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Tillman Kaiser

HERMETISCHE MELANCHOLIE III Soundkonzept: Udo Bohnenberger

Tillman Kaiser

Die Ausstellung HERMETISCHE MELANCHOLIE III des jungen österreichischen Künstlers Tillman Kaiser (* 1972) in der Factory der Kunsthalle Krems ist benannt nach dem gleichnamigen Werk des italienischen Malers Giorgio de Chirico (1888–1978). Inspiriert von der Poesie des Titels und den fantastischen, fiktionalen Architekturdarstellungen des Mitbegründers der Pittura metafisica befragt Kaiser die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und entwickelt für die Ausstellung ein Raumkonzept, das von der Malerei über Skulptur und Installation bis in den Hyperraum einer vierten raumzeitlichen Dimension reicht. Somit kulminiert der dritte und letzte Teil der gleichnamigen Ausstellungtrilogie — die im Herbst 2012 im Wiener Off-Space LWZprojekte startete und ihre Fortsetzung im Jänner dieses Jahres in der Galerie Emanuel Layr fand — in der künstlerischen Auseinandersetzung mit der raumbildenden Kraft von Geräuschen. Neben zentralen Werken der letzten beiden Jahre, wie Flying high in the friendly sky (2011), Muscles (2012) und Good people ugly faces (2012) — in deren assoziativen Potentialen Musik auf subtile Weise ebenfalls eine Rolle spielt — entwickelt Tillman Kaiser in Zusammenarbeit mit Udo Bohnenberger die massive Soundskulptur Funked up sowie eine raumgreifende, begehbare Struktur zwischen Skulptur und Architektur. Formal an die für ihn typische kubofuturistische Arbeitsweise anschließend und vergleichbar mit früheren Paravents und Raumteilern, wird diese Installation im Zuge des donaufestival temporär als eine Bühne für eine musikalische Performance von DeNIMBoYsays… fungieren. Anders als die über Jahre entwickelte komplexe Bild- und Formensprache des Künstlers birgt die Soundintervention eine Überraschung dieser Ausstellung und vermutlich einen weiteren Verstärker und Diffusor des kaiserschen Enigmas. Kaiser: „Ich möchte auch die Leute ins Staunen versetzten, beeindrucken. Dafür muss ich mich aber erst selbst überlisten und beeindrucken.“

Tillman Kaisers Werk ist im besten Sinne assoziativ und eklektisch. Die so reichhaltige wie kondensierte Bildsprache zehrt vor einem schier unendlichen Gedächtnisreservoir an Eindrücken und im Alltag verstreuten Bildern, Rätseln, Mysterien und Okkultismen, die collageartig als bruchstückhafte Rückkoppelung an die Wirklichkeit in seine Arbeiten einfließen und der dialektischen Zerrissenheit zwischen Fiktion und Realität standhalten. Hinter einem der Avantgarden und Ismen der Moderne geschuldeten Formenvokabular, das vom Konstruktivismus über den Kubismus bis zum Surrealismus reicht, verbirgt sich ein ebenso vielschichtiges, wie geheimnisvolles Œuvre, durchsetzt von Verweisen und Anspielungen, die dem wahrnehmenden Betrachter erlauben, mannigfaltige Verbindungen, etwa zu Science Fiction-Elementen, Songtiteln oder alltäglichen Gegenständen herzustellen. Aus diesen Potentialen gebiert er in einer Art subjektiven Retrofuturismus die Narrative und Phantasmen seiner Bilder und Skulpturen.

Postmoderne, Postmodernität, Utopie und Dystopie haben sich unversehens in den Begriffskanon zur Erfassung von Tillman Kaisers Werk eingeschrieben und schildern dieses als Brennglas einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, Traum und Wirklichkeit verschwimmen und alternative künstlerische Weltentwürfe oftmals realer erscheinen als die disparate Verfasstheit des 21. Jahrhunderts zwischen Globalisierung, Virtualität und Weltraumtourismus. Das Gefühl des Den-Boden-unter-den- Füßen-Verlierens zeichnet Tillman Kaisers delirierende Werke, die kein Oben, Unten, Links und Rechts zu kennen scheinen, aus. Die ihnen eigene fraktale, geometrisch-kristalline Formensprache basiert auf Anordnungen sich gegenseitig stützender Dreiecke – jener kleinsten Figur die vermag eine Fläche zu bilden – die vergleichbar mit dem optischen Phänomen des Kaleidoskops in rhythmischer Ondulation kristalline Strukturen formt.

Über die Jahre seiner intensiven künstlerischen Praxis, hat sich Tillman Kaiser mit der Erforschung des Selbst, der eigenen Wahrnehmung und den tiefsten Schichten des Unbewussten auseinandergesetzt und dabei ein ureigenes, psychohistorisches Inventar visueller Erinnerungen zusammengetragen. Der Realität entrissene Formschöpfungen und Gegenstände stehen in Widerspruch zur ästhetischen Klarheit der geometrisch-abstrakten Struktur seiner Werke, dem gezielten Einsatz von Farbigkeit und der Fragilität der verwendeten Materialien. Sie fungieren so als Bruch, als Trigger der die vermeintliche Aneignung moderner Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts in den gegenwärtigen Diskurs zu überführen vermag.

Über die Jahre seiner intensiven künstlerischen Praxis, hat sich Tillman Kaiser mit der Erforschung des Selbst, der eigenen Wahrnehmung und den tiefsten Schichten des Unbewussten auseinandergesetzt und dabei ein ureigenes, psychohistorisches Inventar visueller Erinnerungen zusammengetragen. Der Realität entrissene Formschöpfungen und Gegenstände stehen in Widerspruch zur ästhetischen Klarheit der geometrisch-abstrakten Struktur seiner Werke, dem gezielten Einsatz von Farbigkeit und der Fragilität der verwendeten Materialien. Sie fungieren so als Bruch, als Trigger der die vermeintliche Aneignung moderner Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts in den gegenwärtigen Diskurs zu überführen vermag.

Die Factory der Kunsthalle Krems setzt mit der Ausstellung TILLMAN KAISER. HERMETISCHE MELANCHOLIE III ihre Programmatik fort, jungen österreichischen und internationalen Künstlern eine experimentelle Plattform für ihre oftmals erste institutionelle Einzelausstellung zu bieten.

In Kollaboration mit dem donaufestival findet am 4. Mai 2013, um 17:30 Uhr, in der Ausstellung TILLMAN KAISER. HERMETISCHE MELANCHOLIE III eine Soundperformance von DeNIMBoYsays... statt.

Kuratorin: Alexandra Hennig








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  • Tillman Kaiser Flying high in the friendly sky, 2011 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Galerie Emanuel Layr, Wien Foto: Peter White /  Wilkinson Gallery, London
    Tillman Kaiser Flying high in the friendly sky, 2011 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Galerie Emanuel Layr, Wien Foto: Peter White / Wilkinson Gallery, London
    Kunsthalle Krems
  • Tillman Kaiser Good people ugly faces, 2012 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Galerie Emanuel Layr, Wien Foto: Peter White / Wilkinson Gallery, London
    Tillman Kaiser Good people ugly faces, 2012 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Galerie Emanuel Layr, Wien Foto: Peter White / Wilkinson Gallery, London
    Kunsthalle Krems
  • Tillman Kaiser Walgehirn, 2009 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Wilkinson Gallery, London Foto: Peter White
    Tillman Kaiser Walgehirn, 2009 © Tillman Kaiser, 2013 Courtesy Wilkinson Gallery, London Foto: Peter White
    Kunsthalle Krems