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Futurismus in Sizilien: Ausstellung „FUTURISMO e FUTURISTI SICILIANI“ im Antiquarium Centuripe 2025

Futurismus in Centuripe: Sizilien entdeckt seine avantgardistische Seele wieder

Vom 21. Juni bis zum 4. November 2025 wird das Centro Espositivo Antiquarium in Centuripe zum Zentrum einer außergewöhnlichen Ausstellung, die ein lange vernachlässigtes Kapitel der italienischen Kunstgeschichte beleuchtet: die sizilianische Variante des Futurismus. Die Ausstellung „FUTURISMO e FUTURISTI SICILIANI“, kuratiert von Simona Bartolena und unterstützt vom Assessorato ai Beni Culturali e Identità Siciliana sowie der Gemeinde Centuripe, vereint Meisterwerke einer Bewegung, die einst Italien revolutionierte – und deren Strahlkraft bis in die entlegensten Winkel der Insel reichte.

Der Futurismus landet in Sizilien in Centuripe mit einer Ausstellung, die ein selten erforschtes Kapitel der Avantgarde Marinettis beleuchtet: die sizilianische Deklination der Bewegung. Diese Worte fassen das ehrgeizige Ausstellungsprojekt zusammen, das sich dem Ziel verschrieben hat, „zu erzählen, wie der Futurismus selbst in einer scheinbar peripheren Realität im Vergleich zu den großen Zentren der modernen Kunst einen fruchtbaren Boden für Experimente, Sprachen und persönliche Wege fand.“

Dabei steht die Wiederentdeckung einer Epoche im Vordergrund, die von der offiziellen Kunstgeschichte nur unzureichend gewürdigt wurde. „Es ist erstaunlich, dass die Kritiker diese zweite Phase des Futurismus aus der ‘großen Kunstgeschichte’ ausgeklammert haben,“ so Bartolena. „Die kontroverse Beziehung zum faschistischen Regime, die oft vereinfacht oder missverstanden wird, hat ebenfalls zu dieser Ausgrenzung beigetragen. Um sie neu zu bewerten und eine klarere Analyse zu liefern, möchten wir mit dieser Ausstellung vor allem die zweite Phase der futuristischen Avantgarde, die weniger bekannte, wiederentdecken, und zwar nicht nur ihre großen Protagonisten, sondern auch einige ihrer weniger bekannten Vertreter, die durch ihre Persönlichkeit und Originalität der Sprache überraschen.“

In dieser großen Retrospektive begegnen sich die bekanntesten Vertreter des Futurismus – Umberto Boccioni, Giacomo Balla, Fortunato Depero – mit jenen Künstlern, die den sizilianischen Beitrag zur Bewegung geprägt haben: Giulio D’Anna, Pippo Rizzo, Vittorio Corona. Diese sogenannte „Schule von Palermo“ war in den späten 1920er Jahren maßgeblich daran beteiligt, die Ideen Marinettis im Süden Italiens zu verankern und neu zu interpretieren.

Die Ausstellung versammelt rund vierzig Gemälde, größtenteils aus italienischen Privatsammlungen, die bislang selten öffentlich gezeigt wurden. Die Werke sind in thematische Sektionen gegliedert, die die Entwicklung des Futurismus von seiner Geburtsstunde im Jahr 1909 – mit der Publikation des ersten Manifests in Le Figaro – bis in die späten 1930er Jahre nachvollziehbar machen. Der Rundgang beginnt mit den Ursprüngen der Bewegung und zeigt bedeutende Arbeiten von Boccioni, Russolo, Balla und Roberto Iras Baldessari.

Der historische und ideologische Kontext wird dabei nicht ausgeblendet: „Marinetti zufolge sollte die Kunst nicht nur ein ästhetischer Ausdruck sein, sondern auch ein Motor des Wandels und der kollektiven Reflexion. Der Wunsch, den ‘Passivismus’ abzulehnen und eine neue Vision der Realität zu bekräftigen, wurde so zum Leitprinzip des frühen Futurismus.“

Eine eigene Sektion widmet sich den abstrakten Tendenzen innerhalb der Bewegung, einem Aspekt, der bisher kaum Beachtung fand. Besonders die Werke von Balla verdeutlichen diese Richtung: „die eine fortschreitende Auflösung der Figur und eine Tendenz zur Reinheit der Form zeigen.“ Im Zentrum stehen Themen wie Geschwindigkeit, Dynamik und Gleichzeitigkeit – zentrale Begriffe der futuristischen Bildsprache. „Nach Boccioni sollte der Raum nicht mehr als fest oder begrenzt, sondern als fließend und im ständigen Werden begriffen betrachtet werden.“

Auch der interdisziplinäre Anspruch des Futurismus wird beleuchtet: Die Ausstellung verweist auf das 1915 von Balla und Depero unterzeichnete Manifest der futuristischen Rekonstruktion des Universums, das zum Ausgangspunkt für eine Reflexion über das Zusammenspiel von bildender Kunst, Design, Theater, Tanz, Musik, Werbung und angewandter Kunst wird.

Ein weiterer Fokus liegt auf der Erneuerung der Bewegung in den 1930er Jahren, trotz politischer Vereinnahmung. Der sogenannte Aerofuturismus – inspiriert vom Mythos des Fliegens – und der kosmische Futurismus, der sich mit spirituellen und esoterischen Dimensionen auseinandersetzte, werden durch Werke von Gerardo Dottori, Tullio Crali, Fillia, Thayaht und Enrico Prampolini vertreten.








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  • Futurismus und sizilianische Meister im Centuripe: Balla, Boccioni, Depero und andere
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    Antiquarium in Centuripe
  • Giuseppe Pellizza da Volpedo, Der Weg des Arbeiters (1898-1899; Tortona, Pinacoteca Il Divisionismo)
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    Antiquarium in Centuripe
  • Fortunato Depero, Acqua San Pellegrino (1928; Bleistift auf Papier, 43,4 x 42,6 cm, unsigniert oben links, autographer Titel). Das Werk ist in der Abteilung “ZEICHNUNGEN” des Archivio Unico per il Catalogo Generale Ragionato delle opere di Fortunato Depero archiviert.
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    Antiquarium in Centuripe
  • Umberto Boccioni, Frau Maffi (1909; Tortona, Pinacoteca Il Divisionismo)
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    Antiquarium in Centuripe
  • Fortunato Depero, Bar Grand Hotel Bristol (1924; Bleistift auf Papier, 56 x 38 cm, unsigniert unten links Titel “Bar” (Autogramm) auf der Zeichnung Farbangaben). Werk archiviert in der Abteilung “ZEICHNUNGEN” des Archivio Unico per il Catalogo Generale Ragionato delle opere di Fortunato Depero.
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    Antiquarium in Centuripe
  • Fortunato Depero: unveröffentlichte Zeichnungen bei Gonnelli in Florenz ausgestellt
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    Antiquarium in Centuripe