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FERDINANDEUM

Alles fremd – alles Tirol

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Ob durch Handwerk, Handel oder Reise: Der Kontakt mit anderen Ländern beeinflusst und verändert Menschen und ihre Kultur. Dass Tirol im Laufe der Zeit durch unterschiedlichste Einflüsse aus anderen Ländern bereichert wurde, zeigt die Ausstellung „Alles fremd – alles Tirol“. Sie deckt Stereotype auf und setzt sich mit den Vorstellungen vom vermeintlich Eigenen und scheinbar Fremden auseinander.

INNSBRUCK. Zu allen Zeiten wurden Wissen, Techniken und Dinge verbreitet, nachempfunden oder zu etwas Neuem kombiniert, indem man sich etwas aus anderen Ländern abschaute oder übernahm. In „Alles fremd – alles Tirol“ werden einige typisch tirolerisch anmutende Traditionen als Ergebnis eines Austauschprozesses mit anderen Kulturen entlarvt. „Die Ausstellung im Volkskunstmuseum ist keine Reaktion auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik. Die Tiroler Landesmuseen beschäftigen sich schon länger mit Kulturkontakten“, erklärt PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen. Er fährt fort: „Die Ausstellung spürt der Frage nach, auf welche Weise die Kultur in Tirol von fremden Einflüssen geprägt ist.“

Kulturkontakte
Tirol bildet als Transitland auch heute noch eine kulturelle Brücke zwischen verschiedenen Nationen. Zwischen den wirtschaftlichen Zentren Süddeutschlands, Norditaliens sowie dem Bodensee‐ und Donauraum gelegen, wurde und wird Tirol durch den Kontakt zu anderen Sprachen und Kulturen geprägt. Die Einflüsse aus den Nachbarländern sind im Tiroler Alltag nicht zu übersehen. Rohstoffe und Produkte, die uns heute als typisch tirolerisch erscheinen, wurden ursprünglich oft aus anderen Ländern eingeführt. Bei vielen Dingen weiß man heute gar nicht mehr, dass sie nicht aus Tirol stammen. Teilweise auch, weil Produkte mit ihrer Einfuhr nicht einfach übernommen, sondern an die örtlichen Bedürfnisse angepasst – in die eigene Kultur übersetzt werden. Ehemals exotische Nahrungs‐ und Genussmittel aus anderen Ländern verändern und bereichern nicht nur lokale Gerichte, auch neue Geräte und Gegenstände für Anbau, Verarbeitung und Zubereitung werden entwickelt. Der Kaffee hat seinen Weg von Ostafrika über die Türkei zu uns gefunden. Die österreichische Kaffeehauskultur hat das Produkt neu interpretiert und neue Zubereitungsformen entwickelt. Ein anderes Beispiel für vormals fremde kulinarische Genüsse ist die Einführung der Pizza in Tirol. Die erste Pizzeria in Innsbruck eröffneten Herbert Cammerlander und sein Bruder Richard im Jahr 1965. Nachdem italienische Touristen sie auf diese süditalienische Spezialität hingewiesen hatten, machten sie sich selbst auf die Reise, probierten die Spezialität und führten sie, nachdem sie sie für gut befunden hatten, auf der Speisekarte ihres Restaurants in Tirol ein. Um möglichst nahe am Original zu bleiben, importierten sie mit ihrer Idee auch gleich einen italienischen Pizzabäcker und ein Pizzaofen wurde eigens für ihre Experimente gebaut.

Tiroler Landesmuseen‐Betriebsgesellschaft m.b.H. Museumstraße 15, 6020 Innsbruck www.tiroler‐landesmuseen.at Mag. Sigrid Wilhelm s.wilhelm@tiroler‐landesmuseen.at T +43 512 594 89‐110, F: ‐109 21. April 2016 1

Die Anpassung machte aber auch vor der Pizza nicht halt – so gibt es heute neben den klassischen italienischen Sorten eben auch die Pizza Tirolese.

Tiroler Tracht
Besonders an Textilien lässt sich ablesen, wie der Kulturtransfer Handwerk beeinflussen kann. Der Blaudruck, der auf vielen Trachtenstoffen zum Einsatz kommt, stammt ursprünglich aus dem fernen Indien. Färbetechnik, Farbstoff sowie Muster des indischen Blaudrucks gelangten Mitte des 16. Jahrhunderts nach Holland und England und auch nach Tirol. Aber auch andere Bestandteile der Tiroler Tracht wurden durch die Aneignung von fremden Praktiken entwickelt. Die Klöppelspitze stammt ursprünglich aus Italien, das Muster des zur Tracht getragenen „türkischen Tuches“ ahmt jenes der teuren Schals aus Kaschmir nach. Der Blick auf einzelne Kleidungsstücke zeigt zahlreiche Kulturimporte und Verbindungen auf. Tracht war und ist kein starres Gebilde, sondern ein Produkt aus Nachahmungs‐ und Veränderungsprozessen. Wie sehr sich Trachten aus verschiedenen Regionen zum Teil ähneln, wird in einer Sammlung von Trachtenbildern aus ganz Europa, gezeichnet von Karl von Lutterotti, klar. Die Bilder weisen mitunter eine frappierende Ähnlichkeit auf und es ist nicht immer einfach, die Trachten auseinander zu halten.

Bekannte Fremde
Bestimmte Vorstellungen von Ländern und ihren Bewohnern hat man, auch wenn man niemals dort war und niemanden aus dem Land persönlich kennt. Diese Vorstellungen können Ausdruck von Faszination und Sehnsüchten sein, aber auch von Ängsten und Befürchtungen. Meist lassen sich die Einstellungen nur schwer verändern und sind langfristig als Bilder in den Köpfen verankert. Ganz starr sind die Bilder aber nicht: Wie sich die Einstellung zu etwas vermeintlich Fremden ändern kann, zeigt sich am Beispiel der in Tirol gefertigten Darstellungen von Türken und Osmanen. Aus den einstigen Feinden wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts eine ästhetische Traumfigur. Der „edle Wilde“ wurde für die häusliche Nutzung gezähmt und fand sich als Brunnentürke, Tabakschild oder Uhrenständer im Alltag wieder. Man holte sich eine Prise Exotik ins Wohnzimmer, ohne wirklich mit der fremden Kultur in Kontakt zu treten.






  • 22.04.2016 - 06.11.2016
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    FERDINANDEUM
    Archäologie, Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Musikinstrumente
    DI - SO, 9 - 17 UHR
    BIBLIOTHEK DI - FR, 10 - 17 UHR

    MUSEUMSTRASSE 15
    6020 INNSBRUCK



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  • Völkertafel, um 1725, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien (Ausschnitt)  © Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien / Birgit & Peter Kainz, faksimile digital
    Völkertafel, um 1725, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien (Ausschnitt) © Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien / Birgit & Peter Kainz, faksimile digital
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  • Druckmodel Pfau, Holzschnitt mit Messingstiften, 19. Jh.  © Gerhard Watzek
    Druckmodel Pfau, Holzschnitt mit Messingstiften, 19. Jh. © Gerhard Watzek
    Tiroler Landesmuseen
  • Blick in die Ausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum, 22.4. - 6.11.2016. Färbetechnik, Farbstoff sowie Muster des indischen Blaudrucks gelangten Mitte des 16. Jahrhunderts nach Holland und England und auch nach Tirol.  © Wolfgang Lackner
    Blick in die Ausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum, 22.4. - 6.11.2016. Färbetechnik, Farbstoff sowie Muster des indischen Blaudrucks gelangten Mitte des 16. Jahrhunderts nach Holland und England und auch nach Tirol. © Wolfgang Lackner
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  • Blick in die Ausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum, 22.4. - 6.11.2016. Um eine Andersartigkeit vor Augen zu führen, werden Körper und Gesicht zum Kriterium.  © Wolfgang Lackner
    Blick in die Ausstellung im Tiroler Volkskunstmuseum, 22.4. - 6.11.2016. Um eine Andersartigkeit vor Augen zu führen, werden Körper und Gesicht zum Kriterium. © Wolfgang Lackner
    Tiroler Landesmuseen
  • Schild eines Tabakladens, Klausen, um 1820  © Gerhard Watzek
    Schild eines Tabakladens, Klausen, um 1820 © Gerhard Watzek
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  • Krippenfiguren einer Papierkrippe, 1. Drittel 19. Jh., Georg (1772-1838) und Felix Haller (1808-1883) Götzens/Terfens  © Gerhard Watzek
    Krippenfiguren einer Papierkrippe, 1. Drittel 19. Jh., Georg (1772-1838) und Felix Haller (1808-1883) Götzens/Terfens © Gerhard Watzek
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  • Völkertafel, um 1725, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien  © Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien / Birgit & Peter Kainz, faksimile digital
    Völkertafel, um 1725, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien © Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien / Birgit & Peter Kainz, faksimile digital
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