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Galerie Lisa Kandlhofer

Marc Henry I Tender Offer

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"Die Postmoderne, das postmoderne Bewusstsein, mag dann auf nicht viel mehr hinauslaufen als auf die Theorie ihrer eigenen Möglichkeitsbedingung, die vor allem in der bloßen Aufzählung von Veränderungen und Modifikationen besteht."

- Fredric Jameson, Postmoderne oder Die kulturelle Logik des Spätkapitalismus. 1991.

Das deutsche Sprichwort "der Schein trügt" definiert eine Dichotomie, bei der etwas, das sich einmal offenbart hat, seinem ursprünglichen Eindruck widerspricht und somit täuscht. Die anfängliche Annahme des Subjekts/Objekts beruht auf seinem ersten Eindruck oder seiner Oberflächenschicht (ob begrifflich oder ästhetisch), seiner Hülle: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt".

In seiner Einzelausstellung Tender Offer enthüllen Marc Henrys Gemälde solche Spannungen, indem sie von den sich ständig ausbreitenden Peripherien von Authentizität, Affektiertheit und deren Mystifizierung innerhalb unserer alltäglichen, unerbittlichen hyperkapitalistischen Maschinerie ausgehen. Seine Werke enthüllen Fragmente unserer seltsamen postmodernen Realität und stellen trügerische Anspielungen dar, indem sie Kontroversen in unserer gegenwärtigen Wellness-, Luxus- und Konsumwirtschaft erforschen oder indem sie sich auf historisierende ikonische kulturelle Embleme wie die antike Reliquie der Sphinx von Gizeh und die griechische Mythologie wie Achilles beziehen. Mit einer Reihe von selbstbewussten, stahlgerahmten Ölgemälden auf Armeslänge beißen wir in den sauren Apfel und stellen uns den Fragmenten eines nuancierten Pastiches, das unsere idiosynkratische postmoderne Verfassung widerspiegelt, oder wie der kritische Theoretiker Frederic Jameson es ausdrückt, "die kulturelle Logik des Spätkapitalismus".

Wir fühlen uns an Baudrillards Simulacra und Simulation erinnert, in denen kulturelle Repräsentationsmittel (sowohl virtuelle als auch physische) unsere gelebten Erfahrungen "simulieren", wenn wir mit den Werken The Sphinx and Pyramid Scheme konfrontiert werden. Für den technischen Prozess hinter dieser Arbeit lädt Henry ein im Internet gefundenes Bild von The Sphinx of the Seashore (1879) von Elihu Vedder hoch, das auf der Statue der Großen Sphinx von Gizeh in Ägypten basiert, die um 2500 v. Chr. errichtet wurde. Anschließend bearbeitet der Künstler das Bild mittels des OpenAI entwickelte Programm DALL-E. Diese künstliche Intelligenz generiert digitale Bilder aus sprachlichen Beschreibungen, den so genannten "Prompts". Unendlich weit von seinem ursprünglichen Kontext entfernt, wird das reproduzierte Bild obsolet - seine Authentizität wird in Frage gestellt. Doch indem er die endgültige Wiedergabe mit dicken, expressionistischen Ölstrichen auf die Leinwand überträgt und das Werk mit rostfreiem Stahl einrahmt, verfestigt Henry seine mutierte Präsenz in Echtzeit, im Hier und Jetzt. Vor uns liegt seine schiere haptische Körperlichkeit.

In Gesellschaft des Spektakels verurteilt Guy Debord die Konsumkultur, indem er auf der Kritik des Warenfetischismus von Marx aufbaut und behauptet, dass "alles, was einmal direkt gelebt wurde, zur bloßen Repräsentation geworden ist". Bilder, die in den Netzwerken des Kapitals zirkulieren, sich vermehren und durch die Zeit fließen, werden ständig verbreitet, umgestaltet oder ersetzt. Innerhalb des freien Informationsflusses werden sie zu endlosen amorphen Mutationen, welche die Authentizität und Wirkung eines Bildes in Frage stellen. Dies zeigt sich in der Arbeit I Am Perpetually Haunted By a Future That Could Have Been. Das Werk zeigt eineMask, die ursprünglich von einem unbekannten, in Osteuropa lebenden Schweißer hergestellt und auf einem Blog gepostet wurde, der anschließend auf Twitter und in Subreddits fälschlicherweise für eine authentische Bischofsmaske aus dem dreizehnten Jahrhundert gehalten wurde. Durch Henrys Einsatz von Photoshop und DALL-E wurde das ursprüngliche Bild weiter quantifiziert und vervielfältigt, wobei die endgültige Wiedergabe in malerischer Form auf die Leinwand übertragen wurde. Wir werden mit einem Arrangement von künstlich erzeugten Masken konfrontiert, deren unheimliche Störungen in ihrer expressionistischen, physischen und malerischen Form festgehalten werden.






  • 29.03.2023 - 05.05.2023
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    Tuesday- Friday: 11.00am - 7.00 pm
    Saturday: 11.00 am - 4pm



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  •  Marc Henry Achilles, 2023 Öl auf Leinwand 65 x 50 cm 25 5/8 x 19 3/4 in
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