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Deutschland gegen Frankreich. Der Kampf um den Stil 1900-1930

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Deutschland gegen Frankreich – im Jahr der Fußball-Europameisterschaft denkt man hierbei vor allem an sportliche Auseinandersetzungen. Im frühen 20. Jahrhundert handelte es sich jedoch um eine explosive Paarung. Seit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 standen sich die beiden Nationen im Herzen Europas verfeindet gegenüber. Sie beäugten sich mit Argwohn und entwickelten ein wechselseitiges Abhängigkeitsverhältnis, das zwischen Ablehnung und Faszination schwankte. In keinem anderen Bereich zeigte sich das deutlicher als bei der angewandten Kunst und dem Design. Die Ausstellung „Deutschland gegen Frankreich. Der Kampf um den Stil 1900-1930“ stellt anhand von etwa 300 Exponaten - Möbel, Grafik, Metall-, Glas- und Keramikobjekte - dieses Ringen um die moderne Gestaltung dar, die immer auch mit der Frage verbunden war, was die richtigen Wohn- und Lebenskonzepte sind.

Den Auftakt machte Frankreich. Zum einen im nach dem Deutsch-Französischen Krieg aufblühenden Jugendstilzentrum Nancy, zum anderen in der mondänen Weltstadt Paris. Frankreich war Geburtsstätte des Jugendstils und sonnte sich im Glanz dieser modernen Gestaltung. Doch schon zog Deutschland nach. In der Künstlerkolonie Mathildenhöhe Darmstadt begann man, den Jugendstil sakral aufzuladen und erklärte ihn kurzerhand zum Monument deutscher Kunst. In Berlin und München passten Gestalter wie Peter Behrens und Richard Riemerschmid den Jugendstil an die industrielle Produktion an und versachlichten die Entwürfe. Natürlich registrierte man in Frankreich diese neuen Entwicklungen und reagierte selbst mit einer Erneuerung des eigenen Stils und erfand ab 1910 den Art Deco. In einer monumentalen Ausstellung 1925 in Paris stellte Frankreich seine neue Kunstrichtung vor und musste doch kurz darauf erstaunt feststellen, dass Deutschland mit dem Funktionalismus des Bauhauses und des Neuen Frankfurts auch schon wieder einen eigenen neuen Stil entwickelt hatte. Als der Deutsche Werkbund sich 1930 in Paris auf einer großen Schau präsentieren durfte, verhalf dies auch in Paris einem neuen französischen Design zum Durchbruch. Unter der Leitung von Le Corbusier wurde die Gruppe UAM (Union des Artistes modernes) gegründet, die nun die funktionalistische Moderne mit der Eleganz des Art Deco verschmolz.

Von 1900 bis 1930 entwickelte sich die Gestaltung in Frankreich und Deutschland in einer Art Pingpong-Spiel zwischen diesen beiden sich so skeptisch gegenüberstehenden Nationen. Politisch herrschte Eiszeit zwischen den Nationen, aber gestalterisch führte dies zu einem außergewöhnlich engen Wettstreit über den richtigen Stil der Moderne. Die Ausstellung im Bröhan-Museum thematisiert dies und stellt dabei die Exponate zeitgenössischen Zitaten gegenüber, um den Diskurs zwischen Deutschland und Frankreich anschaulich werden zu lassen.

Die Ausstellung präsentiert zahlreiche Neuerwerbungen, Schenkungen und exklusive Leihgaben wie ein Möbelensemble von Louis Majorelle aus Nancy (Sammlung Brockstedt), ein Raumensemble von August Endell aus dem Nordsee-Sanatorium auf der Insel Föhr, Möbel von Ferdinand Kramer und Franz Schuster für das Neue Frankfurt sowie die Frankfurter Küche, Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe, französische Möbel von Le Corbusier und Jean Prouvé sowie Werke von René Lalique, Hans Christiansen, Willi Baumeister und Alfons Mucha.






  • 28.04.2016 - 11.09.2016
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    Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen 24. und 31.12. sowie Ostermontag und Pfingstmontag geschlossen



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  • Eugène Samuel Grasset PLAKAT „ENCRE L. MARQUET" Um 1892 Farblithographie Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin
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    Bröhan Museum
  • François-Emile Décorchemont VASE Um 1915 Sammlung Brockstedt Foto: Ronald Gerhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
    François-Emile Décorchemont VASE Um 1915 Sammlung Brockstedt Foto: Ronald Gerhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
    Bröhan Museum
  • Paul Iribe LIEGESESSEL 1913 Ebenholz, Baumwollvelour (erneuert, Kordel original) Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin
    Paul Iribe LIEGESESSEL 1913 Ebenholz, Baumwollvelour (erneuert, Kordel original) Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin
    Bröhan Museum
  • Hans Christiansen SPIEGELVITRINE AUS EINEM DAMENZIMMER 1903-05 Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin
    Hans Christiansen SPIEGELVITRINE AUS EINEM DAMENZIMMER 1903-05 Bröhan-Museum, Berlin Foto: Martin Adam, Berlin
    Bröhan Museum
  • Rudolf Edwin Belling Erdmannsdorfer Büstenfabrik A-G., Berlin MODEPLASTIK (KONFEKTIONSBÜSTE) 1923 Pappmaché, Holz, vergoldet, Metallständer (später) Bröhan-Museum, Berlin Foto: Ronald Gerhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
    Rudolf Edwin Belling Erdmannsdorfer Büstenfabrik A-G., Berlin MODEPLASTIK (KONFEKTIONSBÜSTE) 1923 Pappmaché, Holz, vergoldet, Metallständer (später) Bröhan-Museum, Berlin Foto: Ronald Gerhardt © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
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