Rare Atlanten, exotische Tempel
Die 79. Kunst & Antiquitäten München, die älteste und mit etwa 60, vorwiegend aus dem Bayerischen stammenden Ausstellern die größte regionale Antiquitätenmesse Süddeutschlands, hält an ihrem Konzept fest - eine besondere Mischung aus hochwertiger Kunst, Kuriosa und Sammlerstücken, was sie zwei Mal im Jahr zu einem Magneten für Sammler macht. In welcher Spannweite sich das aktuelle Angebot bewegt, zeigen allein zwei Objekte: Während der Kunsthandel Dr. Birbaumer & Eberhard eine englische Mittagskanone aus dem 19. Jh., ein optisch-mechanisches „Spielzeug" für Erwachsene, anbietet, offeriert das Kunstkabinett Strehler mit dem von Johann Bussemacher 1596 verlegten Atlas „Europae totius orbis terrarum" eine graphische Rarität.
Breit gefächert ist das Möbel-Angebot. Glanzstück bei Axel Schlapka ist ein Paar österreichischer Bibliotheksschränke von 1825, eine Attraktion am Stand von Brigitte Martini dürfte hingegen ein farbig gefasster Venezianischer Gondelsessel aus dem 18. Jh. sein. Für die Eleganz französischer Möbel stehen ein klassizistischer ovaler Mahagoni-Ausziehtisch bei Kunsthandel Schmidt-Felderhoff und ein außergewöhnlicher Architektentisch, um 1800, beim Münchner Interieur-Spezialisten Eric Meletta, dessen Spieltisch mit Messingbanddekorationen wohl aus einer St. Petersburger Werkstatt stammt.
Mit Design und Kunsthandwerk nach Entwürfen von Behrens, Riemerschmid oder Bruno Paul hat sich die Münchner Galerie „Brigantine 1900" einen Ruf als Adresse für klassische Moderne erworben. Ein Höhepunkt ihrer Herbstpräsentation sind Schreibtisch und dazugehöriger Sessel von 1901/01 des Innenarchitekten Patriz Huber. Huber galt auf der Mathildenhöhe in Darmstadt als großes Talent und wurde von dem Verleger der Zeitschrift „Innendekoration", Alexander Koch, mit privaten Aufträgen bedacht. Aufgrund seines Freitodes mit nur 22 Jahren im Jahre 1902 sind heute nur wenige Arbeiten dieses reformerischen Entwerfers auf dem Markt.
Die großbürgerlicher Lebensart des Art Deco reflektiert bei Louis Fernando Arens aus München u.a. ein französischer Ausziehtisch aus Palisanderholz aus den 1930er Jahren sowie ein weiß gefasster Satz von sechs Stühlen mit kannellierten Beinen aus der Zeit um 1925.
Kunsthandwerk des frühen 20. Jh. gehört das Interesse der Galerie Peter Wall. Arbeiten der Kammerburger Werkstätten bei Düsseldorf sind bei ihm ebenso vertreten wie die der österreichischen Firma Hagenau. Die expressiven Tendenzen in der Keramik um 1930 verdeutlicht bei ihm die Kleinplastik einer Skifahrerin des Powolny-Schülers und -Mitarbeiters Stephan Edös, der nach Wien bis 1956 in Tittmoning bei Burghausen wirkte.
Den Ruf Augsburgs als Silberhochburg belegen bei Gerrit Boettcher ein Paar um 1710 entstandene vergoldete Silberbecher des Meisters Georg Philipp Steuernagel und ein Paar klassizistische Tischleuchter mit Glasschaft vom Meister Johann Philipp Heckenhauer. Doch auch München hatte seine Silberschmiede. Ein Besteck für 12 Personen und eine Kaffeekanne - beide um 1815 von Bartholomäus Maierhofer gefertigt, von dessen Arbeiten das Münchner Stadtmuseum eine beachtliche Sammlung besitzt - bietet Silberhändler Wilfried Baaten. Arbeiten aus Eisenkunstguss verschiedener Firmen - vom Kerzenleuchter über Briefbeschwerer bis zum Tabakskasten - gehören in bewährter Weise zum Angebot von Griseldis Oppenländer, während der Kunst- und Wunderkammerspezialist Peter Wachholz mit einem Kunststück aus dem 17. Jahrhundert aufwartet: ein aus Birnbaum gedrehter Nürnberger Deckelpokal mit etwa 40 Einsätzen. Seinem Ruf als Top-Adresse für Bodenstanduhren wird Uhrenfachmann Karl-Heinz Grundner mit einer konischen Standuhr aus Kassel von 1780 mit Stundenschlag und Repetition gerecht.

Seit Jahren steigt das Interesse an wissenschaftlichen Instrumenten und naturwissenschaftli- chen Objekten.
Im deutschsprachigen Raum führend auf dem Gebiet historischer Mikroskope, Sonnenuhren und biologischer Modelle ist Simon Weber-Ungers „Wissenschaftliches Kabinett", das sich erstmals auf dem Nockherberg vorstellt. Hervorhebenswert bei ihm - ein "Himmelsglobus" von Johann Elert Bode, den 1804 in Nürnberg J. G. Franz verlegte. Zu den Erstausstellern der 79. Kunst & Antiquitäten München zählt auch die „Landshuter Rüstkammer" mit historischen Waffen, Rüstungen und militärhistorischen Objekten. Zum Kostbarsten zählt hier eine süddeutsche Jagdarmbrust aus der Zeit um 1580 mit sehr feinen, ornamentalen Beineinlagen sowie eine Auswahl an Hellebarden aus der Zeit um 1600.
Was die Kunst & Antiquitäten München seit Jahren aus dem Reigen anderer Regionalmessen heraushebt, ist der Ausstellungs-Schwerpunkt Volkskunst aus dem alpenländischen und bayerischen Raum. Mit einem Augsburger Hinterglasbild aus der 2. H. des 18. Jh., das den Battenberger Hirsch nach einer Vorlage von Johann Elias Ridinger darstellt, mit einem Tölzer Truhenschrank aus dem 17. Jahrhundert und einem spätbarocken Tiroler Hausaltar mit geschnitzter Figurenstaffage bringt Hans-Jörg Sievert ebenso wie Roderich Pachmann mit einer gar nicht naiven, sondern meisterlich komponierten, eine Tempelszene darstellenden Klosterarbeit aus Süddeutschland sowie einer 1739 datierten Vierkantflasche mit eingeschmolzenen Emailfarben aus dem Raum Franken/Thüringen beste Qualität auf den Nockherberg.

Einen Hauch von Exotik verströmen vier Asiatika-Händler. Während Karl-Heinz Schlotter sich auf Tibetika konzentriert und Monica-Maria Heigl sowie die Galerie Lörcher mit japanischen Farbholzschnitten vertreten sind, bietet die Galerie Sandvoss ein breites Spektrum ostasiatischer Kunst - von einer signierten Tsuba, einer japanischen Schwertscheide mit goldtauschiertem Regendrachen aus dem 18. Jh. bis zur 250 Jahre alten, chinesischen Jade-Kumme. Für Furore dürfte eine im 19. Jh. entstandene, zeltgroße Nachbildung eines japanischen Tempels aus der Edo-Zeit, dem 17. Jahrhundert, sorgen.
Auch nach fast 300 Jahren haben die Blumen- bzw. Metamorphosenblätter der Maria Sibylla Merian nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Lediglich drei Motive aus ihrem Surinambuch „Metamorphosis insectorum Surinamensium" hat die Künstlerin und Forschungsreisende selbst gestochen. Eines davon, die Tafel 11, hat das Kunstkabinett Strehler, das neben floralen Motiven auch Zeichnungen von August Macke aus der Sammlung der Schwiegertochter des Künstlers, Gisela Macke, offeriert, im Portfolio. Alte Grafik sowie dekorative Landshaftdarstellungen um 1800 präsentiert der Kunstantiquar Peter Ohme. Er bietet u.a. einen aus der Zeit stammenden, um 1514 entstandenen Kupferstich „Maria mit dem Kind vor der Mauer" von Albrecht Dürer sowie eine farbfrische Gouache des Bleuler-Schülers Emanuel Labhardt mit der Ansicht von „Hallein an der Salzach" aus der ersten Hälfte des 19. Jh. an.
München besaß um 1900 eine reiche, progressive Künstlerszene. Spiegel dessen ist das Angebot der Galerie Weiss mit Werken von Ludwig Dill bis Carl von Marr . Für Münchens Aufbruch in die Moderne stehen zwei Gemälde dieser Galerie: Eine überhöhte Sommer-Landschaft mit weitem Horizont aus dem Jahr 1906 des zu den Gründungsmitgliedern der Münchner Secession zählenden Anton von Stadler und eine impressionistisch anmutende, in seiner Malweise an Leo Putz erinnernde „Landschaftsszene mit Paar" von 1911 des Münchner Malers Adolf Hengeler. Zu den Secessionisten, aber vor allem zum Kreis der Künstlergruppe Scholle gehörte der Maler Fritz Erler, von dem die Galerie „Brigantine 1900" ein großformatiges Gemälde „Diana mit Hund" aus dem Jahre 1902 präsentiert. Zum Angebot der Galerie zählen auch drei Arbeiten von Franz von Stuck: Das Gemälde „Der Frühling", um 1902, sowie die Bronze-Skulpturen „Amazone" und „Athlet". Hervorhebenswert bei den Altmeister-Gemälden sind „Schenke mit Zechenden" aus der Mitte des 17. Jh. des flämischen Genre-Malers Erasm de Bie bei Kunsthandel Schmidt-Felderhoff sowie das aus der selben Zeit stammende Gemälde „Flucht nach Ägypten" von 1650 des Flamen Wilhelm von Herp bei Brigitte Martini.
Von musealem Interesse ist ein Bozetto zur großen Schwanthaler-Büste in der Ruhmeshalle an der Bavaria, die der Bruder des berühmten Münchner Bildhauers Ludwig von Schwanthaler, Xaver Schwanthaler, wohl 1848 in Lindenholz gefertigt hat und die nun bei Peter Fink aus München angeboten wird.
Der Kunst & Antiquitäten München angeschlossen ist wiederum eine Restauratoren-Schau mit zehn verschiedenen Gewerken im historischen Salettl des Paulaners.
79. Kunst & Antiquitäten München, 25.10. bis 2.11. 2008, im Festsaal des Paulaner am Nockherberg, Hochstr. , tägl. von 11 - 19 Uhr, Mi. bis 21 Uhr geöffnet, Eintritt 6 €, erm. 4 €, http://www.kunst-antiquitaeten.de, Info-Tel.: 08628/98 74 07 Messetel.: 089-48 21 88 60 (ab 24.10.08)
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20.10.2012 - 28.10.2012
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21.04.2012 - 29.04.2012
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21.04.2012 - 29.04.2012
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22.10.2011 - 30.10.2011
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14.05.2011 - 22.05.2011
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23.10.2010 - 01.11.2010
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23.10.2010 - 01.11.2010
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10.04.2010 - 28.04.2010
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10.04.2010 - 18.04.2010
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17.10.2009 - 25.10.2009
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17.10.2009 - 25.10.2009
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25.04.2009 - 03.05.2009
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25.04.2009 - 03.05.2009
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25.04.2009 - 03.05.2009
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25.10.2008 - 02.11.2008
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25.10.2008 - 02.11.2008
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12.04.2008 - 20.04.2008
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