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Sammlung Klüser

VON TIEPOLO BIS WARHOL

Sammlung Klüser

Unmittelbarkeit und Spontaneität machen die Faszination der Zeichnung aus, der dieses Frühjahr das vordringliche Interesse der Kunsthalle Krems gilt. Wie kein anderes Medium ermöglicht sie es, individuelle Bildfindungen zu erproben und künstlerische Ideen in oft experimentellen Zugängen umzusetzen. Bereits die Künstler der frühen Neuzeit schätzten an der Zeichnung die Möglichkeit, das Denken mit dem Arbeitsprozess kurzzuschließen und so die direkte Überführung von Ideen in Sichtbarkeit zu vollziehen. Noch Joseph Beuys sprach von ihr als „Verlängerung des Gedankens“. Einer auf Papier festgehaltenen „Ideensammlung“ gleich, bieten die rund 260 Arbeiten aus der deutschen Privatsammlung von Bernd und Verena Klüser außergewöhnliche Einblicke in die Zeichenkunst vom 16. bis ins 21. Jahrhundert.

Herausragende Meister der Spätrenaissance und des Barocks von Parmigianino, Il Guercino oder Giovanni Battista Tiepolo, über Anthonis van Dyck und Rembrandt Harmensz van Rijn bilden den Ausgangspunkt der Schau. Die faszinierenden, unterschiedlichsten Schulen zugeschriebenen Blätter des 16. bis 18. Jahrhunderts belegen als Auftakt der Ausstellung die durch die Zeichnung gegebene Vielfalt künstlerischer Möglichkeiten. Gleichzeitig spiegeln sie auch jene Hochschätzung wider, die diesem Medium seit der Renaissance entgegengebracht wird.

„Es war die große Kulturleistung der Renaissance, jener Epoche, aus der die frühesten präsentierten Zeichnungen der Sammlung Klüser datieren, die Zeichnung theoretisch zu analysieren, die Strukturen ikonischer Repräsentation zu hinterfragen und die komplexe Wechselbeziehung zwischen Geist und Hand zu erkunden. Waren Schrift und Bild bis in die Gotik noch Emanationen des Göttlichen, so erhielt die Zeichnung an der Wende zur Neuzeit einen autonomen Status als künstlerische Ausdrucksform.“ Hans-Peter Wipplinger, aus dem Katalog zur Ausstellung

Die Disegno-Theorie verlieh der spontanen Ausführung einer Idee über das Medium der Zeichnung den Rang der eigentlichen künstlerischen Leistung. Als Ort der Innovation wurde sie den nachträglichen Ausführungen in Malerei oder Skulptur übergeordnet. So bezeichnet „il disegno“ seit der Renaissance nicht nur die exakte Umrisslinie und zeichnerische Präzision in der Wiedergabe des Gesehenen, sondern auch die Idee im Sinne der Bilderfindung. Diese doppelte Bedeutung spiegelt sich auch in den präsentierten Arbeiten wider. So besticht Annibale Carraccis Heiliger Sebastian durch prägnant gesetzte, die Figur modellierende Linien, die mit den Idealen der antiken Skulptur ebenso wie der natürlichen Autonomie wetteifern. Taddeo Zuccaro oder Luca Cambiaso hingegen halten ihre Bildideen in einem überraschend spontanen, reduzierten und dynamischen Zeichenduktus fest. Vergleichbares trifft auf die Landschaftszeichnung zu, der – nicht zuletzt um der hohen Bedeutung dieser Gattung seit der Renaissance Rechnung zu tragen – ein eigener Bereich innerhalb der Ausstellung gewidmet ist. Detailliert ausgeführte, der Zentralperspektive verpflichtete Ideallandschaften stehen hier etwa Pier Francesco Molas in expressiven Farblavierungen festgehaltenen Naturstudien gegenüber.

Wie Molas Landschaften oder Zuccaros Satyr überraschen viele Altmeisterzeichnungen gerade in ihrer Unmittelbarkeit, Offenheit und Skizzenhaftigkeit durch eine Modernität, die zahlreichen klassischen Zeichnungen der Sammlung Klüser eigen ist.

„Ob sorgfältig vollendet oder frei zu Papier gebracht, ob mit der Spitze des Pinsels oder der Feder gezeichnet, scheinen zahlreiche Arbeiten deshalb [von Bernd und Verena Klüser] ausgesucht worden zu sein, weil sie in gewisser Hinsicht über ihre Zeit hinausweisen und uns direkt und auf ihre ganz eigene Weise ansprechen.“
Nicholas Turner, aus dem Katalog zur Ausstellung

Aspekte der Kontinuität wie zeitübergreifender Wirkkraft scheinen Bernd und Verena Klüser auf der Suche nach dem Brückenschlag zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst an der Zeichnung stets fasziniert zu haben. So steht der Ausstellungstitel „Zurück in die Zukunft“ nicht nur für die andauernde Aktualität historischer Blätter, sondern sinnbildlich auch für die Genese der Sammlung Klüser: Ursprünglich eine Kollektion zeitgenössischer Kunst mit einer zunehmenden Anzahl von Werken der klassischen Moderne, erweiterte sich die Perspektive der Sammlung seit den 1990er-Jahren auf Zeichnungen von der Renaissance bis zur Romantik.

„Die zunächst gegenwartsorientierte Struktur der Sammlung Klüser gewann in den 1990er-Jahren mit Blättern von der klassischen Moderne bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück eine Weite, die eines verständlich werden lässt: dass die Fragen, mit denen sich die Künstler in ihrer Zeit auseinandersetzen, einander ähneln, weil sie das Grundsätzliche berühren. Die Frage nach den existenziellen Bedingungen des Menschen, seiner grundlegenden Fähigkeit zu Veränderung und das Streben nach Selbständigkeit und Erkenntnis sind Gegenstand der Zeichnungen aller Jahrhunderte.“
Anne Vollenbröker, aus dem Katalog zur Ausstellung

Einer der Bereiche, die den Grundton der ursprünglich rein zeitgenössischen Zeichnungssammlung mittlerweile entscheidend prägen, sind neben den Altmeisterzeichnungen auch Zeichnungen des 19. Jahrhunderts. An der heroischen Landschaftszeichnung Jakob Philipp Hackerts ebenso wie den romantischen Skizzenblättern von Caspar David Friedrich und Carl Blechen – die fragmentarische Bildmotive einer transzendent gedachten Symmetrieordnung unterwerfen –, lässt sich die damalige Sehnsucht nachvollziehen, über die Kunst eine neue Verbindung von Natur und Kultur zu etablieren.






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  • 16.03.2014 - 29.06.2014
    Ausstellung »
    Kunsthalle Krems »

    Öffnungszeiten:
    Di - So und Mo wenn Feiertag 10.00 bis 18.00 Uhr
    TICKETPREISE
    Erwachsene € 10,00
    Ermäßigt € 9,00



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