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Galerie Krinzinger

MONICA BONVICINI STAGECAGE

Galerie Krinzinger

".... Um 1450 vergleicht der italienische Bildhauer, Ingenieur, Architekt und Architektur-theoretiker Filarete (eigentlich Antonio di Pietro Averlino, * um 1400 † um 1469) den Architekten mit einer Mutter, die ein Kind – das Gebäude – empfängt und zur Welt bringt. ‚Wenn diese Geburt vollendet ist, d.h. wenn er in Holz einen kleinen Reliefentwurf der endgültigen Form gemacht hat, gemessen und proportioniert für das fertige Gebäude, zeigt er ihn dem Vater.‘ In dieser Schöpfungsfabel wird der ‚Vater‘ als Mäzen dargestellt, und wie Platons Demiurg oder Handwerker erschafft der Architekt nicht ein komplettes Gebäude, sondern sein Modell in maßstabsgetreuem Relief."

Wien, 10. August 2021 Die Galerie Krinzinger freut sich, die erste Einzelausstellung von Monica Bonvicini in ihren Räumlichkeiten ankündigen zu können.

Der Titel der Ausstellung STAGECAGE ist ein Wortspiel, abgeleitet von der Ausstellung StageCraft an der Columbia University. Diesen Titel tragen auch die neuen Skulpturen, aus Aluminium gebaute Modelle von Familienhäusern. In unterschiedlichen Konstellationen konzipiert, hallt in ihnen die architektonische Installation As Walls Keep Shifting, 2019 nach. Zusammengehalten durch Klammern und Ledergurte erzeugen sie ein beunruhigendes und beängstigendes Narrativ, das im starken Kontrast zu der scharfkantigen und genauen Struktur der Modelle steht. Sie verdeutlichen Monica Bonvicinis künstlerische Auseinandersetzung mit Architektur und der ihr innewohnenden Beziehung zu Geschichte, Erinnerung und Machtausübung. Die Skulpturen sind Bühne und Inszenierung zugleich. Sie untersuchen die Verschränkung von Orts- und Sinnstiftung. Bonvicini nimmt den Akt des "Hausbauens" als künstlerische Übung und füllt ihn mit feministischem Begehren und humorvollen Phantasien auf, wobei sie die Formen und Konzepte ständig verschiebt. Die kahle Beschaffenheit der Struktur offenbart sowohl den Anfang als auch das Ende der Architektur; sowohl die metaphorische Konstruktion aller Gebäude, als häusliche, habituelle und sozial regulierende Räume.

Das Gewicht von Heimat verdeutlicht sich auch in den neuen Muranoglas Skulpturen Come on Home, 2021. Die Künstlerin bedient sich für den Titel der Arbeit an den Lyrics von Aretha Franklins bekanntem Lied Chain of Fools, in dem eine emotionale Enttäuschung vermeintliche Sicherheit in der Stimme des Vaters findet. Die gesprühten Zeichnungen von Never Tire, 2020 sowie die großformatige Installation Be Your Mirror, 2020 oder die Skulptur Stagecage, 2021 sind Reflexion und Fortsetzung von Bonvicinis Beschäftigung und Erforschung der Etablierung des privaten Raums im Allgemeinen und seiner Diskrepanzen, wie Isolation, ausgrenzende Dynamik, ökonomischer Beziehungen sowie das Aufkommen reaktionärer Gefühle.

In der Arbeit Be Your Mirror, dient die Architektur der Galerie, im weiteren Sinne die Architektur des Museums, als Ausgangspunkt, um über ihre eigene Funktion zu reflektieren. Das klare Abbild der Galeriebesucher*innen im polierten Aluminium erinnert daran, dass alles, was glänzt, Produkt harter, kontinuierlicher Arbeit und Pflege ist. Ob im Kontext von Protesten, wie in der Serie der gesprühten, auf Alumunium kaschierten Zeichnungen NEVER TIRE, in Pendant (Guilt) #2, 2020, der neuen LED Skulptur Striplight, 2021, den ikonischen, mit einer Lederschürze verkleideten Eternit Stühlen von Willy Guhl EternMale, 2000 oder der neuen Neonarbeit Joy, Power, Humor & Resistance, 2021, präsentiert die Schau den Besucher*innen vertraute Totems aus Design und Architektur, um die Beziehung zwischen Design, Arbeit und gebauter Umgebung zu problematisieren. MONICA BONVICINI (geb. 1965 in Venedig, Italien) Monica Bonvicini wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Goldenen Löwen der Biennale di Venezia 1999, dem Preis der Nationalgalerie für junge Kunst, verliehen von den Staatlichen Museen zu Berlin 2005, dem Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum der Stiftung Bremen 2013, dem Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift, Deutschland 2019, dem Oskar Kokoschka Preis, Österreich 2020. Ihre Arbeiten waren auf vielen bedeutenden Biennalen zu sehen, darunter in Berlin 1998, 2004, 2014, Istanbul 2003, 2017, Gwangju 2006, Busan 2020 New Orleans 2008 und Venedig 1999, 2001, 2005, 2011, 2015 sowie auf der La TriennaIe Paris 2012; Einzelausstellungen u.a. Palais de Tokyo, Paris 2002, Modern Art Oxford, England (UK) 2003, Secession, Wien 2003, Staedtisches Museum Abteiberg 2005, 2012, Sculpture Center 2007, The Art Institute of Chicago 2009, Kunstmuseum Basel 2009, Frac des Pays de la Loire, Carquefou (FR) 2009, Kunsthalle Fridericianum, Kassel 2011, Centro de Arte Contemporaneo de Malága (ES) 2011, Deichtorhallen Hamburg 2012, BALTIC Center for Contemporary Art, Gateshead, England (UK) 2016, Berlinische Galerie 2017, Belvedere 21, Wien 2019 und Kunsthalle Bielefeld 2020. Permanente Skulpturen im öffentlichen Raum RUN 2012 im Queen Elizabeth Olympic Park, London, Hun ligger/She lies 2013 im Hafenbecken von Oslo vor dem Opernhaus und Stairway to Hell 2003 im Istanbul Modern. Monica Bonvicini lebt und arbeitet in Berlin. 2003 trat Monica Bonvinci die Professur für Performative Kunst und Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien an, bevor sie 2017 zur Professorin für Bildhauerei an der Universität der Künste Berlin berufen wurde.






  • 02.09.2021 - 30.10.2021
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    Eröffnung: 1. September 2021, 19 Uhr

    Ausstellungsdauer: 2. Sept. - 30. Okt. 2021

    Öffnungszeiten: Di – Fr 12 – 18 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr

    Eintritt frei

    Galerie Krinzinger, Seilerstätte 16, 1010 Wien

    Die Künstlerin ist bei der Eröffnung anwesend.



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  • Bildlegende: Monica Bonvicini, Stagecage Watch, 2021, Detail , © Courtesy of the artist and VG – Bildkunst / Foto: Studio Monica Bonvicini
    Bildlegende: Monica Bonvicini, Stagecage Watch, 2021, Detail , © Courtesy of the artist and VG – Bildkunst / Foto: Studio Monica Bonvicini
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  • Bildlegende: Monica Bonvicini, Studio View, 2021, © Courtesy of the artist and VG - Bildkunst, Bonn 2021
    Bildlegende: Monica Bonvicini, Studio View, 2021, © Courtesy of the artist and VG - Bildkunst, Bonn 2021
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