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Einfach malen

Eugène Leroy

Einfach malen

Es war nie der Glanz der Oberfläche, der den Einzelgänger aus dem Norden Frankreichs interessierte – er wollte einfach malen, so sein Resümee. Der Prozess bzw. die Realität des Malens war eine existenzielle Grunddisposition, in der sich Eugène Leroy zeitlebens bewegte. Für ihn war Malerei nicht selbstverständlich Bild, und schon gar nicht unterschied er zwischen gegenständlich und abstrakt. Vielmehr ist er ein von Grund auf unabhängiger Künstler, der nach einem, wie er es selbst bezeichnet, „Gleichgewicht zwischen den Anforderungen des Visuellen und denen der Malerei“ sucht.

Eugène Leroy wurde 1910 im flandrischen Norden Frankreichs geboren, wo er auch zeitlebens blieb und 2000 starb. Entsprechend war er auch der klassischen französischen Entwicklung der Moderne nicht zuordenbar. Was in Paris und Südfrankreich geschah, war für den Mann aus dem Norden nicht so bestimmend wie beispielsweise die flämischen und holländischen Meister. Sein Leben in der Abgeschiedenheit des weiten Nordens führte auch zu einer nahezu anarchischen Konventionslosigkeit, die ihn einer traditionalistischen Sichtweise genauso suspekt erscheinen lässt wie der der Moderne. Die Befreiung des Materials von der Abhängigkeit der Abbildung führt in seinem Fall zu den Farbmassen, die seine Leinwände bedecken und seine Kunst oberflächlich charakterisieren. Zu glauben, dass sich hier die Zweidimensionalität in Dreidimensionalität verwandelt und der skulpturale Aspekt wichtig sei, führt in die falsche Richtung. Vielmehr war Leroy immer bestrebt, innerhalb der Malerei zu argumentieren. Akte, Porträts, Landschaften waren neben Stillleben und vegetabilen Formen die bevorzugten Motive. Dabei entzieht sich das jeweilige Sujet der Offensichtlichkeit, es bleibt aber unabdingbar vorhanden. Beides ist denkbar – der Prozess des momentanen Entstehens, aber auch der entfernten Erinnerung.

Farbe und Licht – vor allem das des Nordens – waren Leroys grundsätzliche Antriebsquellen für die Malerei. Durch die Malerei eignet sich der Künstler eine Realität an, die immer wieder nur lapidar im Gemälde endet. Die übertrieben anmutende Aufschichtung der Farbe hat nicht die Sinnlichkeit des Materials zum Ziel, sondern sie unterstreicht den evolutionären Charakter seiner Malerei. In anhaltenden Prozessen trägt der Künstler das Material oft über Jahre hindurch auf, baut es zu einem Kosmos aus, der sich in der Nahsicht zur tektonischen Kraterlandschaft zusammenschließt und erst in der Fernsicht lesbare Strukturen freigibt. Dabei sind es bewusst gesetzte Akzente, die der Künstler kalkuliert auf die Leinwand setzt. Niemals ist es die emotionale Eruption der informellen Geste, die ihn antreibt. Obwohl Leroys Ziel die Leichtigkeit und Unbeschwertheit innerhalb der Malerei war, war für ihn Geschwindigkeit erst in den späten Jahren ein zulässiges Mittel.

Innerhalb der österreichischen Tradition sind mit Richard Gerstl, Jean Egger oder Herbert Boeckl Künstler zu nennen, die sich durch die Akkumulation von Farbmasse auf der Leinwand ebenfalls eine Position verschafften, die nicht eindeutig ist. Auch dort ist in den stärksten Momenten eine malerische Realität erreicht, die zwischen Abbild und Malerei anzusiedeln ist und die mit dem Expressiven nicht ausreichend beschrieben ist. In einer jüngeren Generation – vor allem zur Zeit der „Neuen Malerei“ der 1980er-Jahre – wurde Eugène Leroy vor allem außerhalb Frankreichs intensiv rezipiert. Maler wie Georg Baselitz in Deutschland oder Herbert Brandl in Österreich betonen ihre Nähe zu diesem Einzelgänger. Es ist daher ein ehrgeiziges Ziel der Neuen Galerie Graz gewesen, diesen Künstler in Österreich erstmals umfassend zu präsentieren.

Mit Denys Zacharopoulos ist es gelungen, einen profunden Kenner und Freund Leroys als Kurator zu gewinnen. Mit ihm, der schon vielfach und grundsätzlich zu Eugène Leroy gearbeitet hat, und dem Musée des Beaux-Arts Eugène Leroy in Tourcoing als Partner, war es möglich, diese Ausstellung mit einer hervorragenden Auswahl aus dem Werk Leroys für Graz zu definieren. Neben etwa 60 Gemälden werden auch an die 40 Zeichnungen und Radierungen des Künstlers in zu sehen sein. Die Grafik war für Leroy eine völlig eigenständige Disziplin, die er nicht aus Marktkalkül schuf, sondern um Präzisierungen vornehmen zu können, die jenseits der Malerei liegen. Weitere Leihgaben dieser Ausstellung werden vorwiegend aus dem Besitz der Familie Leroy sowie aus österreichischem Privatbesitz kommen.

Text: Günther Holler-Schuster






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