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Jenisch Haus Louis Gurlitt. Ein Künstlerleben

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LANDSCHAFTSMALEREI
Der 1855 zum Präsidenten des Hamburger Künstlervereins ernannte Louis Gurlitt, der auch als Lithograf und Radierer einige Bedeutung hat, schuf insbesondere weite, oft panoramatische Landschaften aus Nord- und Südeuropa, wobei er letztere dank intensiver Pleinairstudien mit subtilen Lichtwirkungen belebte. Es erstaunt nicht, dass schon Künstlerkollegen wie Johan Christian Dahl und Carl Rottmann das Œuvre von Louis Gurlitt hoch bewerteten, und heute finden sich seine Gemälde in so bedeutenden Museen wie der Neuen Nationalgalerie in Berlin, der Hamburger Kunsthalle, dem Statens Museum for Kunst in Kopenhagen, der Mailänder Pinacoteca di Brera, der Neuen Pinakothek in München oder der St. Petersburger Eremitage. Gurlitt war zeitlebens auf Reisen. Nach den Skizzen und Ölstudien, die er auf seinen Touren anfertigte, entstanden im Atelier großformatige Gemälde, in denen er eine detaillierte Naturwiedergabe mit einem panoramatischen Format verband. Sein Ziel war es, ohne religiöse Überhöhung oder dramatisierende Arrangements, die „wahre Natur“ einer Landschaft darzustellen.

Am 24.3.1837 schrieb Gurlitt an seine Gemahlin Elise Saxild: „Durch meinen Aufenthalt in München habe ich gelernt, daß das viele Studienmalen den Künstler nicht macht, sondern, daß es darauf ankommt, den Geist der Natur zu erfassen.“ Gurlitt malte folglich keineswegs nur seine Wahrnehmung einer Landschaft oder seine Empfindung in dieser. Vielmehr trug er Ideen an sie heran, zuweilen nicht mal mehr originär eigene, sondern bereits in der philosophischen Literatur vorgedachte, und er lehrte somit die Landschaft neu zu sehen und zu interpretieren.

Umso mehr ärgerte es Gurlitt, dass er keine Anerkennung von dem bekannten dänischen Kunsthistoriker und allmächtigen Kunstkritiker Professor Niels Lauritis Høyen erhielt. In einem Brief vom 4.5.1839 an seinen Mentor Johan Ludwig Gebhard Lund in Kopenhagen bekannte er seinen Unmut: „Man … verliert alle Lust, etwas nach Hause (Kopenhagen) zusenden, denn der Teil der Bilder, der einem die größte Anstrengung und Studium kostet, alles nämlich, was zu Komposition … gehört, kurz alles, was nach meiner Meinung den Hauptbestand eines Kunstwerkes ausmacht, wird von dem größten Teil derjenigen, die sich das Urteil in Kopenhagen angemaßt haben, übersehen oder sogar lächerlich gemacht. Und es ist doch gewiß, daß man wie in der Historienmalerei so auch in der Landschaft, aus höheren Absichten geleitet, manches von der simplen Natürlichkeit aufopfern muß, um in höherem Sinne wahr zu sein.“ Ab 1845 ging es Gurlitt darum, einen weiten Blick in die Natur in ein Bild zusammenzufassen. Sehr anschaulich berichtet Gurlitts Freund Adolf Stahr im Jahre 1853 davon, was das Prägnante an Gurlitts Malerei ist.

„Dieses Streben nur nach vollendeter scharfer Charakteristik des Einzelnen, nach möglichster Ausgestaltung des reichen Naturlebens, ohne dabei in ängstliche Kleinigkeit zu verfallen, bezeichnet vor Allem die Arbeiten Louis Gurlitt‘s aus Altona. Unter allen jetzt in Rom lebenden deutschen Landschaftsmalern wüßte ich keinen, welcher in dieser Lebendigkeit und Fülle des Einzellebens der landschaftlichen Natur es ihm gleich täte. Mit der glücklichsten Schärfe und Feinheit des sinnlichen Auges begabt, vermag er die Dinge in der ganzen Reinheit und Klarheit ihrer Formen- und Farbindividualität aufzufassen und widerzuspiegeln. Das, woran so viele Maler italienischer Landschaft scheitern: die lichte Helligkeit, die luftige Klarheit der Schatten, in welcher alle Gegenstände in dem reinen Medium südlicher Luft, scharf und bestimmt gesondert, in plastischer Klarheit ihrer Formen erscheinen, diesen wundersamen Zauber des Lichts im Dunkel des Schattens weiß er in seinen Vordergründen mit einer Meisterschaft darzustellen, die ich bei seinen Zeitgenossen nirgens bestritten fand. … Ich hörte seine Auffassungsweise hier und da eine naturalistische nennen, namentlich von solchen Seiten her, wo noch der alte abstrakte Idealismus seine Anhänger hat. Und sie ist auch in dem Sinne, dass der Künstler in der Wirklichkeit dieser Natur das ihr spezifisch angehörige Ideelle, Geistige sucht und findet, und eben darum auch durch sie selbst wiedergibt. Jedes seiner Bilder zeigt oder scheint doch diese und keine andere wirkliche bestimmte Gegend, Landschaft u.s.f. zu zeigen, und oft bedarf es, selbst bei genauer Kenntnis jener Wirklichkeit, der sorgfältigsten Vergleichung, um die Punkte herauszufinden, wo der Künstler die Naturwirklichkeit verließ und freischaffend das für den Gesamtausdruck in ihr Fehlende ergänzte. So nähert sich Gurlitts Landschaft oft völlig dem Porträt. Aber dies Porträt wird ein Kunstwerk wird zur Darstellung eines Idealen, weil er die innerste Seele des Originals ganz an die Oberfläche der Erscheinung heraufzuzaubern verstand. So bindet er in seiner Landschaft den Reiz der charaktervollen Naturwirklichkeit in ihrer bestimmtesten Individualität mit dem Zauber jenen inneren Wahrheit und geistigen Freiheit der Stimmung und Gedankenempfindung; er verbindet, was die Vedute au der einen und die Ideallandschaft sauf der anderen Seite erstreben, ohne es zu erreichen, weil jene die Wirklichkeit auch in ihrer seelenlosen Form für genügend hält, diese umgekehrt die Wirklichkeit völlig in eine abstrakte Idealform aufhebt und verflüchtigt.“ (Adolf Stahr: Ein Jahr in Italien, 1853, Bd II, S. 457ff)






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  • Louis Gurlitt, Blick von Stoefs auf die Hohwachter Bucht, um 1861, Foto Altonaer Museum
    Louis Gurlitt, Blick von Stoefs auf die Hohwachter Bucht, um 1861, Foto Altonaer Museum
    Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte
  • Louis Gurlitt, Zeichenschule, Bäume am Wegesrand, ab 1857, Foto Altonaer Museum
    Louis Gurlitt, Zeichenschule, Bäume am Wegesrand, ab 1857, Foto Altonaer Museum
    Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte
  • Wilhelm Marstrand, Bildnis Louis Gurlitt, 1854, Privatbesitz, Foto Altonaer Museum
    Wilhelm Marstrand, Bildnis Louis Gurlitt, 1854, Privatbesitz, Foto Altonaer Museum
    Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte