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TRUDE FLEISCHMANN – DER SELBSTBEWUSSTE BLICK

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Berühmt wurde Fleischmann mit ihren Bewegungsstudien von Tänzerinnen, wobei die Bewegung im Studio für die Kamera simuliert wurde. Einen Höhepunkt ihrer Karriere erreichte sie mit den Fotos der Tänzerin Claire Bauroff, deren eingeölter heller Körper stark kontrastierend vor einem schwarzen Hintergrund in Szene gesetzt wurde. Sie markieren eine Wende in der Aktfotografie. Noch wenige Jahre zuvor wäre eine solche Inszenierung des nackten Körpers undenkbar gewesen. Zudem war die Herstellung von Aktfotos lange Zeit Männern vorbehalten gewesen. Trude Fleischmann gehörte zu jenen Frauen, die diesen Bereich der Fotografie erstmals selbstbewusst besetzten. Aber auch in der Ästhetik eröffnete Fleischmann eine neue Ära: Sie plädierte für die Darstellung einer natürlichen, selbstverständlichen Nacktheit, sie bemühte keinen künstlerischen Vorwand, um den entblößten Körper zu zeigen. Die Fotos wurden ausgiebig in der illustrierten Presse, in Fotobänden und in der Fachliteratur publiziert. Und als Claire Bauroff 1925 im Berliner Varietétheater „Admiralspalast“ auftrat, waren die Bilder in der Vorschauvitrine zu sehen. Fleischmanns freizügige Inszenierungen führten zum Skandal: Die Polizei schritt ein, die Fotos wurden beschlagnahmt, Fotografin und Tänzerin dadurch noch bekannter.

Bergbauern statt Nackttänzerinnen Doch nicht nur diesem berühmtesten Kapitel im Leben der Fotografin Fleischmann begegnet man in der Ausstellung, zu entdecken sie auch jene Aspekte, die wenig mit dem Image einer avantgardistischen Starfotografin zu tun haben. Fleischmanns Porträts waren von Anfang an als Medienbilder konzipiert, sie arbeitete für gängige Illustrierte wie Moderne Welt, Wiener Mode, Wiener Magazin, Wiener Bilder, Die Bühne, Berliner Illustrirte Zeitung, Die Dame etc. Als gegen Ende der 1920er-Jahre die Wirtschaftskrise und in Österreich der konservative Gegenschlag gegen das Urbane und Moderne einsetzte, lieferte Fleischmann konventionellere Reisereportragen. Auch Motive der „Heimatfotografie“, etwa knorrige Bergbauern und erhabene Berglandschaften, fanden den Weg in die Presse. Im Spektrum ihrer Reise- und Landschaftsbilder überwiegen idyllische Ferienszenen, Genredarstellungen, Architekturansichten und Landschaften.

Trude Fleischmanns Wiener Karriere als Fotografin ging im März 1938 zu Ende. Am 3. September 1938 gelang ihr die Flucht aus Österreich, im Gepäck hatte sie nur wenige Negative und Abzüge, ihre Kamera sowie ein Studioalbum. Ihr Archiv hatte sie bis auf 100 bis 200 Negative, die sie einer Nachbarin übergab, zerstört. Der Verbleib dieser Negative gibt bis heute Rätsel auf, von Fleischmanns Geschäftseinrichtung, ihrer Atelier- und Laborausrüstung sowie ihren Kundenlisten fehlt bis heute jede Spur. Auch ihre Musteralben, die sie den Kunden vorlegte, galten als verloren. Eines dieser Alben – es ist vor kurzem wieder aufgetaucht – ist in der Ausstellung zu sehen.

Nach Zwischenstationen in Paris und London traf Fleischmann am 4. April 1939 in New York ein. Mit Hilfe ihrer Freundin Helen Post gelang es ihr, privat und beruflich relativ rasch Fuß zu fassen. 1940 eröffnet sie im Theaterdistrikt Manhattans ein Atelier und fotografierte wieder Künstlerinnen und Künstler sowie Intellektuelle, darunter viele Emigrantinnen und Emigranten. In New York arbeitete Fleischmann immer öfter im Freien, viele Porträts – etwa ihre berühmten Fotos von Albert Einstein oder Arturo Toscanini – nahm sie außerhalb des Ateliers auf. Es entstanden Straßenszenen, Reisebilder, gelegentlich Modeaufnahmen. 1969 gab Fleischmann ihr New Yorker Atelier auf und zog ins schweizerische Lugano. 1988 kehrte sie in die USA zurück, 1990 starb sie in Brewster / New York.

Die Sammlung des Wien Museums Von Fleischmanns Werk sind vor allem Positive erhalten, die teilweise noch vor 1938 in privaten oder öffentlichen Besitz gelangten und später in diverse Sammlungen übergeführt wurden. Viele dieser Bilder – vor allem Tanzaufnahmen, Bewegungsstudien und Akte – wurden schon früh, nämlich 1936, vom Museum angekauft. Andere kamen 1955 als Teil eines Nachlasses in das Wien Museum. Zusammen decken die beiden Sammlungen wichtige Aspekte von Fleischmanns Werk ab. Die Überlieferung dieser Fotografien ist ein Glücksfall, denn sie kompensiert wenigstens zu einem kleinen Teil den Verlust von Fleischmanns eigenem Archiv. Weitere Aufnahmen, die in Ausstellung und Katalog präsentiert werden, stammen aus anderen Archiven, Bibliotheken und privaten wie öffentlichen Sammlungen. Die Ausstellung zeigt die Fotografien Trude Fleischmanns in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext, d. h. ergänzt um Werke zeitgenössischer Fotografinnen. Während Fleischmanns bekannteste Werke mittlerweile Ikonen der Fotogeschichte sind, ist über andere jüdische Fotografinnen der Zwischenkriegszeit bis heute wenig bekannt. Einige von ihnen werden in dieser Ausstellung zum ersten Mal seit ihrer Vertreibung ausgestellt.








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  • Albert Einstein, Physiker, New Jersey 1954 Trude Fleischmann © ÖNB/Wien
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  • Sibylle Binder, Schauspielerin, Wien um 1935 Trude Fleischmann © Albertina, Wien
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  • Karl Kraus, Schriftsteller, Wien 1928 Trude Fleischmann © Wien Museum
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  • Aktstudie, Wien 1925 Trude Fleischmann © Wien Museum
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  • Die Tänzerin Mila Cirul, Wien um 1925 Trude Fleischmann © Wien Museum
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