forschungsergebnisse und Neuzuschreibungen.








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