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What Is It Like to Be a Bat?

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Ist Objektivität möglich, oder ist unsere persönliche Perspektive unausweichlich? Die Ausstellung What is it Like to be a Bat? [Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?] bringt Werke von vier Künstler*innen(kollektiven) zusammen, die sich damit befassen, wie Realität produziert wird. Sie fragen nach den Wahrnehmungswelten nichtmenschlichen Lebens – von Tieren, Pflanzen und anderen Lebensformen – und sie lenken unseren Blick auf Dinge in Welt und Wissenschaft, die wir Menschen nicht wissen und fassen (können).

Ist Objektivität möglich, oder ist unsere persönliche Perspektive unausweichlich? Diese Frage stellt der Philosoph Thomas Nagel in seinem Text von 1974 "What Is It Like to Be a Bat?". Nagel verwendet Fledermäuse als Metapher, um die Unterschiede zwischen subjektivem Erfahren und objektivem Wissen zu verdeutlichen. Auch wenn wir alles Erdenkliche über das Funktionieren von Fledermäusen, etwa der Art und Weise wie sie sich durch Echoortung orientieren, erforscht und experimentell bewiesen haben, wird es, so Nagel, weiterhin unmöglich sein, zu begreifen, wie eine Fledermaus ihre Umwelt tatsächlich wahrnimmt. Wir können nicht wissen, wie es für eine Fledermaus ist, eine Fledermaus zu sein, sie also auf einer bewusstseinsbezogenen Ebene nicht vollständig verstehen. Mit anderen Worten: Die Erfahrung eines mentalen Zustandes ist subjektiv. Nagel glaubt an die Existenz von Tatsachen, die wir nicht in der Lage sind zu wissen. Er setzt damit der naturwissenschaftlichen Weltsicht, die das Bewusstsein auf physikalische Gesetzmäßigkeiten und neuro-biologische Erklärungen zu reduzieren versucht, eine andere Sichtweise entgegen. In der Diskussion menschlichen und nichtmenschlichen Bewusstseins ist Nagels Frage nach der Fledermaus auch nach 40 Jahren von zentraler Bedeutung.  Aus gegenwärtiger Perspektive lassen sich Nagels Überlegungen weiterführen und als Aufforderung lesen, uns gegenüber anderem Leben und anderen Bewusstseinsformen respektvoller und bescheidener zu verhalten. Hier setzt die Ausstellung an. Das Gedankenexperiment mit der Fledermaus lädt ein, über nichtmenschliches Sein zu reflektieren und schlägt eine Brücke zu zeitgenössischem Denken, das sich mit ökologischen und posthumanistischen Fragestellungen beschäftigt und wie Nagel auch auf weniger mensch-zentrierte Positionen bei der Erforschung von Sinnes- und Subjektempfindungen pocht. Im Zentrum stehen Empathie und Koexistenz zwischen den Spezies im Zentrum. Dies, mit großer Dringlichkeit, denn wir Menschen benötigen angesichts einer Welt am Rande des Klimakollaps neue Modelle für das Miteinander unterschiedlicher Lebensformen – Leben, das für eine intakte Umwelt unerlässlich ist.

In diesem Gefüge, in dem sich naturwissenschaftliche Erkenntnisse, philosophische Problemstellungen und Fragen der Ethik aber auch Politik vermengen, vermitteln und spekulieren die künstlerischen Ansätze in der Ausstellung und forschen weiter. Sie schaffen einen Ort, an dem Emotionen und Erfahrungen einen zentralen Platz haben, wo kritische Fragen aufgeworfen und neue Perspektiven eingebracht werden. Alternative Wissenssysteme und die Natur sind darin Quellen von Erkenntnis, die die westliche, mensch-zentrierte Sicht erweitern und Realität, als eine Vielzahl von Konstruktionen, hinterleuchten. In Rückbezug auf Nagel fragt das Künstlerduo Zheng Mahler (Daisy Bisenieks & Royce Ng) aus Hongkong nach den Grenzen des menschlichen Apparatus und wie wir uns mittels Technologie in Übergangszustände zwischen menschlichem und mehr-als-menschlichem Bewusstsein versetzen können. Eine Virtual Reality Meditation, für die sich die Besucher*innen anmelden können, lädt zu einer solchen Erfahrung ein. Jenna Sutelas Objekte arbeiten mit Formen der Intelligenz, die nicht menschlichen, sondern pflanzlichen, tierischen und maschinellen Ursprungs sind. Zu sehen sind drei lavalampenartige Köpfe, die auch Ausgangspunkt der geisterhaften Fotogramme an den Wänden sind. Der Film Capture (2021) von Metahaven (Vinca Kruk & Daniel van der Velden) entlang überraschender Schnittmengen zwischen Teilchenphysik, Flechten und Fledermäusen eine spekulativ poetische Erzählung, die auch die großen Fragen in Philosophie, Wissenschaft und Alltag nicht ausklammert. Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė schließlich fragen in Mouthless Part III (2023), wie Klimawandel und Technologisierung Einfluss auf die Repräsentation von Natur nehmen. Ihre Landschaften bevölkern komplexe, widersprüchliche Wesen, die Natur zu einem Ort der Spekulation verwandeln.

Die Ausstellung wird mit freundlicher Unterstützung des Königreichs der Niederlande und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia realisiert.






  • 17.03.2023 - 04.06.2023
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    Öffnungszeiten:

    Dienstag, Donnerstag, Freitag 10–18 Uhr
    Mittwoch 10–21 Uhr
    Samstag und Sonntag 11–18 Uhr
    Feiertage 11–18 Uhr
    Montags geschlossen
    07/04, 10/04, 29/05, 24/12, 25/12, 01/01/24 geschlossen
     

    Preise:

    Erwachsene
    6 Euro

    Ermäßigt
    4 Euro

    Gruppe ab 10 Personen
    4 Euro pro Person

    Kinder bis 6 Jahre 
    Eintritt frei

    Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder)
    14 Euro

    Rundgänge und Veranstaltungen im Eintritt enthalten 
    (sofern nicht anders angekündigt)

    Jahreskarte
    25 Euro

    Ermäßigungen (mit Nachweis) für Auszubildende, Erwerbslose, Freiwilligendienstleistende, Schüler*innen, Schwerbehinderte, Studierende, Rentner*innen

    Freier Eintritt (mit Nachweis) für geflüchtete Menschen

     



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