Lovis Corinth

Lovis Corinth (1858–1925) – Druckgraphik

25.09.2010 - 06.02.2011
Lovis Corinth

Im Jahr 2009 erhielt das Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel durch ein Ver- mächtnis von Frau Hildegard Kirchbach-Schmidt (7. Februar 1907–9. Juli 1995) ein Kon- volut von über 200 druckgraphischen Arbeiten Lovis Corinths, die nun in einer Ausstellung des Kupferstichkabinetts in einer Auswahl präsentiert werden. Sie stammen aus der Sammlung des in Dresden ansässigen Industriellen Kurt Kirchbach (1891–1967). Er hatte in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier von zeitgenössischen Künstlern, insbesondere des Expressio- nismus, sowie bedeutende avantgardistische Photographien zusammen zutragen.

 Kunstmuseum Basel, Martin P. Bühler

Franz Heinrich Louis Corinth, der sich später Lovis Corinth nannte, kam am 21. Juli 1858 in Tapiau im nördlichen Ostpreussen zur Welt. Er liess sich an den Akademien in Kö- nigsberg, München und in Paris zum Maler ausbilden. Er kehrte 1887 nach Königsberg zurück, ging 1891 erneut nach München und liess sich 1901 in Berlin nieder. Auf einer Reise nach Amsterdam starb er am 17. Juli 1925 in Zandvoort.

Corinth hat nahezu tausend Gemälde geschaffen, er hat aquarelliert und gezeichnet und ein grosses, etwa tausend Blätter umfassendes druckgraphisches Werk hinterlassen. Man kann ihn als sehr erfolgreichen Künstler bezeichnen, der über seinen Werdegang und sein Schaffen in verschiedenen Schriften reflektiert und ein Lehrbuch über die Malerei verfasst hat. Auch zu Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs nach dem Ersten Weltkrieg konnte er sich auf dem Kunstmarkt behaupten. Seine Werke gelangten bald schon in öf- fentliche Sammlungen, so zum Beispiel in die Kunsthalle Bremen, die Hamburger Kunst- halle und die National-Galerie zu Berlin. Durch die Teilnahme an Ausstellungen der Berli- ner Secession mit wichtigen Repräsentanten der Avantgarde, an Ausstellungsprojekten in London, Paris und Venedig sowie an der Weltausstellung in Gent fand er internationale Beachtung.

Das literarische Figurenbild mit Geschichten aus der griechischen und römischen Mytho- logie und der biblischen Historie, insbesondere die Passion Christi, nimmt in seinem Schaffen neben anderen Gattungen wie dem Porträt, der Alltagsszene oder dem Stilleben einen prominenten Platz ein. Häufig wird er zusammen mit Max Liebermann und Max Slevogt genannt und wie diese als Vertreter des deutschen Impressionismus bezeichnet. Er wird aber auch als Vorläufer des Expressionismus angesehen, was ebenso mit seiner impulsiven und leidenschaftlich vorgetragenen Malerei und Zeichnung zu tun hat, wie mit Übersteigerungen der Formen, mit denen er seelischen Befindlichkeiten und Emotionen Ausdruck verlieh.

Corinths Akteure in den aus der antiken Mythologie oder der Bibel stammenden Themen erscheinen immer wieder so, als ob sie aus der nächsten Umgebung des Künstlers stammten oder gerade jetzt wie Schauspieler die Rolle dieser Helden übernommen hätten. Oftmals treten die Handelnden unvermittelt und wie aus dem Nichts auf, werden von den Bildrändern überschnitten oder sprengen diese. Darüber hinaus werden Verhal- ten und Schicksale der «Erzählhelden» mit Ironie und Bildwitz vorgetragen. Provokant sind Corinths Aktdarstellungen, die keineswegs einem Schönheitsideal entsprechen, so- wie seine erotischen Themen. Corinth sah, wie auch seine akademischen Lehrer, Werke älterer Meister als vorbildlich an. Neben der Malweise waren die Kompositionen und die ikonographischen Traditionen, hinter der lange menschliche Erfahrungen stehen, für ihn von besonderem Interesse. Auf diesen Grundlagen konnte er seine mythologischen The- men erzählerisch ausformulieren und individuell interpretieren, was entsprechend auch für die Gattung des Porträts zutrifft. Vorausgegangen war, dass das traditionelle Historienbild, das in den Akademien lange an oberster Stelle der Bildgattungen gestanden hatte, spä- testens mit den Revolutionen in Frankreich und Deutschland und den Ideen einer realisti- schen beziehungsweise naturalistischen Kunst in Frage gestellt und relativiert worden war.

Die Techniken der Radierung und Kaltnadelradierung, der Weichgrundätzung (Vernis mou) sowie der Schwarzweiss- und Farblithographie standen für Corinth im Vordergrund. Er bevorzugte aber tatsächlich die der Zeichnung am nächsten stehende Technik der Radierung. Corinth hat sowohl Einzelblätter angefertigt als auch seine Druckgraphik in Form von Mappenwerken und Folgen verbreitet. Zahlreiche Drucke illustrieren Vorlagen, andere stehen in Zusammenhang mit seinen Gemälden. Häufig wirkt seine Druckgraphik vorwiegend skizzenhaft oder lässt den spontanen Einfall, auch das Studium nach der Natur und das Unvollendete in den Vordergrund treten.

Zur Ausstellung erscheint eine bebilderte Broschüre mit einem Text in deutscher Sprache.

Christian Müller

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Veranstalter: 
Kunstmuseum Basel

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