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Im studio nähert sich ein Ausstellungs- und Performanceprojekt der afrikanischen Kultur

Samson Ogiamien. Iyagbons Spiegel

Ein Ausstellungs- und Performanceprojekt von Samson Ogiamien und der französischen Theatergruppe Compagnie Onyrikon in Kooperation mit dem Festival La Strada im studio der Neuen Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum.

Ausstellung: 23.07.–03.10.2021

Performance: 06.08. und 07.08.2021, jeweils 19:45 Uhr

www.neuegaleriegraz.at

Nähere Informationen und Tickets für die Performance: www.lastrada.at

 

Ich frage nach Oluyenyetuye, Bronze aus Ife

Der Mond sagt, sie ist in Bonn

Ich frage nach Ogidigbonyingboyin, Maske aus Benin

Der Mond sagt, sie ist in London

Ich frage nach Dinkowawa, Thron aus Ashanti

Der Mond sagt, er ist in Paris

Ich frage nach Togongorewa, Büste aus Zimbabwe

Der Mond sagt, sie ist in New York

Ich frage

Ich frage

Ich frage nach Afrikas Erinnerung

Die Jahreszeiten sagen, sie sei verweht mit dem Wind

Der Bucklige kann seine Bürde nicht verbergen.

(Niyi Osundare, Africas Memory, 1998)

Samson Ogiamien hat das Gedicht von Niyi Osundare ergänzt:

Ich frage nach Uhunmwun Elao, Bronzekopf aus Benin

Der Mond sagt, er ist in Wien.

 

Die Diskussion um die Restitution afrikanischer Kunstwerke und deren Präsentation in den jeweiligen Ursprungsländern hat gerade in letzter Zeit an Dynamik gewonnen. Das Gedicht des nigerianischen Dichters Niyi Osundare zeigt das Problemfeld eindrucksvoll auf. Die afrikanischen Länder und Gesellschaften sind im Rahmen der Kolonisation neben vielem anderen auch ihrer bedeutendsten Kunst- und Kulturgegenstände verlustig gegangen. Man hat diese Länder unter dem Vorwand, den Menschen dort etwas beizubringen, sie kennen und lieben zu lernen, systematisch ausgeplündert. Gewaltige Mengen von Kunst- und Kulturgegenständen gelangten so in die westliche Welt, füllen die ethnografischen Museen von Berlin bis Wien und von New York bis Paris sowie den internationalen Kunstmarkt. Die Verteilung des afrikanischen Erbes über die Museen der Welt hat allerdings in Afrika selbst einen Gedächtnisverlust gewaltigen Ausmaßes verursacht. Mobutu, ehemals zairischer Diktator, wies bereits zu Beginn der 1970er-Jahre darauf hin, dass jedes westliche, reiche Land, auch wenn es nicht die Gesamtheit der Meisterwerke seiner besten Künstler*innen besitzt, doch wenigstens einen großen Teil davon im eigenen Land aufbewahrt. So hat Italien Werke von Michelangelo, Belgien welche von Rubens, Frankreich viele von Renoir, Holland zahlreiche von Rembrandt oder Vermeer. Die Kunstschätze Afrikas sind jedoch überwiegend von ihren Ursprungsgesellschaften getrennt. Wie soll man dort den nachfolgenden Generationen die Geschichte und Kultur ihrer jeweiligen Länder vermitteln?

Afrikanische Kunst, verteilt in ganz Europa

Erschreckend sind die Zahlen, die die Dimension der außer Landes gebrachten Stücke veranschaulichen: So sind etwa 69.000 afrikanische Objekte im British Museum, rund 37.000 im Weltmuseum in Wien, 180.000 im Afrika Museum in Tervuren, 70.000 im Musée du quai Branly und in den Vatikanischen Museen sowie 75.000 im zukünftigen und umstrittenen Humboldt Forum in Berlin. Dagegen umfassen die Inventare der afrikanischen Nationalmuseen, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, kaum mehr als jeweils 3.000 Objekte, meist von eher untergeordneter Qualität. Die Debatte der jüngsten Zeit hat ergeben, dass mit Restitution nicht nur die physikalische Rückgabe von Objekten in ihre Ursprungsländer gemeint ist, sondern dass es dabei auch und vor allem um die Anerkennung der Illegalität des Eigentums geht. Der Akt der Restitution versucht folglich die Dinge wieder an ihren Platz zu bringen – auch auf mentaler Ebene. Dass es dabei niemals um alle in Europa befindlichen Stücke gehen kann, ist plausibel.

Die höfische Kunst aus Nigeria, die sich im Wesentlichen seit dem 16. Jahrhundert um und im Königspalast von Benin City entwickelt hat, ist heute wohl das bekannteste Beispiel im Kontext von Raubkunst und Restitution. Die Bronzeskulpturen überzeugen durch ihre ästhetische Qualität und durch ihr Alter. Dass uns das heute so verblüfft, hat wohl damit zu tun, dass man in Europa lange Zeit hindurch den Afrikaner*innen weder eine Geschichte noch eine bedeutende Kultur zugestand. Die Bedeutung dieser Objekte liegt grundsätzlich im Religiösen und im Archivarischen. Ausschließlich auf Nachfrage des Königs wurden diese Skulpturen von den Mitgliedern der Bronzegießer-Gilde hergestellt. Wenn ein bedeutendes Ereignis stattfand, befahl der Oba (König), einen Bronzeguss herzustellen. Da die Fotografie zu dieser Zeit noch lange nicht erfunden war, sollten die Bronzen bestimmte Ereignisse und Personen festhalten oder dokumentieren. Andere Werke, die nicht zur Erinnerung entstanden, hatten religiöse Zwecke und wurden in Schreinen des Palasts aufgestellt. Die Bronzen stellten generell ein Archiv dar und machten den Palast auf mehrfache Weise zum Zentrum der Gesellschaft. Im Zuge der Strafexpedition der Briten von 1897, die sowohl die Zerstörung des Palastes von Benin City als auch den Raub der Bronzen zur Folge hatte, gelangten die Bronzen aus dem Palast von Benin City als Kriegsbeute nach London und wurden von dort aus in diverse Länder Europas verkauft und verschenkt. Der Staat Nigeria bemüht sich schon seit Jahrzehnten, dieses Kulturgut zumindest teilweise zurückzubringen. Mit dem derzeit in Bau befindlichen Museum in Benin City soll eine weitere wesentliche Voraussetzung geschaffen werden, um diesen Prozess zu beschleunigen und die Werke wieder im eigenen Land sichtbar zu machen.

Samson Ogiamien, Königliche Gedenkbüsten, Igun, Benin City, Nigeria, 2015, Foto: Stefanie Öttl
Samson Ogiamien, Königliche Gedenkbüsten, Igun, Benin City, Nigeria, 2015, Foto: Stefanie Öttl

Verbindung von Tradition und Gegenwartskunst






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    Universalmuseum Joanneum
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