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Kunst nach 1945 aus den Sammlungen der Kunsthallen Lübeck und Rostock

Nach 31 Jahren Deutscher Einheit werfen die Kunsthalle St. Annen in Lübeck und die Kunsthalle Rostock in der Doppelausstellung „Perspektivwechsel“ vom 10. November 2021 bis 23. Januar 2022 zeitgleich einen gemeinsamen Blick auf die Geschichten der Häuser und die Entwicklung ihrer Sammlungen aus der Zeit der innerdeutschen Teilung bis in die Gegenwart. Gemälde, Grafiken, Plastiken und Installationen aus den Beständen beider Museen werden in der Schau zusammengeführt. Der Dialog der Kunstwerke ermöglicht es, Haltungen und Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und eröffnet die Chance, einen Austausch zwischen den Institutionen und insbesondere mit den Besucher:innen zu schaffen. Gemeinsam mit ihnen lässt sich die Kunst und ihre Wahrnehmung in Ost- und Westdeutschland vor und nach 1990 sowie die Frage nach heutigen Grenzen und kulturellen Barrieren diskutieren. Diese Begegnungen sollen neue Synergien schaffen, inspirieren und den Austausch beleben. Schirmherr des Ausstellungsprojekts ist Björn Engholm, Ministerpräsident a. D. des Landes Schleswig-Holstein. Kuratiert wurde die Schau von Ann-Kristin Jürgensen und Melanie Ohst, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Kunsthalle St. Annen und der Kunsthalle Rostock.

Monika Frank, Senatorin für Kultur und Bildung der Hansestadt Lübeck, freut sich, dass solche Projekte, die in den langen Jahren der innerdeutschen Teilung undenkbar gewesen wären, heute möglich sind. „Diese Ausstellung zweier Kunsthallen auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze spiegelt die deutsche Geschichte der letzten Jahrzehnte wider“, erklärt sie. Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor des Verbundes der LÜBECKER MUSEEN, sieht es als ein schönes Signal an, dass gerade am Jahrestag des Mauerfalls diese besondere Doppelausstellung eröffnet wird: „Die Kooperation zwischen der Lübecker Kunsthalle St. Annen und der Kunsthalle Rostock hat eine Ausstellung ermöglicht, die Raum für Begegnungen und Austausch schafft. Diese Verbindung sollen und müssen wir fördern, da auch nach über 30 Jahren nach der Wiedervereinigung Nachholbedarf existiert. Wir sind sicher, dass noch weitere Kooperationen zwischen Lübeck und Rostock folgen werden.“

Dr. Antje-Britt Mählmann, die Leiterin der Kunsthalle St. Annen, fügt hinzu: „In der Vorbereitung dieser Ausstellung haben wir viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede unserer Häuser und Städte entdeckt und gesehen, wie diese sich produktiv nutzen lassen. Der gemeinsame Blick auf unsere beiden Sammlungen eröffnet noch unerforschte Perspektiven auf die moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte der Region.“

Gezeigt werden Arbeiten von über 90 Künstler:innen aus Ost und West, Norddeutschland und dem Ostseeraum; darunter Norbert Bisky, Jørgen Buch, Hede Bühl, HAP Grieshaber, Manaf Halbouni, Angela Hampel, Leiko Ikemura, Hanna Jäger, Jo Jastram, Susanne Kandt-Horn, Per Kirkeby, Wolfgang Mattheuer, Maix Mayer, Jonathan Meese, Røde Mor, Sabine Moritz, Andreas Mühe, Max Neumann, Otto Niemeyer-Holstein, A. R. Penck, Sigmar Polke, Emil Schumacher, Ramona Seyfarth, Willi Sitte, Walter Stöhrer, Rainer Erhard Teubert, Fred Thieler, Werner Tübke, Günther Uecker, Andy Warhol, Willy Wolff und weitere. Gegliedert wird die Ausstellung in beiden Häusern durch die Themenbereiche „Polaritäten“, „Parallelen“, „Brückenschlag und Austausch“, „Wiedervereinigung“ und „Gegenwart“, wobei die Kunsthalle St. Annen den Schwerpunkt vornehmlich auf die Gegensätze vor 1989, die Biennale der Ostseeländer, die individuellen Erwerbungswege zwischen Ost und West sowie auf künstlerische Positionen der Gegenwart aus den Beständen beider Häuser legt. In Rostock werden anhand von Exponaten und Archivmaterialien grenzübergreifende Verbindungen im Norden Deutschlands vor 1990 rekonstruiert sowie die Sammlungsgeschichten beider Häuser im Prozess der Wiedervereinigung näher in den Blick genommen.

Ein wesentliches Bestreben dieser Museumskooperation liegt in der Präsentation zum Teil lange im Depot verwahrter und bisher kaum erforschter Werke. In Lübeck wird u. a. die kurze Erwerbungsphase des Sammlungsbereichs von Kunst aus der DDR neu betrachtet. Bezeichnend hierfür ist die Erwerbung des monumentalen Gemäldes Lob der gelegentlichen Unvernunft (1979/80) von dem Leipziger Maler Bernhard Heisig im Jahr 1982 mit Mitteln des Vereins der Freunde. Dank der Unterstützung der Corona-Förderlinie der Ernst von Siemens Kunststiftung konnten dieses Werk sowie das sehr gegensätzliche abstrakte Gemälde Anessen 3 von dem westdeutschen Künstler Walther Stöhrer kürzlich restauriert werden. Beide Werke werden nun erstmals nach langer Zeit in der Kunsthalle St. Annen wieder öffentlich präsentiert. In der Sammlung der Kunsthalle Rostock hingegen sind die Erwerbungen abstrakter bzw. gegenstandsloser Positionen wie Willy Wolff (DDR), Gerhard Hoehme (BRD) oder Lauri Ahlgrén (Finnland) hervorzuheben und intensiver zu betrachten sowie die Erwerbungen von Kunstwerken aus dem Westen. Vor allem die Ausrichtung der Biennalen der Ostseeländer ermöglichte den Erwerb bedeutsamer Werke aus Westdeutschland, darunter der Farbholzschnitt Hommage à Caspar David Friedrich, 1974 von HAP Grieshaber.

Crossoverprojekt BILDKLANG – Film/Podcast/Musik
Begleitet wird die Schau an beiden Ausstellungsorten von einem neuen Format, das Museumsbesucher:innen ein neuartiges, multisensorisches Erlebnis aus Kunst, Musik, Podcast, Film und Konzert bietet. Zur Nutzung des BILDKLANG eGuides auf dem Smartphone wird gebeten, eigene Kopfhörer mitzubringen.






  • 09.11.2021 - 23.01.2022
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    Dienstag - Sonntag
    01.01. - 31.03.
    11 - 17 Uhr

    Montag - Sonntag
    01.04. - 31.12.
    10 - 17 Uhr



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  • Bernhard Heisig, Lob der gelegentlichen Unvernunft, 1979 / 80, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle St. Annen
    Bernhard Heisig, Lob der gelegentlichen Unvernunft, 1979 / 80, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle St. Annen
    Die Lübecker Museen
  • Ulrich Hachulla, Junges Paar in der Straßenbahn, 1971, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle Rostock
    Ulrich Hachulla, Junges Paar in der Straßenbahn, 1971, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle Rostock
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  • HAP Grieshaber, Hommage à Caspar David Friedrich, 1974, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Frank Hormann/fotoagentur nordlicht
    HAP Grieshaber, Hommage à Caspar David Friedrich, 1974, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Frank Hormann/fotoagentur nordlicht
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  • Harald Duwe, Kleines Eßbild (Leichenschmaus), 1974, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle St. Annen
    Harald Duwe, Kleines Eßbild (Leichenschmaus), 1974, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Kunsthalle St. Annen
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