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Museum Leipzig

BARBARA KLEMM KÜNSTLERPORTRÄTS

Museum Leipzig

Barbara Klemm, 1939 in Münster geboren, wuchs in Karlsruhe auf und lernte dort in einem Atelier für Porträtfotografie das fotografische Handwerk. Von 1959 an war sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung tätig, seit 1970 als Redaktionsfotografin mit dem Schwerpunkt Feuilleton und Politik. Als Bildjournalistin ist sie eine Ausnahmeerscheinung. In der ihr eigentümlichen Unaufgeregtheit gelingt es ihr, sich unauffällig dem Geschehen zu nähern. Ohne Stativ und ohne lange Belichtungs- zeiten kann sie spontan reagieren. Meist mit zwei Kameras und zwei verschiedenen Objektiven ausgestattet, ist sie schnell handlungsfähig. Es ist ihr Spürsinn, im Blickkontakt das Motiv zu fokussieren und letztlich zu fixieren. Ihre Entscheidung, bei der Schwarz-Weiß-Fotografie zu bleiben, ermöglicht ihr einen distanzierten Umgang mit den farbigen Spektakeln der inszenierten Wirklichkeit. Barbara Klemms Fotografien erschienen über mehr als drei Jahrzehnte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – und viele von ihnen haben Eingang in die Bücher zur Zeitgeschichte gefunden: Das Treffen von Leonid Breschnew und Willy Brandt in Bonn 1973. Brandt souverän im Zentrum des Bildes, Breschnew ihm im Dialog zugewandt, eine Gruppe von Beratern und Übersetzern, geschäftig vibrierend, gruppiert wie ein auratisierender Kreis um die beiden Politiker. Oder: Helmut Kohl spricht 1989 vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche zu einer Menschenversammlung. Ein Bild, das von der Illumination, Kohl gleichsam als Lichtgestalt, und der Staffelung der Fahnen hin zum Rednerpult den Vergleich zum „Schwur im Ballhaussaal“ von Jacques Louis David nicht zu scheuen braucht.

Barbara Klemm bereiste seit den frühen 1970er Jahren Ostdeutschland und die Länder Osteuropas. Vielleicht hat sie es deshalb auch verstanden, den Umbruch der Systeme, den Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands mit eindrucksvollen Bildern so zu dokumentieren, dass sich der Wandel vieler individueller Lebensläufe erahnen lässt. Und mit dieser Fähigkeit zur Empathie ausgestattet, hat Barbara Klemm in den letzten 50 Jahren die Welt erkundet. Ihre Fotografien zeichnen sich durch unmittelbare Nähe aus, ohne je der Gefahr des Voyeurismus zu erliegen. Es sind Bilder von nachempfundenen Geschichten, die mehr beeindrucken als verkündete Geschichte. Barbara Klemm, deren Werk in den Sammlungen vieler Kunstmuseen präsent ist, erhielt 2010 den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main und wurde 2011 mit dem Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste ausgezeichnet. In Leipzig zeigt sie – parallel zur Ausstellung „Max Beckmann. Von Angesicht zu Angesicht“ – 76 Künstlerporträts aus vier Jahrzehnten: Bildende Künstler, Schriftsteller, Musiker, Dirigenten und Philosophen. Barbara Klemm ist schon früh eine den Künstlern Vertraute – ihr Vater Fritz Klemm lehrte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Barbara Klemms Künstlerporträts entbehren jeder Pose, zeugen vom Blickkontakt zur Fotografin und sind meist auf Augenhöhe entstanden.

Die Ausstellung wird im Anschluss (24. Februar bis 29. April 2012) in der Kestnergesellschaft Hannover gezeigt.


MAX-BECKMANN-PREISTRÄGERINNEN
1978 Richard Oelze | 1981 Arnulf Rainer | 1984 Willem de Kooning | 1987 Erwin Heerich | 1987 Walter Pichler | 1990 Bruce Naumann | 1993 Ilya Kabakov | 1996 Jacques Herzog | 1996 Pierre de Meuron | 2000 Harald Szeemann | 2004 Maria Lassnig | 2007 Richard Hamilton | 2010 Barbara Klemm

BARBARA KLEMM 1939 geboren in Münster | 1955 - 1958 Ausbildung zur Fotografin in einem Porträt- atelier in Karlsruhe | 1959 Beginn der Tätigkeit bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, zunächst Klischeeherstellung und Arbeit im Fotolabor, daneben freie journalistische Fotografie | 1970 - 2004 Redaktionsfotografin mit den Schwerpunkten Feuilleton und Politik bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung | seit 1992 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin-Brandenburg, Sektion Film- und Medienkunst | 1998 Maria-Sibylla-Merian-Preis für bildende Künstlerinnen in Hessen | 2000 Honorarprofessorin im Fach Fotografie, Fachbereich Gestaltung, an der Fachhochschule Darmstadt; Hessischer Kulturpreis | 2010 Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main | 2011 Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Zahlreiche Publikationen, Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Barbara Klemm lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

PUBLIKATION
Der großformatige Bildband „Barbara Klemm. Künstlerporträts“ mit einem Essay von Wilfried Wiegand und einer Einleitung von Ingo Schulze ist im Nicolai Verlag Berlin erschienen. Er enthält 190 Abbildungen im Duotone und ist für € 24,90 an der Museumskasse und im Buchhandel erhältlich.


EINTRITT/ÖFFNUNGSZEITEN
5 €, ermäßigt 4 €, am zweiten Mittwoch im Monat freier Eintritt, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre frei. Dienstag und Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr | Mittwoch 12-20 Uhr Feiertage 10-18 Uhr (auch 3. Oktober, 16. November und 25./26. Dezember 2011) 24. und 31. Dezember 2011 geschlossen


KONTAKT & INFORMATIONEN
Museum der bildenden Künste Leipzig | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Tel.: 0341.21 69 99 42 | mdbk@leipzig.de www.mdbk.de | www.facebook.com/mdbk.leipzig






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  • Andy Warhol Frankfurt/Main 1981 © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
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    Museum der bildenden Künste Leipzig
  • Stephan Balkenhol Berlin 2011, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
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    Museum der bildenden Künste Leipzig
  • Emil Schumacher Hagen 1984, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
    Emil Schumacher Hagen 1984, © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
    Museum der bildenden Künste Leipzig
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