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Rare Atlanten,

Rare Atlanten, exotische Tempel

Rare Atlanten,

Die 79. Kunst & Antiquitäten München, die älteste und mit etwa 60, vorwiegend aus dem Bayerischen stammenden Ausstellern die größte regionale Antiquitätenmesse Süddeutschlands, hält an ihrem Konzept fest - eine besondere Mischung aus hochwertiger Kunst, Kuriosa und Sammlerstücken, was sie zwei Mal im Jahr zu einem Magneten für Sammler macht. In welcher Spannweite sich das aktuelle Angebot bewegt, zeigen allein zwei Objekte: Während der Kunsthandel Dr. Birbaumer & Eberhard eine englische Mittagskanone aus dem 19. Jh., ein optisch-mechanisches „Spielzeug" für Erwachsene, anbietet, offeriert das Kunstkabinett Strehler mit dem von Johann Bussemacher 1596 verlegten Atlas „Europae totius orbis terrarum" eine graphische Rarität.

 Anton von Stadler  (1850 – 1917), Weite Landschaft, Öl auf Malkarton, signiert und 1906

Breit gefächert ist das Möbel-Angebot. Glanzstück bei Axel Schlapka ist ein Paar österreichischer Bibliotheksschränke von 1825, eine Attraktion am Stand von Brigitte Martini dürfte hingegen ein farbig gefasster Venezianischer Gondelsessel aus dem 18. Jh. sein. Für die Eleganz französischer Möbel stehen ein klassizistischer ovaler Mahagoni-Ausziehtisch bei Kunsthandel Schmidt-Felderhoff und ein außergewöhnlicher Architektentisch, um 1800, beim Münchner Interieur-Spezialisten Eric Meletta, dessen Spieltisch mit Messingbanddekorationen wohl aus einer St. Petersburger Werkstatt stammt.

 Galerie Peter Wall

Mit Design und Kunsthandwerk nach Entwürfen von Behrens, Riemerschmid oder Bruno Paul hat sich die Münchner Galerie „Brigantine 1900" einen Ruf als Adresse für klassische Moderne erworben. Ein Höhepunkt ihrer Herbstpräsentation sind Schreibtisch und dazugehöriger Sessel von 1901/01 des Innenarchitekten Patriz Huber. Huber galt auf der Mathildenhöhe in Darmstadt als großes Talent und wurde von dem Verleger der Zeitschrift „Innendekoration", Alexander Koch, mit privaten Aufträgen bedacht. Aufgrund seines Freitodes mit nur 22 Jahren im Jahre 1902 sind heute nur wenige Arbeiten dieses reformerischen Entwerfers auf dem Markt.

Die großbürgerlicher Lebensart des Art Deco reflektiert bei Louis Fernando Arens aus München u.a. ein französischer Ausziehtisch aus Palisanderholz aus den 1930er Jahren sowie ein weiß gefasster Satz von sechs Stühlen mit kannellierten Beinen aus der Zeit um 1925.

Kunsthandwerk des frühen 20. Jh. gehört das Interesse der Galerie Peter Wall. Arbeiten der Kammerburger Werkstätten bei Düsseldorf sind bei ihm ebenso vertreten wie die der österreichischen Firma Hagenau. Die expressiven Tendenzen in der Keramik um 1930 verdeutlicht bei ihm die Kleinplastik einer Skifahrerin des Powolny-Schülers und -Mitarbeiters Stephan Edös, der nach Wien bis 1956 in Tittmoning bei Burghausen wirkte.

Sogenannte Mittagkanone mit verstellbaren Brennglas, das durch den fokussierten Lichtstrahl die Kanone zündet, England, 19. Jh., 30 x 45 cm.

Den Ruf Augsburgs als Silberhochburg belegen bei Gerrit Boettcher ein Paar um 1710 entstandene vergoldete Silberbecher des Meisters Georg Philipp Steuernagel und ein Paar klassizistische Tischleuchter mit Glasschaft vom Meister Johann Philipp Heckenhauer. Doch auch München hatte seine Silberschmiede. Ein Besteck für 12 Personen und eine Kaffeekanne - beide um 1815 von Bartholomäus Maierhofer gefertigt, von dessen Arbeiten das Münchner Stadtmuseum eine beachtliche Sammlung besitzt - bietet Silberhändler Wilfried Baaten. Arbeiten aus Eisenkunstguss verschiedener Firmen - vom Kerzenleuchter über Briefbeschwerer bis zum Tabakskasten - gehören in bewährter Weise zum Angebot von Griseldis Oppenländer, während der Kunst- und Wunderkammerspezialist Peter Wachholz mit einem Kunststück aus dem 17. Jahrhundert aufwartet: ein aus Birnbaum gedrehter Nürnberger Deckelpokal mit etwa 40 Einsätzen. Seinem Ruf als Top-Adresse für Bodenstanduhren wird Uhrenfachmann Karl-Heinz Grundner mit einer konischen Standuhr aus Kassel von 1780 mit Stundenschlag und Repetition gerecht.

Himmelsglobus von Johann Elert Bode, 1804 in Nürnberg von J. G. Franz verlegt.

Seit Jahren steigt das Interesse an wissenschaftlichen Instrumenten und naturwissenschaftli- chen Objekten.

Im deutschsprachigen Raum führend auf dem Gebiet historischer Mikroskope, Sonnenuhren und biologischer Modelle ist Simon Weber-Ungers „Wissenschaftliches Kabinett", das sich erstmals auf dem Nockherberg vorstellt. Hervorhebenswert bei ihm - ein "Himmelsglobus" von Johann Elert Bode, den 1804 in Nürnberg J. G. Franz verlegte. Zu den Erstausstellern der 79. Kunst & Antiquitäten München zählt auch die „Landshuter Rüstkammer" mit historischen Waffen, Rüstungen und militärhistorischen Objekten. Zum Kostbarsten zählt hier eine süddeutsche Jagdarmbrust aus der Zeit um 1580 mit sehr feinen, ornamentalen Beineinlagen sowie eine Auswahl an Hellebarden aus der Zeit um 1600.


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  • Sogenannte Mittagkanone mit verstellbaren Brennglas, das durch den fokussierten Lichtstrahl die Kanone zündet, England, 19. Jh., 30 x 45 cm.                                                                                                                                                   Foto: Birbaumer & Eberhard
    Sogenannte Mittagkanone mit verstellbaren Brennglas, das durch den fokussierten Lichtstrahl die Kanone zündet, England, 19. Jh., 30 x 45 cm. Foto: Birbaumer & Eberhard
    Münchner Antiquitätenmarkt e.V.
  • Keramikfigur  Skifahrerin, Stefan Erdös, um 1930, H: 33 cm.  Foto: Galerie Peter Wall
    Keramikfigur Skifahrerin, Stefan Erdös, um 1930, H: 33 cm. Foto: Galerie Peter Wall
    Münchner Antiquitätenmarkt e.V.
  • Rare Atlanten, exotische Tempel
    Münchner Antiquitätenmarkt e.V.
  • Himmelsglobus von Johann Elert Bode, 1804 in Nürnberg von J. G. Franz verlegt. D: 31 cm.                                                                        Foto: Wissenschaftliches Kabinett Weber-Unger
    Himmelsglobus von Johann Elert Bode, 1804 in Nürnberg von J. G. Franz verlegt. D: 31 cm. Foto: Wissenschaftliches Kabinett Weber-Unger
    Münchner Antiquitätenmarkt e.V.
  • Moses Pachmann: Elfenbeinschnitzerei, Szene aus dem Alten Testament Moses erscheint der Engel, Sizilien, 18. Jahrhundert. Foto: Antiquitäten Pachmann
    Moses Pachmann: Elfenbeinschnitzerei, Szene aus dem Alten Testament Moses erscheint der Engel, Sizilien, 18. Jahrhundert. Foto: Antiquitäten Pachmann
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