Wien: Martina Pippal - Malerei |

Wien
Martina Pippal „intensiv“

Rose No 4: Martina Pippal: „Rosen No 4”, Öl auf Leinwand, signiert, 2011, 160 x 90 cm
25.05.2012 - 15.06.2012
Wien

Intensive Malerei Der Titel der Ausstellung ist Programm: Die neuen Bilder von Martina Pippal, in Öl auf Leinwand ausgeführt, sind großformatig, stark farbig und bezeugen eine eingehende Auseinandersetzung mit der Natur.

Blumenmalerei – ein Frauenthema? Blumen – ja im konkreten Fall: Rosen – darzustellen, erscheint für eine Künstlerin von Heute gewagt, waren die Künstlerinnen bis ins 20. Jahrhundert doch geradezu verurteilt, Pflanzen zu malen, da ihnen der Weg zum Historienbild, das gemeinhin als die Arkandisziplin der Malerei galt, doch versperrt (weil Frauen nicht an den Kunstakademien studieren und sich damit weder im Aktstudium noch in der Wiedergabe des Raumes ausbilden lassen konnten). Heute sind diese Hindernisse aus dem Weg geräumt. Damit ist die Pflanze als Thema wieder aus freien Stücken wählbar. Auch und gerade für eine Frau.

Grüne Malerei in Rot
Die Natur ist heute bedroht wie noch nie, bedroht durch den Menschen, d. h.: seine Zivilisation. Sich der Natur, etwa dem Überlebenskampf der Pflanzen, zuzuwenden, ist damit in neuer Weise aktuell. Martina Pippals Thema ist die Kraft, die den Pflanzen eigen ist. Sie macht die Dynamik des Wachsens spürbar. Ihre Bilder zu betrachten und zu verstehen, bedeutet, an dieser Kraft zu partizipieren.

Urformen der Kunst?
Lange Zeit galt die stilisierende Darstellungsform, die das in der Natur Vorgefundene reduziert und eventuell mit Expression auflädt, als die Urform. Afrikanische Kunst oder die Malerei von Kindern wurden als Zeugen hierfür aufgerufen. Nur stilisierendes, eventuell expressives Darstellen galt als authentisch; lange wurde angenommen, zu einer genauen Naturbeobachtung und detaillierten Wiedergabe von Formen, Farben, Materialien etc. sei man erst nach und nach gelangt (in der Klassischen Kunst Griechenlands und im Hellenismus, später neuerlich in der italienischen Renaissance etc.). Rezente Funde von Höhlenmalereien (z.B. in Chauvet) belegen indes, dass die ältesten Zeugnisse von Malerei naturalistisch sind. Nicht nur die äußeren Formen, sondern auch die Bewegungen von Tieren wurden schon vor 35 000 Jahren genau beobachtet und mittels Malerei „eingefangen“, vielleicht aus dem Wunsch heraus, die Kraft der Tiere zu bändigen, ja zu bannen. Die Malerei mag weiters Mittel gewesen sein, in den Rhythmus der Natur hineinzufinden, wie das auch durch rituelle Tänze durchgeführt worden sein mag. Mit Fug und Recht ist heute zu sagen: die naturalistische Malerei ist die Urform der Kunst.

Die Ordnung der Dinge
Indem Martina Pippal ihre neuesten Werke bei Galerie Szaal ausstellt, tritt sie als Künstlerin und Kunsthistorikerin in einen Diskurs ein mit Werken der Romantik, die u.a. einen Schwerpunkt dieser Galerie bilden. Kaum eine kulturgeschichtliche Periode wird sosehr missverstanden wie jene, welche die Spanne vom Ende des 18. Jahrhunderts bis tief ins 19. Jahrhundert, ja bis ins frühe 20. Jahrhundert bestimmt hat. Tatsächlich ist die Romantik nicht Weltflucht, sondern Weltsucht: genaue Beobachtung des Sichtbaren (vor allem der Formen und Farben der Natur), verbunden mit der Sehnsucht, die Welt zu verstehen. Sich-Einfügen in die Ordnung des Makrokosmos versprach, mit diesem eins zu werden und damit – endlich – Frieden zu finden. Eben weil sie verstehen wollte, war die Romantik die legitime Erbin der Aufklärung. Nicht ihre Antipodin. Romantische Kunst (auch Literatur und Musik) muss die BetrachterInnen von daher logischer Weise auch mit der landläufig als abgründig oder bedrohlich empfundenen Dimension des Lebens, mit der Vergänglichkeit, konfrontieren.

Mehr vom Veranstalter
Zum Veranstalter: Galerie Szaal
 
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  • Rose No 1: Martina Pippal: “Rosen No 1”. Öl auf Leinwand, signiert, 2008, 90 x 160 cm
    Rose No 1: Martina Pippal: “Rosen No 1”. Öl auf Leinwand, signiert, 2008, 90 x 160 cm
  • Foto kl.: Martina Pippal (© Claudio Alessandri, Wien)
    Foto kl.: Martina Pippal (© Claudio Alessandri, Wien)
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