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Reiz & Scham

Kleider, Körper und Dessous

Reiz & Scham

Lange weiße Rüschenunterhose, darüber ein atemberaubend eng geschnürtes Korsett, Reifrock und Unterröcke. Was vielen heute altmodisch und bieder erscheint, war vor 150 Jahren hocherotisch, vor allem, wenn die seidenen Unterröcke auch noch verheißungsvoll raschelten. Ein tiefes Dekolleté, ein nackter Arm oder gar eine entblößte Schulter - nicht immer war dies jenseits der großen Bälle erlaubt. In der Ausstellung "Reiz & Scham. Kleider, Körper und Dessous" zeigt das TextilWerk Bocholt, wie sich das "Darüber" und "Darunter" im Laufe der letzten 150 Jahre gewandelt haben.

"Reiz & Scham" ist eine Zusammenführung von ursprünglich zwei Ausstellungen aus dem LVR-Industriemuseum. Für die Präsentation im TextilWerk Bocholt hat das LWL-Industriemuseum zahlreiche Exponate aus der eigenen Sammlung ergänzt.

Kleider und Körper
Auf rund 800 Quadratmetern präsentiert das LWL-Industriemuseum in der historischen Spinnerei mehr als 400 originale Kleidungsstücke. Große Roben und Straßenkleidung, Outfits für den Strand und solche für den Tabubruch, vor allem aber jede Menge Unterwäsche - vom Liebestöter bis zum Hauch von Nichts unserer Tage - erzählen von Sittlichkeits- und Tugendvorstellungen ihrer Zeit und dem Spiel mit körperlichen Reizen.

Welche Partien des weiblichen Körpers durften wann und wo gezeigt werden und welche nicht? Im ersten Teil zeigt die Ausstellung, wie sich im Laufe von 150 Jahren die enge Grenze zwischen "gerade noch erlaubt" und "eigentlich schon verboten" veränderte. „Beine, Busen, Po oder Taille - ihre Bedeckung oder Enthüllung in der Kleidung und den Accessoires offenbart die jeweiligen Grenzen von Reiz und Scham“, erklärt Kurator Martin Schmidt vom LWL-Industriemuseum.

In vier Zeitschnitten - um 1900, 1920er, 1950er und 1980er Jahre - stellt die Schau die unterschiedlichen Konventionen vor, die auf der Straße, am Strand oder beim Abendball galten. Martin Schmidt: „Ein tief ausgeschnittenes Ballkleid oder ein knapper Bikini, die im Ballsaal des Kaiserreichs bzw. auf einer Ferieninsel der 1980er selbstverständlich waren, würden im Berufsalltag oder auf der Straße gänzlich unpassend, ja schamlos wirken. Schon das zeigt, wie relativ und wenig ‚naturgegeben‘ Reiz- und Schamgrenzen waren und sind.“

Eine wichtige Rolle spielen Übergänge, in denen die jeweiligen Normen hinterfragt wurden. Oft gehen diese mit Zeiten politischen Veränderungen oder wirtschaftlichen Krisen einher. Impulse geben auch einzelne gesellschaftliche Gruppierungen, vor allem die künstlerische Avantgarde.

Ergänzt werden die vier Zeitschnitte jeweils durch ein "rotes Kabinett", in dem Besucher einen Blick in gesellschaftliche Tabu-Bereiche werfen können: auf die versteckte und öffentlich verleugnete erotische Welt in Männerzirkeln und Bordells, aber auch auf die provokativen Grenzüberschreitungen, die die Künstler ganz bewusst begehen und mit denen sie dann auch immer wieder den Wandel in Gang setzen.

Dessous - 150 Jahre Kulturgeschichte der Unterwäsche Im zweiten Teil der Ausstellung Reiz & Scham ändert sich die Perspektive: Rüschenwäsche, atemberaubend eng geschnürte Korsetts und BHs spielen hier die Hauptrolle. Dabei zeigt sich, dass der Blick auf die Unterkleidung nicht nur aus historischer Perspektive viel mit dem jeweiligen Betrachter und der Epoche zu tun hat. Martin Schmidt: „Für die Näherin war das Dessous vielleicht nur ein Stück Stoff, in dem viel Arbeit steckte. Der Arzt sah in ihm ungesunde, weil nicht wärmende Wäsche." Erotik pur verspricht der letzte Teil der Ausstellung, der einen Reigen durch die Zeit von der „femme fatale“ über die „Sexbombe“ zum „Vamp“ präsentiert.

Modejournale, Fotos, Accessoires und Filmausschnitte eröffnen Blicke auf das "Darunter". Im Mittelpunkt aber steht die Unterwäsche selbst: Mehr als 200 Originalexponate: Korsetts und Krinolinen des 19. Jahrhunderts oder auch den Hauch von Nichts der modernen Dessous, die mit sehr viel weniger Stoff auskommen als ihre Vorgänger, frühe Modelle aus den Anfängen des Büstenhalters, edle Seidenensembles aus den 1930er Jahren und panzerartige Mieder der Wirtschaftswunderzeit - das Nebeneinander der Stile zeigt den Wandel der Unterwäsche.

Doch dieser historische Blick zurück ist nur einer von vielen. Beispiel Korsett: Eine junge Frau nutzte im 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich das Schnürmieder, um ihren Körper in eine zierliche Idealform zu bringen: Umso schmaler der Hüftumfang, desto besser die Heiratschancen. Der erotische Blick: Männer empfanden das Korsett immer schon ausgesprochen anziehend und aufregend. Es hebt und betont den Busen. Schnüre und Schleifen, Knöpfe und Häkchen inszenieren das An- und Ablegen. Der medizinische Blick: Der Arzt sah in einem engen Korsett das ungesunde Kleidungsstück, das Organe einschnürt. Der aktuelle Blick: Heute wird das Korsett in der Oberbekleidung zitiert. Das berühmteste Beispiel ist das von Jean-Paul Gaultier geschaffene "goldene Korsett", das Madonna auf ihrer "Like a Virgin"-Tour 1990 trug. Der Kurator Martin Schmidt: "Dank ihres Outfits und Auftritts drohte Madonna in Kanada sogar eine Haftstrafe."

Den Katalog zur Ausstellung gibt es im Museumsshop:
REIZ & SCHAM.
Kleider, Körper & Dessous.
150 Jahre zwischen Anstand und Erotik.
Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
LVR-Industriemuseum (Hg.) 2011 6 Euro Die Schau ist der Beitrag des TextilWerks zum Themenjahr "Unterwelten" im LWL-Industriemuseum. Alle Informationen unter www.unterwelten.lwl.org.






  • 04.04.2014 - 02.11.2014
    Ausstellung »
    TextilWerk Bocholt »

    Geöffnet:
    Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr sowie an Feiertagen.
    Letzter Einlass ist um 17.30 Uhr.

    Die diesjährige Spinnerei-Saision geht vom 4.4. bis zum 2.11.2014
    Die Weberei ist ganzjährig geöffnet.
    Geschlossen:
    - montags, außer an Feiertagen
    - Die Spinnerei-Saison endet am 2.11.2014

    Eintrittspreise: Erwachsene 3,00 €



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  • Beindekolleté: In den Charleston-Kleidern der 1920er Jahre konnten Frauen in der Öffentlichkeit zum ersten Mal Bein zeigen.
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  • Für ihn das Beinkleid, für sie das Mieder – Dessous im Spiegel der Geschlechter.
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  • Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
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  • Weit schwingende Röcke und enge Taille – so kleidete man sich in den 1950er Jahren.
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