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Liechtensteinmuseum Barocker Luxus in Porzellan

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Die Ausstellung zeigt in zwei Themenbereichen einerseits Tafelporzellane der ersten Jahrzehnte der Manufaktur Carlo Ginori in Doccia bei Florenz neben ihren vielfältigen und phantasievollen Vorbildern aus der Wiener Manufaktur Du Paquier, andererseits die plastische Produktion aus Doccia in der reizvollen Gegenüberstellung mit ihren antiken Vorbildern sowie der florentinischen Barockplastik, wie originalen Bronzen, Wachs- und Terrakottamodellen.

Insgesamt sind über dreihundert Exponate zu sehen, die teilweise aus den Beständen der Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, aber auch aus namhaften europäischen und nordamerikanischen Privatsammlungen und Museen stammen. Einige Ausstellungsstücke verlassen erstmals seit 250 Jahren die Palazzi ihrer Besitzer.

Fürstliche Leidenschaft

Für die Fürsten von Liechtenstein ist Porzellan seit Jahrhunderten kostbarer Bestandteil ihrer Sammlungen, sowohl als Teil der Tafelausstattung wie auch als wertvolles Sammelobjekt. Die fürstliche Familie gehört zu den frühesten und beständigsten Abnehmern der Wiener Porzellanmanufaktur Du Paquier.

Zwei meisterliche Schulen

Die Ausstellung zeigt Gefässe und Skulpturen der ersten Jahrzehnte der Manufaktur Carlo Ginori in Doccia und ihre eindrucksvollen Vorbilder aus der Wiener Manufaktur Du Paquier. Die Skulpturen werden in der reizvollen Gegenüberstellung mit ihren Vorbildern aus der florentinischen Barockplastik – Wachs- und Terrakottamodellen, sowie meisterhaften Bronzen präsentiert. Erstmals werden die einzigartigen Produkte beider Porzellanmanufakturen einander in grosser Zahl gegenübergestellt. Im Bereich der Porzellangefässe wird der Einfluss Wiens auf die toskanische Erzeugung vor allem in der monochromen Malerei, im Laub- und Bandelwerk, in der Chinoiserie sowie in naturalistischen Pflanzen- und Tierdarstellungen augenscheinlich. Ergänzt werden beide Themenkreise durch Grafiken, Gemälde sowie verwandte Beispiele der dekorativen Kunst ihrer Zeit, um die künstlerische Atmosphäre der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wien und Florenz zu illustrieren.
Neben eigenen Beständen der Fürstlichen Sammlungen sind Exponate aus europäischen und nordamerikanischen Privatsammlungen und Museen zu sehen.

Die Wiener Manufaktur Du Paquier

Die Manufaktur Du Paquier war – als zweite Porzellanmanufaktur Europas nach Meissen – 1718 mit kaiserlichem Privileg gegründet worden. Von Meissen hatte sich Claudius Innocentius du Paquier auf dunklen Wegen wesentliche Informationen und Mitarbeiter für Wien beschafft. Neben ostasiatischen Einflüssen und Seitenblicken auf die Meissener Produktion sind die Porzellane der Wiener Manufaktur vornehmlich von der barocken Welt der imperialen Hauptstadt geprägt. Barocke Spiellust und Strenge mischen sich in Wien zu beeindruckenden Ergebnissen. In ihnen spiegeln sich Elemente zeitgenössischer Architektur, Innenraumgestaltung, aber auch Themen der Naturwissenschaften wider.
Unter den bekannten Malernamen der Manufaktur Du Paquier findet sich seit 1721 der des Südtirolers Johann Carl Wendelin Anreiter von Zirnfeld (1702–1747). Sein Stil war der eines virtuosen Landschafts- und Figurenmalers mit speziellen Schatteneffekten und einer Vorliebe für monochrome Darstellungen in Schwarzlot, Eisenrot oder Purpur.

Die Reise des Carlo Ginori nach Wien

Im Jahr 1737 reiste Marchese Carlo Ginori (1702–1757) in diplomatischer Mission als florentinischer Gesandter nach Wien. Gerade war die Herrschaft über die Toskana an Franz Stephan von Lothringen (1708–1765) übergegangen. Ginoris Auftrag war, dem Wiener Hof die Loyalität der Toskana zu bekunden und dem neuen Grossherzog zu huldigen. Der umfassend gebildete und einflussreiche Marchese hegte merkantilistische Ambitionen und besass ausgeprägten Mut zur Innovation. So kam es, dass er Claudius Innocentius du Paquier (gest. 1751) in dessen Wiener Porzellanmanufaktur einen folgenreichen Besuch abstattete, der den Anstoss für den Aufbau seiner eigenen Manufaktur im Grossherzogtum Toskana gab.

Carlo Ginori in Florenz

Noch im Jahr seines Wien-Aufenthalts gründete Ginori eine eigene Manufaktur auf seinem Landgut in Doccia bei Florenz. Ginori konnte Johann Carl Wendelin Anreiter für sein florentinisches Projekt gewinnen, ebenso den Brenner Giorgio delle Torri und zwei weitere Mitarbeiter Du Paquiers. Seinem Stil getreu „exportierte“ Anreiter Aspekte der Wiener Barockästhetik in die Toskana und ging mit der lokalen künstlerischen Tradition eine erfolgreiche Verbindung ein.
In kürzester Zeit bediente man sich in Doccia kunstfertig des neuen Mediums Porzellan, anfangs noch am Wiener Vorbild orientiert. Besonders in der Porzellanplastik ging man bald eigene Wege. Es entstanden hervorragende, höchst eigenständige Werke. Teils weiss glasiert, mit effektvoller barocker Licht- und Schattenführung, teils polychrom bemalt, wurden antike und biblische Sujets auch in relativ grossformatige Skulpturen umgesetzt.
Die Bronzeplastiken und Basreliefs der toskanischen Bildhauer Giovanni Battista Foggini (1652–1725) und Massimiliano Soldani Benzi (1656–1740) standen als Vorlagen im Mittelpunkt der figurativen Interpretation unter der Leitung des Modellmeisters Gaspero Bruschi (1701–1780) in Doccia.
Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein (1657–1712), ein Verehrer italienischer Kunst, orderte für seine Sammlung eine stattliche Anzahl von Bronzen bei Soldani. Ergänzt durch spätere Erwerbungen bilden sie einen bedeutenden Kern der fürstlichen Skulpturensammlung, einer der bedeutendsten Sammlungen von Florentiner Bronzen weltweit. Erstmals werden sie nun neben ihren kunstvollen Abbildern aus Porzellan zu sehen sein. Zusammen mit Terrakottabozzetti und den Wachsmodellen aus der Sammlung der Manufaktur Ginori in Doccia zeigen sie, wie sehr sich eine Form, in einem anderen Material ausgeführt, verändert.


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