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Präuschers Panoptikum. Ein Bilderbuch von Herbert List, ab 20. Mai im MK&G

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) widmet sich im Rahmen der 8. Triennale der Photographie Hamburg 2022 der Neuinterpretation von zwei Werkkomplexen des Hamburger Fotografen Herbert List (1903–1975). Die Ausstellung präsentiert das noch nie gezeigte Fotobuchprojekt PRÄUSCHERS PANOPTIKUM. EIN BILDERBUCH VON HERBERT LIST. Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich Herbert Lists Aufnahmen von jungen Männern und Skulpturen, die seit den 2000er Jahren als Vorreiter eines „Queer Gaze“ wiederentdeckt wurden – einer Bildsprache, die Geschlechterstereotype und damit verbundene Macht­verhältnisse in Frage stellt. Beide Themen verbindet das Interesse des bekennenden homosexuellen Fotografen am Populären, am Kitsch und an der körperlichen Einbindung der Betrachter*innen in seine Sujets. Die Ausstellung zeigt rund 70 Fotografien von Herbert List aus den 1930er und 1940er Jahren sowie Zeitschriftenartikel, einzelne Wachsfiguren und deren Vorlagen aus der Kunstgeschichte sowie den originalen Buchentwurf für „Präuschers Panoptikum“.

DAS BUCH
„Hereinspaziert in die wundersame Welt des Wachsfigurenkabinetts des Dr. Präuscher im Wiener Prater!“ Als Lists Aufnahmen 1944 entstanden, präsentierte das Panoptikum historische Figurengruppen und Märchen­szenen und beherbergte ein anatomisches Kabinett. Im schummrigen Halbdunkel wurde das medizinische Sujet an Frauenakten vorgeführt: Hier vermischte sich populärwissenschaftliches Interesse mit der Schaulust am Erotischen. List durchschritt diese Welt als Liebhaber des Über­kommenen und Veralteten. Denn nach einer letzten Hochphase dieses Unterhaltungsmodells Ende des 19. Jahrhunderts war das Wachsfiguren-kabinett zu Lists Zeiten bereits aus der Mode gekommen. Lists Interesse galt der Verlebendigung der Szenen durch die Kamera und dem gleich darauf folgenden Zerbrechen der Illusion. Seinem Buch gab er den Anschein eines Führers durch eine künstliche Welt. Die Ausstellung rekonstruiert erstmals das nie erschienene Buch, für das er selbst einen Text beisteuerte, und zeichnet in ihrem ersten Teil die Geschichte der Veröffentlichung von Lists Fotografien nach.

DIE PUBILKATIONSGESCHICHTE
Während es List in den Kriegsjahren nicht gelang, sein Buch zu veröffentlichen, begannen seine Bilder noch im Jahr ihrer Entstehung ein Eigen­leben zu führen. Es gehört zu den Paradoxien dieser Geschichte, dass die Wiener Fotografien des aus der Reichspressekammer ausge­schlossenen und von den NS-Rassegesetzten bedrohten List 1944 in einer Probenum­mer der Zeitschrift „Tele“ abgedruckt wurden, einer Kulturzeit­schrift, die als Geheimprojekt des Deutschen Auswärtigen Amts in Schweden erschien. Ihre Macher schufen so eine Nische für einen dezidiert „queeren“ Blick auf die Welt und für einen Künstler, der sich – mit den Worten der US-amerikanischen Schriftstellerin und Kritikerin Susan Sontag – dem „Camp“ verschrieb, der Lust an der Übertreibung, an Popkultur und Kitsch. Nach Kriegsende – im Jahr 1947 – druckte die drei Jahre zuvor gegründete Schweizer Zeitschrift für Grafik und angewandte Künste „Graphis“ Lists Fotografien mit einem Text von Erich Kästner ab. Die internationale, in drei Sprachen erscheinende Zeitschrift erschloss mit langen Bildstrecken und Artikeln das neue Feld der Gebrauchsgrafik. 2013 schließlich hatten Lists Bilder einen Auftritt in einer Ausstellungspräsen­tation der US-amerikanischen Fotokünstlerin Cindy Sherman für die Biennale di Venezia. Die Ausstellung im MK&G folgt diesen Spuren und zeigt die historischen Kontexte auf, die die Lektüren von Lists Werks über die Jahre verändert haben.

DER EROTISCHE BLICK
Der zweite Teil der Ausstellung richtet den Fokus auf den erotischen Blick Lists und widmet sich seiner Idee von einer Kunst, die berührt und nicht mehr aus der Distanz im „interesselosen Wohlgefallen“ betrachtet werden soll. Seit der Epoche der Klassik (1786-1832) sind wir als Betrachter*innen geschult, Skulpturen nicht zu berühren und die in der Kunst dargestellten Körper nicht zu begehren. List geht einen anderen Weg und setzt die Torsi griechischer Plastiken und die Körper junger Männer in seinen Bildern gleichermaßen erotisch in Szene. In abstraktem Schwarzweiß wird so Marmor zu Haut und Haut zu Marmor. Was aber passiert, wenn eine antikisierende Skulptur des Staatsbildhauers Arno Breker oder die Skulptur eines schlafenden Soldaten in der Großen Deutschen Kunstausstellung im Münchener Haus der Kunst zum Objekt des Begehrens wird? Wie funktionieren die subtilen Umdeutungen, die List für seine Fotografien nutzt? Gibt es einen schwulen Blick oder eine schwule Ästhetik?






  • 20.05.2022 - 18.09.2022
    Ausstellung »

    Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
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    montags, 1. Mai, Heiligabend und Silvester geöffnet

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    Neujahr, 1. und 2. Weihnachtstag: 12-18 Uhr
    Gerd Bucerius Bibliothek

    Dienstag - Freitag 11 - 17.30 Uhr Donnerstag bis 20.30 Uhr, bei Veranstaltungen bis 18 Uhr In der Zeit vom 24.12.2013 bis 03.01.2014 bleibt die Bibliothek geschlossen.

    Eintritt
    10 Euro, ermäßigt 7 Euro, Donnerstag ab 17 Uhr 7 Eurov nur Besuch der Destille 2 Euro
    nur Besuch der Gerd Bucerius Bibliothek 2 Euro (frei für Studierende der staatl. Hamburger Hochschulen)
    Kunstmeilenpass (5 Häuser, 1 Ticket) 29 Euro, ermäßigt 15 Euro Jahresticket für Studierende staatlich anerkannter Hoch- und Fachhochschulen, Azubis und Schüler über 17 Jahre einmalig 10 Euro pro Jahr (12 Monate gültig ab Kauf)



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  • HERBERT LIST (1903–1975) Belehrender Einblick in den Brustkorb, 1944 Silbergelatinepapier, 296 x 191 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Belehrender Einblick in den Brustkorb, 1944 Silbergelatinepapier, 296 x 191 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) Amor in Tränen, 1944/46 Silbergelatinepapier, 298 x 235 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Amor in Tränen, 1944/46 Silbergelatinepapier, 298 x 235 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) Der Schnurrbart, 1931 Silbergelatinepapier, 22 x 24,3 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Der Schnurrbart, 1931 Silbergelatinepapier, 22 x 24,3 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) Marmorstatue aus Antikythera, 1937 Silbergelatinepapier, 32,3 x 26,6 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Marmorstatue aus Antikythera, 1937 Silbergelatinepapier, 32,3 x 26,6 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) Santorin, 1937 Silbergelatinepapier, 30,6 x 23,8 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Santorin, 1937 Silbergelatinepapier, 30,6 x 23,8 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) La belle Irene, die schöne tätowierte Amerikanerin, 1944/46 Silbergelatinepapier, 296 x 191 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) La belle Irene, die schöne tätowierte Amerikanerin, 1944/46 Silbergelatinepapier, 296 x 191 mm Herbert List Nachlass Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
  • HERBERT LIST (1903–1975) Apoll mit Leibbinden, 1936 Silbergelatinepapier, 25,7 x 24,4 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    HERBERT LIST (1903–1975) Apoll mit Leibbinden, 1936 Silbergelatinepapier, 25,7 x 24,4 cm Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg © Magnum Photos / Herbert List Nachlass Hamburg
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg