• Menü
    Stay
Schnellsuche

Queerness in Photography

  • Ausstellung
    17.09.2022 - 18.01.2023
    C/O Berlin »

Under Cover . A Secret History of Cross-Dressers . Sébastien Lifshitz CollectionCasa Susanna . Cindy Sherman Collection Orlando . Curated by Tilda Swinton

C/O Berlin präsentiert vom 17. Sep 2022 bis 18. Jan 2023 die Ausstellung Queerness in Photography. Die Eröffnung findet am Freitag, den 16. Sep 2022, um 20:00 bei C/O Berlin im Amerika Haus in der Hardenbergstraße 22–24, 10623 Berlin statt.

Leicht zur Seite geneigt blickt ein junger Mann mit Anmut in die Kamera, auf den markanten Wangenknochen schimmert zart das Rouge, die Lippen glänzen in einem verführerischen Rot, während über der Augenpartie zart hellblauer Lidschat-ten glänzt. Sanft berühren seine Finger mit rosa lackierten Nägeln die rechte Wange des Halbporträts, am kleinen Finger steckt prominent ein Ring. Oder ist es nicht doch das vermeintliche Abbild einer Frau? Können wir anhand geschlechtsspezifi-scher visueller Codes überhaupt entscheiden, welche Identität eine Person hat?

In drei komplementären Ausstellungen untersucht C/O Berlin mit Queerness in Photography die fotografische Darstellung von Identität, Geschlecht und Sexualität: von historischem Bildmaterial, das den Akt des Fotografierens als Akt der Identi-tätsfindung zeigt, über einen einzigartigen Safe Space in der Fotografiegeschichte bis hin zu zeitgenössischen Ausdrucksformen von Geschlechterfluidität, welche die Frage aufwerfen, ob sozial konstruierte Geschlechter heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind. Denn seit ihrer Erfindung im Jahr 1839 hat Fotografie Menschen nicht nur abgebildet, sondern auch ihre gesellschaftspolitische Position maßgeblich geprägt, indem die Fotografie Personen aufgrund von physischen Merkmalen, Verhalten oder Kleidung visuell kategorisiert hat. Durch das Einschreiben von konstruierten Geschlechterrollen wurde sie auch zum Medium der Stigmatisierung und Diskriminierung. Genauso wie sich der aktuelle Diskurs über die Rechte der LGBTQIA+-Community weltweit kontinuierlich weiterentwickelt, Begrifflichkeiten und Themen fortlaufend neu ausgehandelt werden, so hat sich auch das fotografi-sche Vokabular zur visuellen Abbildung von Queerness vervielfältigt. Die drei Ausstellungen zu Queerness in Photography offenbaren ein vielschichtiges Panorama und zeigen, dass Fotografie auch ein Akt der Befreiung und Selbster-mächtigung sein kann. Indem die eigene Identität visualisiert oder der gemein-schaftliche Zusammenhalt in der queeren Community dokumentiert wird, entste-hen neue künstlerische Formen von Repräsentation.

C/O Berlin zeigt mit Under Cover . A Secret History of Cross-Dressers . Sébastien Lifshitz Collection die von dem französischen Filmemacher Sébastien Lifshitz über mehrere Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung von Amateurfotografien. Seit den 1860er-Jahren nutzten Menschen das Medium, um ihre durch Kleidung oder physische Merkmale zugeschriebene Geschlechtsidentität zu be- und hinterfragen. Ohne die jeweiligen Entstehungsgeschichten oder persönlichen Beweggründe zukennen, wird in diesen Darstellungen der Wunsch der Porträtierten deutlich, sich selbst vor der Kamera zu erforschen: neben dem Aufbegehren gegenüber aufge-zwungenen, gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Regulierungen machen sie sich im fotografisch produzierten Selbstbildnis der eigenen Identität bewusst.

Unterteilt in mehrere Kapitel umspannt die Sammlung Lifshitz nicht nur 120 Jahre von queeren Darstellungsformen, sondern verortet weltweite Phänomene wie das Cross-Dressing kulturgeschichtlich in den darstellenden Künsten wie beispielswei-se Theater oder Cabaret. Neben androgynen Personen in Anzügen, den frühen Wegbereiter:innen von RuPauls extravaganten Drag Queens oder Frauen, die andere Frauen in nachgespielten Hochzeiten (mock weddings) heiraten, befinden sich in Under Cover . A Secret History of Cross-Dressers . Sébastien Lifshitz Collection eine Vielzahl von visuellen Repräsentationsformen für Feminismus, LGBTQIA+-Rechte, Transidentität und der Liberalisierung von Sexualität. Dadurch wird in dem historischen Bildmaterial zugleich visuell der gesellschaftliche Fort-schritt vorweggenommen, der nur deshalb erreicht wurde, weil Menschen sich non-konform verhalten oder den binären Zuschreibungen von Geschlechterkon-ventionen getrotzt haben. Die visuellen Zeugnisse der Sammlung Lifshitz gehören somit zu den bedeutsameren Entdeckungen der jüngeren Fotografiegeschichte, die eine Leerstelle im kulturellen Gedächtnis füllt.

Mit Casa Susanna . Cindy Sherman Collection präsentiert die wohl berühmteste Verkleidungskünstlerin der Welt Originalbilder der Casa Susanna aus ihrer eigenen Sammlung. „Ich habe die Casa Susanna-Fotos in einem Sammelalbum gefunden, das vor etwa 17 Jahren auf einem Antiquitätenflohmarkt in New York City verkauft wurde. Das Sammelalbum selbst war es nicht wert, gerettet zu werden, aber die Fotos haben mich begeistert“, erklärt Sherman über ihre historische Entdeckung. Casa Susanna war in den 1950er- und 1960er-Jahren ein Safe Space für Cross-Dresser:innen und trans Frauen in Hunter, New York. Innerhalb dieser kleinen Community konnten die Mitglieder gemeinsam ihre Identität erforschen – zu einer Zeit, in der Lebensentwürfe, Sexualität und Geschlecht abseits heteronormativer Vorstellungen und Konventionen stigmatisiert oder sogar strafrechtlich verfolgt wurden. Der Akt des Fotografierens innerhalb dieser Community war von höchster sozialer Explosivität, da die Mitglieder visuell dokumentierten, was zu dieser Zeit nicht sein durfte: ein Leben außerhalb sozial konstruierter Geschlechterrollen sowie eine auf den eigenen Bedürfnissen basierende Persönlichkeitsentwicklung. Dabei offenbart die Bilderwelt der Casa Susanna nicht nur den Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb dieser Community, sondern es wird eine in die Bilder einge-schriebene Unbeschwertheit und Fröhlichkeit spürbar, die gerade deshalb ent-stand, da sich Menschen dort frei entfalten konnten.






  • 17.09.2022 - 18.01.2023
    Ausstellung »
    C/O Berlin »

    Öffnungszeiten täglich . 11 bis 20 Uhr
    Eintritt 10 Euro . ermäßigt 5 Euro



Neue Kunst Ausstellungen
Auf in den Schiele-
TULLN AN DER DONAU – Wann immer Egon Schiele seine...
Der Porzellan Code – One
Wien, 13. September 2022 Auf Einladung von Professor Dr....
Esther Ferrer. Ich werde
Esther Ferrer. Ich werde von meinem Leben erzählen...
Meistgelesen in Ausstellungen
Erwin Wurm: Ausstellung in
Erwin Wurm, 1954 in Bruck an der Mur in der Steiermark...
Europas höchstdotierter
Gülsün Karamustafa, eine der bedeutendsten türkischen...
Lucia Moholy – Das Bild der
Lucia Moholys Bilder gehen bis heute um die Welt - mit ihren...
  • Lynn Hershman Leeson, Rowlands/Bogart (Female Dominant), from the series Hero Sandwich, 1982 © Lynn Hershman Leeson . Courtesy the artist and Bridget Donahue, New York
    Lynn Hershman Leeson, Rowlands/Bogart (Female Dominant), from the series Hero Sandwich, 1982 © Lynn Hershman Leeson . Courtesy the artist and Bridget Donahue, New York
    C/O Berlin
  • Anonymous, Untitled, USA, ca. 1930. Sébastien Lifshitz Collection
    Anonymous, Untitled, USA, ca. 1930. Sébastien Lifshitz Collection
    C/O Berlin
  • Anonymous, Taken at Stag given by Fillie & Amanda, Milwaukee, Wisconsin, USA, 1912. Sébastien Lifshitz Collection Casa Susanna . Cindy Sherman
    Anonymous, Taken at Stag given by Fillie & Amanda, Milwaukee, Wisconsin, USA, 1912. Sébastien Lifshitz Collection Casa Susanna . Cindy Sherman
    C/O Berlin
  • Mickalene Thomas, Untitled #4 (Orlando Series), 2019 © Mickalene Thomas . Courtesy the artist and Yancey Richardson Gallery, New York
    Mickalene Thomas, Untitled #4 (Orlando Series), 2019 © Mickalene Thomas . Courtesy the artist and Yancey Richardson Gallery, New York
    C/O Berlin