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Zlín – Modells

Zlín – Modellstadt der Moderne

Zlín – Modells

Der Aufstieg der kleinen, im Osten Tschechiens gelegenen, Stadt Zlín zur Zentrale des größten europäischen Schuhherstellers Bat’a ist ein einmaliges wirtschaftliches und soziales, aber auch architektonisches Phänomen. Zlín ist eine »Modellstadt der Moderne«, denn dort wurden viele architektonische und soziale Ideale verwirklicht, die Politiker, Unternehmer und Architekten nach dem Ersten Weltkrieg als zukunftsweisend propagierten. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts war deshalb die Stadt, die Le Corbusier als »ein leuchtendes Phänomen« bezeichnete, fast eine Art Pilgerstätte für Fortschrittsgläubige aller Couleur.

Tomás Bat'a Memorial, Zlín, 1938 © KGVUZ, BEZIRKSGALERIE FüR BILDENDE KUNST IN ZLíN

Um die Jahrhundertwende zählte der kleine Ort, in dem Tomáš Bat’a mit seinen Geschwistern 1894 eine Schuhfabrik gegründet hatte, 3000 Einwohner und wuchs dann bis 1938 auf 43000 an. Begeistert von den Ideen und Fabrikationsmethoden des erfolgreichsten Autoherstellers der Zeit, Henry Ford, und des Gründers der Betriebswissenschaft, Frederick W. Taylor, bauten die Unternehmer Tomáš und Jan Antonín Bat’a Zlín systematisch wie ein riesiges Labor für gemeinschaftliches Leben und Arbeiten aus und etablierten ein System, bei dem die ganze Stadt und alle ihre Bewohner im Dienste einer einzigen Sache, der Steigerung der Schuhproduktion, standen. Diesem Ziel dienten nicht nur Arbeitsteilung, Fließbänder und Zeitmessung, sondern auch firmeneigene soziale Einrichtungen von Kindergärten über Schulen und Hospital bis zum Warenhaus, Sportverein und Großkino.

Auch die Architektur sollte dazu beitragen, neue und besser arbeitende Menschen zu formen. Die Stadt ist in Zonen gegliedert und geordnet nach Arbeit, Wohnen, Freizeit und Verkehr – eine Funktionstrennung, die den Leitbegriffen des später in der »Charta von Athen« propagierten modernen Städtebaus entsprach. Maßgeblich prägend wirkten die Architekten František L.Gahura und Vladimír Karfík, die nahezu alle öffentlichen Bauten über einem Raster von 6, 15 x 6, 15 Meter errichteten und damit ein einheitliches Maß vorgaben, das buchstäblich der Vereinheitlichung von Arbeit und Leben diente. Ausgehend von Zlín ließ Bat’a Fabriken und Städte in anderen Ländern und Kontinenten nachdem Muster der tschechischen Zentrale als kleinere Ausgaben der Stadt errichten. Die moderne Architektur diente dabei auch dazu, eine firmenspezifische Identität und Modernität zu vermitteln.

Die Ausstellung, die Teile der Prager Schau »Phänomen Bat’a« (Nationalgalerie, Frühjahr 2009)adaptiert, wurde für München neu erarbeitet. Anhand von Modellen, Plänen, Objekten, Fotografien und Filmen, werden die architektonische Entwicklung, die Verflechtung von kulturellem und sozialem Leben in Zlín sowie die weltweite Verbreitung der Ideen Bat’a s vorgestellt und kritisch reflektiert. Ein eigener, nur für München zusammengestellter Bereich, widmet sich ausführlich und umfassend den selbst in Fachkreisen kaum bekannten Planungen Le Corbusiers für Bat’a (Stadterweiterung von Zlín, Typenentwürfe für die französischen Bat’a -Schuhläden, die französische Bat’a –Satellitenstadt Hellocourt und der Bat’a -Pavillon für die Weltausstellung in Paris 1937), die anhand der teils noch nie gezeigten Originalzeichnungen aus der Fondation Le Corbusier präsentiert werden. Der Weltausstellungs-Pavillon – bislang nur durch Pläne bekannt – ist über ein großes Modell in der Ausstellung erstmals auch räumlich erlebbar.

Es erscheinen zwei Publikationen im JOVIS Verlag:

»Zlín – Modellstadt der Moderne«, herausgegeben von Winfried Nerdinger, ist das Begleitbuch zur Ausstellung mit Essays von renommierten Architekturhistorikern.

»A Utopia of Modernity : Zlín«, herausgegeben von Katrin Klingan in Zusammenarbeit mit Kerstin Gust, ist ein Sammelband mit Diskursbeiträgen internationaler Autoren zum Phänomen Zlín mit Blick auf die Gegenwart und zukünftige Entwicklung der Stadt.

»Zlín – Modellstadt der Moderne« ist Teil von »Utopie der Moderne : Zlín«, einem Projekt von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Ausstellung und Katalog entstanden in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Prag und der Bezirksgalerie für bildende Kunst in Zlín.

Ausstellung und Katalog entstanden in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie in Prag und der Bezirksgalerie für bildende Kunst in Zlín.

BEGLEITPROGRAMM
VORTRAG
DO 28.01.10 | 18.00
Ernst von Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne | Barer Str. 40 | 80333
München | 18.00 | Eintritt frei
In Zusammenarbeit mit dem Institut français
Jean-Louis Cohen: Le Corbusier und Bat'a

FILMABEND DO 04.02.10 | 19.00 Filmmuseum München | St. Jakobs Platz 1 | 80331 München | 19 Uhr I Eintritt 5 Euro Zlín - Modellstadt der Moderne Einführung: N.N.

VORTRAG DO 11.02.10 | 18.00 Ernst von Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne | Barer Str. 40 | 80333 München | 18.00 | Eintritt frei Vladimír Šlapeta: Zlín und die osteuropäische Avantgarde


Ausstellung






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© FOTOGRAF: JOSEF SUDEK / MZA-SOKA ZLíN - MäHRISCHES LANDESARCHIV IN BRüNN - STAATLICHES BEZIRKSARCHIV ZLíN
    Mitarbeiter auf dem Fabrikgelände, Zlín, 1936 © FOTOGRAF: JOSEF SUDEK / MZA-SOKA ZLíN - MäHRISCHES LANDESARCHIV IN BRüNN - STAATLICHES BEZIRKSARCHIV ZLíN
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