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Architekturwettbewerb für den Neubau des Besucherzentrums am Schloss Charlottenburg

Die vorgeschlagene Stahlkonstruktion mit Lehm-Halbschalen und Lehmziegelwänden erscheint durchdacht und scheint eine akzeptable CO²-Bilanz zu versprechen. Die vorgeschlagene Verwendung natürlicher, handwerklich verarbeiteter Materialien erscheint im Kontext der Baudenkmale angemessen. Die Wirkung des Hauses wird maßgeblich von der Leichtigkeit der großflächig verglasten Stahlkonstruktion getragen. Die Entwicklung nachhaltiger Konzepte zum sommerlichen Wärmeschutz – ohne überzogenen Aufwand in der technischen Ausrüstung – werden in der weiteren Planung erwartet.

Die zart dimensionierten Stahlstützen, der gleichmäßig durchlaufende Rhythmus der gewölbten Kappendecken, die großformatigen Glasscheiben der Gebäudehülle und die umlaufende dunkelgrüne Filterschicht formulieren eine Synthese von Strenge und Poesie. Die Eingangssituation in der Gebäudemitte ist schlüssig, der Konflikt mit dem bestehenden Wachhäuschen wird gemildert. Eine Weiterentwicklung der räumlichen Entsprechung des Eingangs in den Freianlagen wird erwartet.

Dem Neubau für das Besucherzentrum gelingt mit seiner filigranen Stahl-Glasarchitektur und den beiden gefassten Terrassen im Obergeschoß eine angemessen zeichenhafte Wirkung, die sehr selbstverständlich auf die besondere Lage des Hauses am Orangengarten und neben dem Ehrenhof antwortet. Der Neubau wird zu einer überzeugenden Ergänzung der Baudenkmale und vermag zugleich seiner künftigen Rolle als erstem Anlaufpunkt gerecht zu werden.

Die Unterbringung des künftigen Besucherempfangs im ehemaligen Küchenflügel und den angrenzenden Bereichen des Ostflügels strebt die Balance von maximalem Substanzerhalt und einer funktionierenden Besucherführung an. Die für den Zugang gewählte technische Lösung über einen Hublift ist nicht glücklich. Die Führung der Besucher zur Treppe und zum Aufzug wirkt noch zufällig, hier wäre eine klarere Lenkung der Besucher mit architektonischen Mitteln wünschenswert.

Aus Sicht des Denkmalschutzes wird angemerkt, dass die Konstruktionselemente des Neubaus mit filigranen Stützen und Kappendecken an historische Bautechniken erinnern. Der Entwurf mit der zweigeschossigen Glasfassade überschreitet jedoch die im Wettbewerb genannten Maximalhöhen. Die östliche Grenze des Baufeldes ist leicht überschritten und sollte in der weiteren Planung eingehalten werden. Das Preisgericht empfiehlt eine Anpassung in der weiteren Planung.

3. Preis
Das Berliner Architekturbüro KUEHN MALVEZZI PROJECTSGmbH konzipiert einen lichten zweigeschossigen Pavillon, der sich zurückhaltend in das Ensemble der historischen Schlossbebauung einfügt. Die Dachkante liegt auf Höhe der Traufe der Kleinen Orangerie.

Stilistisch nimmt das Gebäude Bezug auf die klassische Moderne. Eine sehr reduzierte Materialpalette – Holz, mit bronzierten Blechen bekleidete Stützen und Attika, großflächige Verglasungen – prägt das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes. Die für die Innenräume vorgeschlagene Farb- und Materialauswahl verspricht eine angenehme Aufenthaltsqualität.

Die Kubatur des Gebäudes ist kompakt. Dem Nachhaltigkeitsgedanken wird mit dem vorgeschlagenen Konzept der Wärmeversorgung und Raumlufttechnik sowie dem mit Photovoltaik-Paneelen belegten Gründach Rechnung getragen. Die konstruktiven Bauelemente aus Stützen und Trägern lassen ein hohes Maß an Vorfertigung zu.

Der Besucherempfang im Küchenflügel wird über eine Rampenanlage am Mittelrisalit barrierefrei erschlossen, die in Dimension und „Inszenierung“ nicht angemessen erscheint.

Die innere Organisation des Besucherempfangs erscheint schlüssig und in Bezug auf die Machbarkeit gemäß Bindungsplan grundsätzlich realisierbar. Die barrierefreie Überwindung des bestehenden Niveauunterschieds wird schlicht und unprätentiös gelöst. Im Detail besteht aus denkmalpflegerischer Sicht Nachbesserungsbedarf.

Aus Sicht des Denkmalschutzes wird die sehr reduzierte Formensprache des Neubau-Entwurfs mit seinen recht dominanten Stützen in einem großen Kontrast zur umgebenden Bebauung gesehen. Im Hinblick auf die Kubatur und wegen der Beschränkung auf wenige architektonische Elemente ist eine wesentliche Beeinträchtigung der umgebenden Denkmale nicht anzunehmen. Die gebogenen Rampenlösungen im Innenhof des Schlosses werden kritisch und als nicht denkmalverträglich erachtet.

3. Preis
Thomas Müller Ivan Reimann ArchitektenPartGmbB aus Berlin schlagen für das Besucherzentrum einen eingeschossigen, hölzernen Gartenpavillon vor. Der Entwurf zeichnet sich durch eine elegante Dachform und das gewählte Material ebenso aus wie durch die feinen Rhythmen und Proportionen des gesamten Gebäudes. Das vorgegebene Baufenster wird im Norden und Süden leicht überschritten, ebenso im Osten, was hier allerdings schmerzhaft im Gegenüber des Wachhäuschens auffällt. Der Neubau des Besucherzentrums überzeugt durch seinen offenen Charakter, der sich im gesamten Gebäude widerspiegelt. Einladende und zugleich lenkende Elemente sind die umlaufenden Sitzbänke unter dem weit auskragenden Dach. Dieser elegante Entwurf ruft in besonderem Maße danach, den vorgegebenen schwierigen Standort in dem engen historischen Kontext zu überdenken. Denn als Gartenpavillon, freistehend im Baumhain, könnte das Konzept seine Wirkung freier und großzügiger entfalten.

Der Küchenflügel wird mittels einer Geländemodulation in der nordöstlichen Ecke barrierefrei erschlossen, wodurch eine Rampe vor dem Eingang vermieden werden kann. Durch diesen zweiten Zugang wird eine ambivalente Eingangssituation geschaffen. Die vorgeschlagene Lösung des barrierefreien Zugangs in das Schloss wird jedoch aus Sicht des Denkmalschutzes positiv bewertet und als beispielhaft herausgehoben. Grundsätzlich ist die Anordnung der Funktionen im Küchenflügel gut gelöst. Im Detail sind Verbesserungen notwendig. Das Einbeziehen des kleinen Atriums ist gelungen.






  • 14.07.2021 - 25.07.2021
    Ausstellung »

    Ausstellung zum Architekturwettbewerb
    14. bis 25. Juli 2021

    Schloss Charlottenburg – Neuer Flügel, Sonderausstellungsräume
    Spandauer Damm 10-22, 14059 Berlin
    Di-So 10:00 bis 17:30 Uhr (letzter Einlass 17:00 Uhr)
    Eintritt frei.



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  • Dem Entwurf von bez+kock architekten bda aus Stuttgart wurde der 1. Preis zugesprochen.  © bez+kock architekten bda
    Dem Entwurf von bez+kock architekten bda aus Stuttgart wurde der 1. Preis zugesprochen. © bez+kock architekten bda
    Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
  • Einer von zwei 3. Preisen ging an das Berliner Büro KUEHN MALVEZZI PROJECTS GmbH. © KUEHN MALVEZZI PROJECTS GmbH
    Einer von zwei 3. Preisen ging an das Berliner Büro KUEHN MALVEZZI PROJECTS GmbH. © KUEHN MALVEZZI PROJECTS GmbH
    Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
  • Eine Anerkennung erhielt auch das Berliner Büro Weinmiller Großmann Architekten PartGmbB. © Weinmiller Großmann Architekten PartGmbB
    Eine Anerkennung erhielt auch das Berliner Büro Weinmiller Großmann Architekten PartGmbB. © Weinmiller Großmann Architekten PartGmbB
    Stiftung Preußische Schlösser und Gärten