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Wer war Milli? Eine Intervention von Natasha A. Kelly

Ab Frühjahr 2022 präsentiert die Kunsthalle Bremen in der Sammlungsausstellung „Remix“ eine künstlerische Intervention von Natasha A. Kelly. Die Wissenschaftlerin, Autorin, Aktivistin und Künstlerin setzte sich in bereits mehreren Projekten mit dem Schwarzen Modell Milli auseinander, das aus zahlreichen Werken der Brücke-Künstler bekannt ist.

Natasha A. Kellys Ausgangspunkt dabei ist das Gemälde Schlafende Milli (1911) von Ernst Ludwig Kirchner, das sich in der Sammlung der Kunsthalle Bremen befindet. In ihrer in die Sammlungsausstellung der Kunsthalle eingebetteten Intervention kommentiert Natasha A. Kelly Darstellungen von „Milli“ und weiteren Modellen, die Kirchner regelmäßig porträtiert hat. In ihrer essayistischen Auseinandersetzung analysiert Kelly jene Klischees, in denen Schwarze Frauen objektiviert, exotisiert und erotisiert werden, und erzählt zugleich deutsche Geschichte aus einer Schwarzen feministischen Perspektive.

Ab dem Jahr 1909 porträtierten Ernst Ludwig Kirchner und andere Brücke-Künstler mehrfach Schwarze Modelle. Kirchners Gemälde Schlafende Milli (1911), das in unmittelbarer räumlicher Nähe zu Natasha A. Kellys Intervention ausgestellt ist, ist ein wichtiges Beispiel für die Präsenz Schwarzer Modelle im Werk des expressionistischen Künstlers. Es bildet den Ausgangspunkt für die von Natasha A. Kelly gestellte Frage, wer das Modell „Milli“ war. In ihrer essayistischen Annäherung an das Schwarze Modell „Milli“ kombiniert die Künstlerin ihre Videos Millis Erwachen und Millis Rising mit Texten und Reproduktionen von Kunstwerken der Brücke-Künstler sowie von historischen Fotografien.

Videos
In Natasha A. Kellys erstem Film Millis Erwachen (2018) kommen acht Schwarze, deutsche Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen in und mit deutschen Kunstinstitutionen, von visueller Repräsentation und politischer sowie sozialer Ausgrenzung. Hieran anknüpfend greift Natasha A. Kelly in Millis Rising – Eine Filmythologie (2019) neue Erzählperspektiven auf, um die Lebensrealitäten von Schwarzen Frauen in Deutschland zu thematisieren. Ziel ihrer Filme ist es, Sehgewohnheiten zu durchbrechen und Betrachtende anhand von Kirchners Model „Milli“ für die europäische Ästhetik zu sensibilisieren und diese zu dekolonialisieren. Gleichzeitig möchten die Filme Schwarzen Frauen eine Sichtbarkeit geben.

Kommentierte Darstellungen von Kirchner, Heckel und historische Fotografien
Für ihre Intervention hat Natasha A. Kelly zahlreiche Darstellungen von „Milli“ und anderen Schwarzen Modellen von Ernst Ludwig Kirchner und auch Erich Heckel zusammengestellt und mit historischen Fotografien aus den Ateliers von Kirchner und Heckel kombiniert. Einzelne Elemente aus Kirchners Atelier, die auch im Gemälde Schlafende Milli wiederzufinden sind, wie ein Paravent, ein Vorhang sowie das Bett, auf dem die Schlafende ruht, wurden als Akzente in die Intervention aufgenommen. In ihren Texten kommentiert Natasha A. Kelly die Darstellungen und liest die Darstellungen Kirchners „gegen den Strich“. Auf der Suche nach dem Modell „Milli“ tritt Kirchner in die Rolle des Helfershelfers und öffnet einen diskursiven Handlungsraum, in dem Fragmente von ihrer Realität rekonstruiert werden können. So gelingt es Natasha A. Kelly, „Milli“ ein Stück ihrer Identität zurück zu geben und den sozialen Kontext von Kunst im Kolonialismus sowie Kirchners Rolle darin herauszuarbeiten.

Auf unserem Blog gibt Natasha A. Kelly einen Einblick in die Intervention und in ihre Intention.

Natasha A. Kelly ist im Sommersemester 2022 Gastprofessorin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen darunter den Black Laurel Film Award 2018 für ihren Film „Millis Erwachen“ (2018) sowie die Ernennung vom Deutschen Frauenring zur Frauenringsfrau 2021. Im April 2021 veröffentlichte sie den Spiegel-Bestseller „Rassismus. Strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen“, den sie als Reaktion auf den Black Lives Matter Sommer 2020 verfasste.






  • 27.04.2022 - 30.04.2023
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    Der Kunstverein in Bremen »

    dienstags bis sonntags, 11–18 Uhr

    montags geschlossen

     

    Einzeltickets für Erwachsene: 8 €, ermäßigt 5 €
    Kinder bis 6 Jahre: frei
    Familien (2 Erwachsene mit bis zu 4 Kindern): 20 €
    Gruppen ab 10 Personen: 5 € pro Person



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