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Hans Schabus Der lange Morgen

Eröffnungsrede von Séamus Kealy, Direktor Salzburger Kunstverein Every life is in many days, day after day. We walk through ourselves, meeting robbers, ghosts, giants, old men, young men, wives, widows, brothers-in-love. But always meeting ourselves. –James Joyce. Ulysses.

Hans Schabus schafft Kunstwerke, die auf merkwürdige Weise mit seinen kosmischen Erfahrungen spielen. Oft bezieht er sich auf seine Umgebung, wenn er z. B. aus spärlichen oder alltäglichen Materialien Ideen entwickelt. Wie ein Besessener hat er riesige Löcher unter sein Atelier gegraben, unter Museen gegraben, um neue Durchgänge für Besucher zu schaffen, ist mit einem selbstgebauten Boot durch unterirdische Tunnel gesegelt, mit dem Fahrrad um und durch riesige Landstriche gefahren und hat 2005 den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig in einen hölzernen, labyrinthischen Berg verwandelt. Seltsamerweise führten all diese mühsamen Unternehmungen, die jede einen scheinbaren Anfang und ein scheinbares Ende hatte, in Wirklichkeit nirgendwo hin. Dieses Element einer Reise oder eines Übergangs zu einem anderen Ort wird absichtlich vereitelt, oft durch die erschöpfende Unmöglichkeit und dem Gewicht des Kontextes, den Hans seiner Arbeit auferlegt, oder durch Wiederholung, die das Gefühl der Neuheit der Erfahrung untergräbt. Nachdem er nirgendwohin gegangen ist, er vielmehr einen Kreislauf durchlaufen hat, der nur in sich selbst zurückkehren kann, ist dennoch etwas geschehen.

Man könnte sagen, dass Hans oft aus Nichts etwas macht. Es gibt Werke von HansSchabus, die aus diesen selbst auferlegten Barrieren oder Negativen entstehen, oder sie könnten, wie in neueren Arbeiten, aus dem Ungesehenen, dem Unrealisierten oder dem Vernachlässigten entstehen. Das kann ein negativer Raum sein, wie seine hartnäckige Neigung, Löcher zu graben, oder immer wieder in sein leeres Atelier als Muse zurückzukehren, um nun die Spektralität nicht vorhandener Ereignisse und des „Ausgelöschten“ einzusetzen. Wir alle haben das in letzter Zeit erlebt. ABGESAGT! GESCHLOSSEN! BIS AUFWEITERES GESCHLOSSEN! AUFGRUND DER UMSTÄNDE WERDEN KEINE NEUEN STELLEN GESCHAFFEN. KNEIPE GESCHLOSSEN.

Man könnte sagen, dass Hans oft aus Nichts etwas macht. Es gibt Werke von HansSchabus, die aus diesen selbst auferlegten Barrieren oder Negativen entstehen, oder sie könnten, wie in neueren Arbeiten, aus dem Ungesehenen, dem Unrealisierten oder dem Vernachlässigten entstehen. Das kann ein negativer Raum sein, wie seine hartnäckige Neigung, Löcher zu graben, oder immer wieder in sein leeres Atelier als Muse zurückzukehren, um nun die Spektralität nicht vorhandener Ereignisse und des „Ausgelöschten“ einzusetzen. Wir alle haben das in letzter Zeit erlebt. ABGESAGT! GESCHLOSSEN! BIS AUFWEITERES GESCHLOSSEN! AUFGRUND DER UMSTÄNDE WERDEN KEINE NEUEN STELLEN GESCHAFFEN. KNEIPE GESCHLOSSEN. Hans fucks around with things.

Und in diesem Fall fummelt er an Nicht-Dingen herum. Die Arbeiten von Hans Schabus haben eine Einfachheit und eine alltägliche Eleganz, die ich seit 18 Jahren, in denen ich den Mann und seine Arbeit kenne, bewundere. Ohne zu nostalgisch zu werden, erlaubt mir zu sagen, dass sich unsere Wege in diesen Jahren mehrmals beruflich gekreuzt haben. Natürlich neigte ich in all diesen Jahren dazu, einen roten Faden in seiner Arbeit zu finden. Und das habe ich, ich habe es gerade gesagt, und ich hoffe, ihr könnt es mir nachsehen:
Hans fucks around with things.

Und an dieser Aussage ist nichts Abwertendes. Ich wage zu behaupten, dass auch Samuel Beckett ein Künstler war, der mit den Dingen gefuckt hat. Ich werde vielleicht nicht unverletzt aus einer Beckett-Konferenz herauskommen, wenn ich diese Behauptung wiederhole (und vielleicht auch nicht unverletzt aus dieser Galerie), aber wenn wir darüber nachdenken, können wir feststellen, dass Beckett aus einem scheinbaren Nichts heraus mit ein paar eleganten Gesten und unter minimalen Bedingungen tiefgründige Literatur und Theater geschaffen hat. Dieser Erfindungsreichtum mit bloßen Knochen und Staub ist für mich erstaunlich und ehrfurchtgebietend.

Beginnen wir mit meiner ersten Begegnung mit Hans’Arbeit, als er 2003 seine Ausstellung Astronaut (Komme gleich)in der Secession zeigte. Ich schlug dem Flash Art Magazine einen Artikel über diese Ausstellung vor und schrieb somit meinen ersten Text über Hans’Arbeit. In Hans’Ausstellung ging es im Wesentlichen um den Versuch, Wien zu entkommen, entweder in einem selbstgebauten Boot in der Wiener Kanalisation (in Western, der brillanten Filmparodie von Der dritte Mann) oder durch einen halb ausgegrabenen Gang im Secessionsgebäude selbst. Diese Arbeit hatte etwas Beklemmendes, aber auch Ungeheuerliches.

Der Künstler und Astronaut kommt nämlich nicht raus. Die Mission geht schief. Oder doch nicht? Er ist auf dem Weg, komme gleich, sagt er, aber dann kommt er wieder an den Ort zurück, an dem er gestartet ist. Es scheint ein bisschen sinnlos, aber er tut es trotzdem. Es ist, als könne er nicht anders. Haben Sie sich nicht auch schon über seine Radreisen durch Amerika oder neuerdings während der Pandemie vom nördlichsten bis zum südlichsten Teil des europäischen Kontinents gewundert? Was treibt er da? Man könnte sagen, dass er seine Arbeit aus dieser scheinbar trügerisch banalen Auseinandersetzung mit der nackten Realität heraus entwickelt. Ich meine, schaut euch das Video an, das er gemacht hat, es ist nicht spektakulär. Natürlich will ich nicht behaupten, dass diese Arbeit langweilig oder es gar banal ist, durch einen Kontinent zu radeln. Nein, das ist eine große Geste. Aber die Art und Weise, wie es zu einem Kunstwerk wird, könnteals trocken und banal interpretiert werden. In seinem Fall ist das nicht so –obwohl es dem gefährlich nahe kommt.

Lasst es mich erklären, indem ich noch einmal kurz auf eine andere Zeitspanne zurückkomme.








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