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Manufaktur des Klangs. 2000 Jahre Orgelbau und Orgelspiel

Mit über 300 Orgeln besitzt Hamburg eine einzigartige und vielfältige Orgellandschaft. Außer in den Kirchen der Stadt befinden sich zahlreiche weitere Instrumente in Schulen, in der Elbphilharmonie, im Sendesaal des NDR, in der Staatsoper, in der Universität und sogar in den Justizvollzugsanstalten. Zum 300. Todestag Arp Schnitgers (1648–1719), einem der weltweit berühmtesten Orgelbauer, hat die Stadt Hamburg 2019 unter dem Motto Hamburg zieht alle Register ein Orgeljahr ausgerufen. Konzerte und Veranstaltungen in der gesamten Stadt sowie eine große Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) machen neugierig auf das imposante Instrument und seine Geschichte. Die Ausstellung Manufaktur des Klangs. 2000 Jahre Orgelbau und Orgelspiel lädt dazu ein, die gestalterischen, baulichen und technischen Finessen des Wunderwerks Orgel kennenzulernen. Im Mittelpunkt der Schau stehen Orgelbau und Orgelmusik, die von der UNESCO 2017 in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurden. Über 30 Exponate, darunter 14 historische Instrumente und Rekonstruktionen laden die Besucher*innen ein, spielerisch in den Kosmos Orgel einzutauchen. Wie funktioniert eine Orgel eigentlich? Was passiert, wenn man eine Taste drückt? Wo kommt der Orgelwind her? Was sind Register? Wie klingen verschiedene Orgelpfeifen? Diese und viele andere Fragen beantwortet die Ausstellung anhand von Modellen, interaktiven Displays, medialen Präsentationen und Filmen, die die geheimnisvolle Technik des Instruments sichtbar machen. An einem eigens für die Ausstellung gebauten Modell können die Gäste das Zusammenspiel von Balg, Windlade und Pfeife selbst versuchen und Klänge erzeugen. Ein Orgelsimulator bietet die Gelegenheit, selbst Tasten und Pedale zu bedienen und das sogenannte „Registrieren“ auszuprobieren. Inspiriert von Fotografien spektakulärer Orgelbauten können sogar Besucher*innen ihre ganz eigene Orgel mit Hilfe einer VR-Brille entwerfen.

Gladiatorenkämpfe und Hofzeremoniell
Für den Friseursalon seines Vaters im antiken Alexandria erfand der Grieche Ktesibios vor über 2000 Jahren einen auf- und abfahrbaren Spiegel. Technischer Clou: die Druckpumpe. Diese geniale Erfindung ist die Voraussetzung für den Bau eines Instruments namens organon hydraulikon, das Töne hervorbringt. Wie dieses hydraulische Pumpwerk funktionierte, zeigt in der Ausstellung der Nachbau einer antiken Wasserorgel („Hydraulis“) aus dem 3. Jahrhundert. Die Orgeln jener Zeit waren mit einer Höhe von bis zu zwei Metern noch vergleichsweise klein und transportierbar. Historische Quellen und archäologische Funde zu Orgeln aus dem Altertum belegen die große Popularität des Instruments. Während im antiken Griechenland vor allem musikalische Orgelwettbewerbe stattfanden, diente die Orgel in der römischen Antike eher zur musikalischen Umrahmung von Sportveranstaltungen – wie den berühmten Gladiatorenkämpfen – und erklang in den Villen wohlhabender Römer*innen bei gesellschaftlichen Empfängen und Gastmahlen. Nach dem Untergang des römischen Reiches im 5. Jahrhundert blieb das Wissen über den Orgelbau im Byzantinischen Kaiserreich erhalten. Dort begleiteten Instrumente wie die Doppelorgel, deren Nachbau in der Ausstellung zu sehen ist, öffentliche Veranstaltungen wie Pferderennen und wurden beim Hofzeremoniell gespielt.

Einzug in die Kathedralen
Erst im Mittelalter hielten Orgeln durch geistliche Gelehrte Einzug in christliche Kathedralen, wo man sie zur musikalischen Ausgestaltung des liturgischen Programms einsetzte. Bei den immer noch relativ kleinen, beweglichen Orgeln dieser Zeit handelte es sich um transportfähige Standinstrumente, sogenannte ‚Positive‘ oder noch kleinere ‚Portative‘, die beim Spielen auf den Knien gehalten oder mit einem Band über die Schulter gehängt wurden. Wie so ein Portativ ausgesehen haben könnte, zeigt die Ausstellung anhand des Nachbaus eines „Portativ Organetto“ nach der Konstruktionsvorlage des Universalgelehrten Arnault von Zwolle (um 1400–1460). Der niederländische Orgelbauer Winold van der Putten orientierte sich bei der Rekonstruktion auch an Darstellungen auf Gemälden flämischer Meister wie Jan Van Eyck (1390–1441) oder Hans Memling (1433–1494). Die Pfeifen mittelalterlicher Orgeln hatten in der Regel denselben Durchmesser. Mit welchen Gegenständen diese damals mitunter vermessen wurden, macht eine weitere rekonstruierte Orgel mit sogenannter Taubenei-Mensur in der Ausstellung deutlich.






  • 05.07.2019 - 08.11.2019
    Ausstellung »

    ÖFFNUNGSZEITEN
    Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
    Donnerstag: 10-21 Uhr
    Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
    Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.



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  • Abb.: Hans Sebald Beham (1500–1550), Die Musik aus der Folge der sieben freien Künste, Kupferstich, Frankfurt am Main, zwischen 1530 und 1550, MKG
    Abb.: Hans Sebald Beham (1500–1550), Die Musik aus der Folge der sieben freien Künste, Kupferstich, Frankfurt am Main, zwischen 1530 und 1550, MKG
    Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg