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Georg Baselitz Hotel garni

Thaddaeus Ropac Seoul wird am 6. Oktober 2021 mit einer Ausstellung neuer Werke von Georg Baselitz eröffnen, dessen historische Verbindung mit der Stadt auf seine erste institutionelle Einzelausstellung in Korea 2007 im National Museum of Modern and Contemporary Art zurückgeht. Die erstmals ausgestellten zwölf Leinwände und zwölf Zeichnungen entstanden eigens im Hinblick auf die Eröffnung des neuen Galerieraums in Seoul. Baselitz schuf in der zweiten Häl"e des 20. Jahrhunderts eine neue Identität für deutsche Kunst und die Ausstellung wird zeitlich mit der Eröffnung der bislang größten Retrospektive des Künstlers im Centre Pompidou, Paris, zusammenfallen.

Trotz der Wanderscha! der Missionare sind die Bilder in der Welt verschieden geblieben. In Korea und in Deutschland erzählt man sich aber ähnliche Märchen. Die Kunst hier und dort sind zwei große Monumente. Ganz unvergleichbar, aber herrlich. Heute sind die Bilder schneller als die Flugzeuge und das ist sehr aufregend. – Georg Baselitz, 2021

Mit einem einzigartigen und charakteristischen künstlerischen Vokabular hat Baselitz seine Praxis durch formale Entwicklungen kontinuierlich erneuert. In seinen Werken grei" der Künstler Motive aus seinem umfangreichen Œuvre auf und integriert subtile Verweise auf die Kunstgeschichte, die eine Reflexion über die Bedeutung der Malerei selbst darstellen. In seiner neuen Serie großformatiger Leinwände widmet Baselitz sich dem Motiv seiner Frau Elke, deren Bild seit 50 Jahren eine prominente Position in der Entwicklung seiner künstlerischen Praxis einnimmt.

Die neuen Werke zeigen die mehrteilige Figur Elkes, abstrahiert, doch sinnlich, in einem nicht näher definierten Raum isoliert. Baselitz verfremdet und abstrahiert sein Leitmotiv, das jedoch durch die Expressivität der Darstellung nichts seiner erzählerischen Wirkung einbüßt. Um die Form ihres Inhalts zu entleeren, stellt der Künstler seine Kompositionen seit 1969 auf den Kopf und revolutionierte damit das als konventionell geltende Medium. Durch dieses neue Format navigieren seine Werke zwischen Abstraktion und Figuration. Wenn Baselitz Elke malt, dient diese Geste zudem dem Aufbrechen jeglicher Harmonie oder Schönheit, die sonst vermutlich bei der Darstellung einer ihm derart vertrauten Gestalt entstanden wäre.

Bei seiner Wahl des Ausstellungstitels Hotel garni – der französische Name für eine preiswerte Hotelkategorie – bezieht Baselitz sich mi#els einer für ihn typischen humorvollen Assoziationske#e auf die Szene von Pablo Picassos Les Demoiselles d’Avignon. Er spielt mit den Worten und evoziert die konfrontative Komposition und unkonventionelle Weiblichkeit einer der größten künstlerischen Errungenscha"en seines historischen Vorfahren. Nicht zum ersten Mal erinnert er mit seiner Titelwahl an Picasso, auf den auch Baselitz’ gefeierte Avignon-Serie verweist, die 2015 auf der Biennale von Venedig zu sehen war.

Bereits in den 1960er Jahren, während seiner Besuche in Paris sah er die Arbeiten Pablo Picassos ebenso wie die von Jean Fautrier, Jean Dubuffet, Eugène Leroy und Wols – Werke, die von einem Existenzialismus durchdrungen sind, der seinen eigenen Ansatz geprä$ hat.

Die materielle Ästhetik dieser Künstler hat Baselitz’ Praxis seither kontinuierlich beeinflusst. Elkes dominierende physische Präsenz wird dem Betrachter durch einen Abklatsch präsentiert, der Baselitz’ Kompositionen um ein Zufallselement ergänzt. Diese Technik lässt an Andy Warhols Serie der Rorschachbilder und Blo"ed Line Drawings denken und verweist auf subtile Weise auf den deutschen Expressionismus, das französische Informel und die Freiheit der amerikanischen abstrakten Malerei.

Die zuletzt entstandenen Darstellungen von Elke zeigen existenzialistische Konnotationen. Baselitz setzt sich mit dem Ringen um Repräsentation, der Unvermeidbarkeit der Subjektivität und der Darstellung des Selbst durch ein bedeutsames Anderes auseinander. Der Künstler kommentiert: Ich habe immer darunter geli"en, dass mich etwas behindert bei meinen Bildern. Mich hat immer behindert – und das hat sich heute wesentlich gebessert – das sogenannte »Existenzielle«. Also, dass etwas in mir ist, was mich beschä!i# und was ich nicht aus den Bildern verbannen kann. Der Versuch da rauszukommen, den hab ich lange gemacht – 60 Jahre jetzt – und die letzten 20 Jahre, muss ich sagen, ist mir das ziemlich gut gelungen.

Über den KünstlerIn einer mehr als sechs Jahrzehnte umfassenden künstlerischen Tätigkeit hat Georg Baselitz seine Praxis immer wieder erneuert und sich nicht auf einen einzelnen, identifizierbaren Stil festlegen lassen. Er hat die Konventionen der verschiedenen Medien, in denen er arbeitet, darunter Malerei, Skulptur, Druckgrafik und Zeichnung, neu definiert.

Der Künstler, der 1938 als Hans-Georg Kern im sächsischen Deutschbaselitz geboren wurde, besuchte zunächst die Hochschule für Bildende Künste in Ostberlin, bevor er dort wegen »gesellscha"spolitischer Unreife« exmatrikuliert wurde und sein Studium daraufhin von 1957–1963 in Westberlin abschloss. In dieser Zeit nahm er auch den Namen seiner Heimatstadt an. Seine erste Einzelausstellung in der Galerie Werner & Katz in Berlin löste einen Skandal aus, und mehrere seiner Werke wurden von den Behörden beschlagnahmt, da sie der Si#enwidrigkeit bezichti$ wurden. Gegen die Vorherrscha" der abstrakten Malerei aufbegehrend, enthielten Baselitz’ entschieden figurativen Werke häufig schockierende Motive, die beim Betrachter eine starke Reaktion auslösen sollten.






  • 07.10.2021 - 27.11.2021
    Ausstellung »
    Galerie Thaddaeus Ropac Marais »

    Seoul Fort Hill2F, Fort Hill, 122-1, Dokseodang-ro, Yongsan-gu, Seoul7 Oktober—27 November 2021



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    Galerie Thaddaeus Ropac Marais