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Zum Tod von Martin Matschinsky

Mit dem Tod des Bildhauers und Malers Martin Matschinsky (4.7.1921–24.1.2020) verliert Berlin einen bedeutenden Künstler. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte Matschinsky-Denninghoff (2.6.1923– 11.4.2011) hinterlässt er ikonische Werke, insbesondere im öffentlichen Raum. Zu den bekanntesten Arbeiten der beiden zählt in Berlin die vierteilige, acht Meter hohe Chromnickelstahlskulptur Berlin, die 1987 auf dem Mittelstreifen der Tauentzienstraße Aufstel- lung fand. Die röhrenartigen Formen scheinen sich zu berühren, zu umarmen. Sie galten zunächst als Sinnbild für das getrennte Berlin, seit 1989 für die ver- einte Stadt. Auch bei Passant*innen, die sich nicht für Kunst interessieren, lösen Werke wie diese bis heute große Sympathie aus. In der Sammlung der Berlinischen Galerie befindet sich ein repräsentativer Bestand des Künstler*innenpaars von rund 250 Wer- ken: Skulpturen, Arbeiten auf Papier und Gemälde. Der größte Teil davon ist ein Depositum des Landes Berlin, darunter die Skulptur „Dreiheit“ von 1993 auf dem Museumsvorplatz.

Brigitte Meier-Denninghoff und Martin Matschinsky begannen ihre Zusammenarbeit 1955. Es war sie, die entscheidende Impulse in die kreative Partnerschaft einbrachte. Martin Matschinsky hatte nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst an der Otto Falckenberg-Schule in München eine Schauspiel- ausbildung absolviert und ließ sich dann von Brigitte Meier-Denninghoff für die Kunst der Moderne begeistern. Die Künstlerin hatte 1948 nach ihrem Studium in Berlin und München Henry Moore bei seinen Werken assistiert, ein Schlüsselerlebnis, das prägend für die Kunstauffassung des Paares werden sollte. Die Arbeit mit Metall bestimmte maßgeblich das gemeinsame Schaffen des Künstler*innenpaars, zunächst in München, ab den 1960er Jahren in Paris und Anfang der 1970er Jahre dann in Berlin, wo es sich niederließ. Ab 1970 signierte es seine Werke unter dem gemeinsamen Namen „Brigitte und Martin Matschinsky- Denninghoff“.

Das Frühwerk der beiden gehört zu den bedeutendsten eigenständigen Beiträgen der Nach- kriegskunst in Deutschland und erlangte interna- tionale Anerkennung. Frühe Arbeiten waren unter anderem auf der Biennale 1962 in Venedig wie auch auf der documenta II und III (1959 und 1964) in Kas- sel vertreten. Zu Beginn ihrer gemeinsamen Arbeit in den 1950er Jahren verwendete das Paar meist Messingstäbe und Zinn. Sie verbanden diese zu konst- ruktiven, strahlenförmigen oder tuchartig gefalteten und dennoch naturhaft wirkenden Gebilden. Varian- tenreich loteten sie das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, Hülle und Raum aus. Später bevorzugten sie vorgefertigte Drahtstäbe, Bleche und Rohre aus Chromnickelstahl und montierten sie durch Löten oder Schweißen zu den charakteristischen organisch wirkenden Rohrkörpern. Heute sind ihre Arbeiten in Deutschland, aber auch im Ausland, vielfach vertreten. Vor dem historischen Hintergrund der Kunstentwicklung in Berlin und den hier langlebigen Vorbehalten gegenüber abstrakten Ausdrucksformen gelang es dem Künstler*innenpaar, mit ihren Werken die Akzeptanz der modernen Kunst zu fördern.

Ab Mitte der 1990er Jahre entwickelten Matschinsky-Denninghoff in ihrem Sommeratelier in der Altmark, in Schönfeld, ihr Spätwerk. Tausende von Zeichnungen entstanden, jedoch nicht als Gemeinschaftsprojekte, sondern als eigenständige Arbeiten. Martin Matschinsky widmete sich in den späten Jahren intensiv der Malerei. In ihrer Betonung eines spontanen Gestus legen die Zeichnungen und Gemälde Bezüge zu Werken des Informel der 1960er Jahre nahe. Aber auch neue Skulpturen wurden noch gemeinsam erarbeitet. Im Gegensatz zur klaren For- mensprache der Werke der 1970er bis 1990er Jahre muten sie eher verspielt, zeichnerisch-filigran an und sind den Arbeiten auf Papier verwandt.

Am letzten Freitag (24.1.2020) verstarb Martin Matschinsky fast hundertjährig.






  • 29.01.2020
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  • Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, Dreiheit, 1993, © Martin Matschinsky, Foto: Roman März
    Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, Dreiheit, 1993, © Martin Matschinsky, Foto: Roman März
    Berlinische Galerie