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Auktion: Stefan Zweig unveröffentlichte Korrespondenz

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    Auktion: Stefan Zweig unveröffentlichte Korrespondenz
    06.10.2015 - 10.10.2015
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Artcurial Wien

Paris – Am 17. November 2015 versteigert Artcurial die unveröffentlichte Korrespondenz von Stefan Zweig und seinem französischen Übersetzer Alzir Hella. Dieser bis heute unbekannte Schriftwechsel besteht aus 99hand- bzw. maschinengeschriebenen, zwischen 1928 und 1939 verfassten Briefen und Karten. Er stammt aus dem Nachlass von Marcel Body*, dem Erben von Alzir Hella, und wird auf 50.000-60.000 € / 55.500-66.600 US$ geschätzt.

Stefan Zweig (1881-1942) soll zahlreiche Briefe an Alzir Hella geschrieben haben, die zum Teil von der Gestapo beschlagnahmt wurden, als diese seine Wohnung in der Rue de l’Odéon durchsuchte. Es handelt sich hier also um den verschonten Rest.

Der Korrektor, Gewerkschafter und Anarchist Alzir Hella (1881-1953) war zugleich Übersetzer, Literaturagent und enger Freund von Stefan Zweig. Er leistete dem Werk des Schriftstellers durch seine Arbeit beträchtliche Dienste und trug maßgeblich dazu bei, ihn in Frankreich bekannt zu machen. „Amok ou le fou de Malaisie“ (frz. Titel für „Amok“ bzw. „Der Amokläufer“) war der erste literarische Erfolg Zweigs in Frankreich und entstand aus ihrer ersten Zusammenarbeit (1927).

Wahrscheinlich wurde Alzir Hella dem Schriftsteller von seinem Freund Émile Verhaeren vorgestellt.

Die reichhaltige Korrespondenz umfasst rund 120 Seiten und wirft ein unerwartetes Licht auf diese symbolhafte Persönlichkeit der mitteleuropäischen Literatur. Sie enthüllt dabei die starke, sowohl freundschaftliche als auch berufliche Bindung zwischen den beiden Literaten.

Die Briefe handeln natürlich von den Werken Stefan Zweigs, die von Hella übersetzt wurden. Dies jedoch nur kurz, denn es werden nur anekdotische Übersetzungsfragen angesprochen: „Für das Wort ‚Gurkenkönig’ verwende bitte einen belächelnden Ausdruck, an dem auch der imposante Taillenumfang von Ludwig XVIII. zu erkennen ist“, schrieb Zweig am 9. Januar 1930. Die Bedeutung dieser Briefe ist eine andere.

Zunächst zeugen sie von der gegenseitigen Unterstützung, die sich beide Männer entgegenbrachten. Jeder spielte für den anderen die Rolle eines Literaturagenten: Zweig machte für Hella die neuesten deutschsprachigen literarischen Erfolge ausfindig, die eine Übersetzung verdienten, während Hella durch eine beträchtliche Vollmacht dazu befugt war, Zweigs Verlagsverträge mit Grasset und Stock auszuhandeln. So schrieb etwa Zweig am 28. Februar 1939: „Alter Freund, mein gesamtes Werk liegt in deiner Hand, du bist der einzige, der darüber verfügen kann.“ Hella fungierte auch als treibende Kraft für Zweigs Bücher im Hinblick auf deren zahlreiche Verfilmungen.

Es entstanden ein paar Missverständnisse zwischen den beiden Freunden, wahrscheinlich aufgrund Stefan Zweigs finanzieller Schwierigkeiten. Die Nachwelt hat den Eindruck, der großbürgerliche Schriftsteller sei zeit seines Lebens nie von Geldnöten geplagt gewesen. Beim Lesen der Briefe wird dieses Bild nuanciert. Ein „erschreckender Rückgang“ seines Einkommens beschäftigte ihn (10. März 1939) infolge der Währungsabwertung nach dem Anschluss Österreichs. Er musste mit Hilfe seines Freundes manövrieren, um seine in starken Devisen ausgeschütteten ausländischen Einkünfte in Sicherheit zu bringen und die immer verhängnisvolleren Steuergesetze zu umgehen.

In diesen Schriftstücken äußert sich jedoch Zweigs Optimismus und das Wort „Erfolg“ gehört zu denjenigen, die am öftesten vorkommen. „Der Erfolg ist wirklich erstaunlich und beweist, dass ich im allgemeinen ein Skeptiker bin ...“, schrieb er am 5. Dezember 1929 in Bezug auf „Joseph Fouché“.

Nach der Erscheinung von „Amok“ im Jahr 1922 wurde Zweig fast von heute auf morgen berühmt. Danach fanden ausnahmslos alle seine Bücher reißenden Absatz. Er beklagte sich zwar oft über seinen Erfolg, der ihn überstieg und in einen Strudel von Verpflichtungen riss, doch hier erfahren wir paradoxerweise, welche aktive Rolle er selbst auch dabei spielte. Das wird in der Korrespondenz aufgedeckt: Er wirkte in der Tat besorgt um seine „editorische Strategie“ (21. November 1932) und bezog nachdrücklich Stellung zum Erscheinungsrhythmus der Werke, zur Relevanz der Werbung, zur Aufmachung der Bücher und zu ihrem Verkaufspreis.

Sein Erfolg in Amerika tat ihm gut: „Das Buch [Marie Antoinette] hat dort einen Riesenerfolg erzielt und das tröstet mich über die deutsche Bücherverbrennung hinweg.“ (24. Juli 1933)

Anspielungen auf den politischen Kontext sind zwar selten, aber erhalten dadurch nur noch mehr Gewicht. Im Lauf der Briefe, vor allem derjenigen aus dem Jahr 1933, stieg die politische Spannung und Zweig fürchtete um sein Werk. „In Frankreich ist es einfacher als in Deutschland, wo wir uns mit großen Schritten auf eine Diktatur hinbewegen ... Eine unerbittliche, hervorragend organisierte Jagd ist gegen unsere Bücher im Gange“, schrieb er am 7. Februar 1933.

Der Autor flüchtete sich in die Arbeit, „das einzige Heilmittel gegen eine völlig absurde Ära“, bevor er sich zum Exil entschloss. Und von London aus gestand er sich 1938 zu, die Umstände zu belächeln: „Ihr habt wirklich zwei reizende Nachbarn, zwischen Adolf und Benito, genau das, was man auf gut Deutsch einen ‚Streithahn’ nennt.“ Am 9. September 1938 fand er eine höchst treffende Formulierung, um den Verantwortlichen für seine Not zu bezeichnen: „Der Herr aus Braunau verpfuscht nun unser ganzes Leben.“






  • 06.10.2015 - 10.10.2015
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    Mo bis Fr 10-18 Uhr
    Sa 10-15 Uhr
    So geschlossen

    Auktion findet am 17. November bei Artcurial Paris statt.



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  • Auszug aus der Korrespondenz zwischen Stefan Zweig und Alzir Hella
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