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Alternativszene

"Geniale Dilletanten" – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland

Alternativszene

Design
Mit dem Neuen Deutschen Design verändert sich auch die Herangehensweise an die Formgestaltung radikal. Man entwirft nicht mehr nach den strengen Regeln des funktionalen und nüchternen Industriedesigns der 1950er und 1960er Jahre. Eine junge Generation von Designern, darunter auch Quereinsteiger wie Bühnenbildner, Aktionskünstler oder Musiker experimentiert mit ungewöhnlichen Materialien, Formen und Kombinationen. Alltagsgegenstände werden ihren üblichen Nutzungskontexten entzogen und einer neuen Funktion überstellt. In diesem Sinne transformiert der Designer Stiletto alias Frank Schreiner einen profanen Einkaufswagen zum provozierenden Sitzmöbel „Consumer‘s Rest“. Bei den „Einstürzenden Neubauten“ wird das gleiche Konsum-Vehikel zum Klangkörper im ebenfalls ausgestellten „Schlagwerk“. Es entsteht eine widerspenstige Ästhetik aus eklektizistischen Collagen und formalen Brüchen, bei der nicht selten Ironie und Provokation eine tragende Rolle spielen. Möbel und Objekte werden meist als Unikate oder in Kleinserie produziert. Gefragt ist individuelles Design statt Massenproduktion, das sogenannte „Autorendesign“ gewinnt zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Designzentren und Gruppen wie Bellefast, Berlinetta, Cocktail, Ginbande, Kunstflug, Möbel Perdu, Pentagon, Stiletto oder Strand entwickeln sich parallel.

Im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg findet 1982 unter dem Titel „Möbel Perdu– Schöneres Wohnen in Hamburg“ eine der ersten musealen Ausstellungen statt. Die Objekte der für ein Museum provokanten Schau wurden je nach Standpunkt des Betrachters als "Neues", als "Anti"- oder "Un-Design" eingeordnet. Mit ausgewählten Exponaten und Interviews der Beteiligten erinnert „Geniale Dilletanten“ an diese wegweisende Ausstellung und ihre ungewöhnliche Entstehungsgeschichte. Weitere Höhepunkte sind die Fotoserie „Wahnzimmer“ von Tom Jacobi von 1986 und das ehemalige Wohnzimmer des 1992 verstorbenen Designers, Kurators, Architekturhistorikers und Designtheoretikers Christian Borngräber. Es dokumentiert den „Sound der Zeit“ in Bezug auf die Möbelgestaltung: Neben Designklassikern von Stiletto oder Kunstflug sowie spielerischen Konstruktionen von Borngräber selbst finden sich in diesem 25 Quadratmeter großen „Period Room“ auch Objekte, die von den Künstlern der „Tödlichen Doris“ oder den „Einstürzenden Neubauten“ entworfen wurden. Teil des Zimmers ist auch ein Stuhl der Designergruppe Pentagon. Er war auf der documenta 8 in Kassel 1987 zu sehen, die erstmals auch Designobjekte zeigte.

Hamburg
Hamburg war ein wichtiges Zentrum der kreativen Subkultur. Die Ausstellung folgt den Spuren legendärer Szenetreffs wie der heute noch aktiven Konzert-Location Markthalle, dem Rip-Off-Laden von Klaus Maeck und Jäckie Eldorado oder der „Buch Handlung Welt“ von Ilka Nordhausen. Diese Orte stehen stellvertretend für das Prinzip der Selbstorganisation, für die Durchmischung verschiedener künstlerischer Gruppen und für den Do-It-Yourself-Gedanken. Mit Konzertplakaten, Fotografien, selbstproduzierten Musikkassetten, Fanzines und weiteren Druckerzeugnissen erinnert die Ausstellung an eine prägende Phase der Hamburger Kulturszene. Ergänzend stellt ein interaktiver und dynamisch wachsender Stadtplan weitere wichtige Orte aus der Zeit vor, darunter Theater, Konzert-Locations, Kneipen und Plattenläden.

„Geniale Dilletanten“, als Tournee-Ausstellung vom Goethe-Institut konzipiert, wird für die Präsentation im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg maßgeblich erweitert. Kuratorin der Ausstellung ist Mathilde Weh vom Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts. Idee und Konzept stammen von Mathilde Weh und Leonhard Emmerling. Die Hamburger Station wurde kuratiert von Dennis Conrad.






  • 23.01.2016 - 30.04.2016
    Ausstellung »

    Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–21 Uhr

    Eintritt ab 1.1.2016: 12 € / 8 €, Do ab 17 Uhr 8 €, bis 17 Jahre frei



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  • Die Tödliche Doris, Die Tödliche Doris in Form allegorischer Gestalten auf dem Festival Genialer Dilletanten, Westberlin, 1981, Foto: H. Blohm, Archiv: Die Tödliche Doris
    Die Tödliche Doris, Die Tödliche Doris in Form allegorischer Gestalten auf dem Festival Genialer Dilletanten, Westberlin, 1981, Foto: H. Blohm, Archiv: Die Tödliche Doris
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Einstürzende Neubauten, Kollaps, Foto für die Rückseite der LP, Vorplatz Berliner Olympiastadion, ZickZack ZZ65, 1981, Foto: Peter Gruchot
    Einstürzende Neubauten, Kollaps, Foto für die Rückseite der LP, Vorplatz Berliner Olympiastadion, ZickZack ZZ65, 1981, Foto: Peter Gruchot
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.), Magic Moments, EP, ZickZack ZZ 155, 1982, Gestaltung: F.S.K.
    Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.), Magic Moments, EP, ZickZack ZZ 155, 1982, Gestaltung: F.S.K.
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Normalzustand, Yana Yo, BRD, 1981
    Normalzustand, Yana Yo, BRD, 1981
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • Die Tödliche Doris, Autogrammkarte für ein Japan-Konzert, Nikolaus Utermöhlen, Käthe Kruse, Wolfgang Müller von vorne nach hinten, 1987, Foto: Archiv Die Tödliche Doris
    Die Tödliche Doris, Autogrammkarte für ein Japan-Konzert, Nikolaus Utermöhlen, Käthe Kruse, Wolfgang Müller von vorne nach hinten, 1987, Foto: Archiv Die Tödliche Doris
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg