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Cami Chepetan // Transient silence //

Kunst

Vorübergehende Stille – „der Titel lässt schon ahnen, worum es hier geht: „transient“ in seinem ursprünglichen Sinne (vom lateinischen transire = durchqueren, durchziehen), aber auch im Sinne von vergänglich, passager, vorübergehend; „silence“ – Stille, Schweigen, Lautlosigkeit. Die Intention der Künstlerin ist, uns mit dieser Bilderauswahl auf eine leise, meditative, transversale Raumzeit-Reise mitzunehmen, deren verschwiegene Zeugin und zugleich Protagonistin sie ist“, sagt Dr. Bernd Kowald über die Ausstellung von Cami Chepetan.

Und so sieht man Doppelungen, Schatten (und deren Schatten), vereinzelte Paare von Öffnungen, Stämmen, Durchgängen, Blüten, Fluchten, Positionen, zwischen denen irgendetwas steht, be-steht, läuft, sie trennt … Eine scheinbare Verbrüderung der einzelnen Elemente, die sich gegenseitig nicht sehen, deren Einsamkeit und Bedrängnis sie in trostloser, zufälliger Ähnlichkeit nebeneinanderstellt.

„In meinen Bildern spiegelt sich Kälte, Ablehnung, Weltschmerz wider … Es gibt keine Freude, der Mensch wendet sich ab, die Tiere sind einsam, die Natur trist und bedrohlich.“ (Cami Chepetan) Die einzelnen Paare sind optisch durch (Gitter)„stäbe“ oder emotional durch innere Hemmungen getrennt, auch das vermeintliche Brautpaar ist voneinander abgewandt; ein schattenhafter Mann, der als Einziger lacht, wirkt durch sein Alter Ego im Hintergrund beinah grotesk, das Lachen wird zur Grimasse. Die Künstlerin selbst erscheint als kopflose Gestalt in dunklem Gewand, die Kamera in Scherenhänden haltend …

Der Zwischenraum, der sich einem hier zeigt, riecht wie ein Pessimist. So entfaltet sich in den Bildern eine abgeklärte Flüchtigkeit, vielleicht ein „Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“ (Max Goldt).

Da verhüllt ein Haus, in gespenstischem Faltenwurf, sein massives, undurchsichtiges Knochengerüst. Es gibt keinen Blickkontakt, kein Leben. Stahlbau streckt sich aus wie die Zunge eines Chamäleons – zugleich eine Brücke, hin zu einer schöneren, doch unbekannten Welt, einer Traumwelt (wo es bestimmt dunkle Wasser, weite und beschwerliche Wege, zerschlagene Scheiben oder verhangene Fenster, Wetter und Gezeiten gibt), die wiederum nicht mehr intakt ist, sondern verzerrt, brüchig geworden durch die Zeit und die Unvollständigkeit der Erinnerung.

Cami Chepetan schafft es in ihrer Fotografie, die ersten Blüten im Frühjahr wie eine kleine Drohung/ Warnung aussehen zu lassen, die rosa-zarten Knospen scheinen, vordergründig verschattet, nur auf ihren baldigen Frosttod zu warten, gleichzeitig in stillem Bewusstsein, dass Neues aus Altem hervorgeht, Schönheit aus Finsternis, Erhabenes im Verborgenen entsteht und beides im Kunstwerk – wie im Leben – vereint sind. Das Geheimnis schützt sich selbst, wie eine fahrende Festung, neben der die Natur bloß ein vorbeirauschender Schleier ist, öde, eintönig, in einer Art solidarischer Symbiose die innere Hoffnungslosigkeit unterstreichend.

Wie unterschiedlich doch die Geschwindigkeiten sein können, zwischen Fallen und Schweben.

Eine Schaumkante erinnert an ein utopisches Wesen oder an einen Mikroorganismus, als Beginn jeglichen Lebens – und Startpunkt der Ausstellung. Die Bilder folgen einem unsichtbaren roten Faden, es gibt einen Anfang und ein Ende, dazwischen Erinnerungen, Reflexionen über Leben, Natur, Zeit, Vergänglichkeit, Tod. Am Ende offenbart sich das Ziel dieser (inneren) Reise: eine kontemplative, absolute, überlegene STILLE – als höchste Form der Weisheit und der Versöhnung mit sich und der Natur. Ein Zyklus schließt sich, bevor die nächste Reise beginnt …

Alles in allem bewegt sich Cami Chepetan elegant zwischen der Konzept- und der subjektiven, experimentellen Fotografie. Sie visualisiert den inneren Konflikt und seine interaktiven Implikationen mit der umgebenden Natur, Isolation, (innere) Leere, Vanitas.

Die Galerie Display lädt zum „Durchreisen“ und Verweilen in „flüchtiger“ Stille ein.

Text: Corinna König und Cami Chepetan
Grafik: Timo Schlegel






  • 01.08.2015 - 14.08.2015
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    Mi und Fr ⇒ 18:00 - 20:00



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